1. Sonntag im Advent "C"
Jeremias 33,14-16
Seht, es werden Tage kommen - Spruch des Herrn -, da erfülle ich das Heilswort, das ich über das Haus Israel und über das Haus Juda gesprochen habe.
In jenen Tagen und zu jener Zeit werde ich für David einen gerechten Sproß aufsprießen lassen. Er wird für Recht und Gerechtigkeit sorgen im Land.
In jenen Tagen wird Juda gerettet werden, Jerusalem kann in Sicherheit wohnen. Man wird ihm den Namen geben: Jahwe ist unsere Gerechtigkeit.

Seht, es werden Tage kommen - Spruch des Herrn
Es ist, als würde ich den Glauben stets neu entdecken. Oder anders ausgedrückt: Es ist mir als wäre ich bis jetzt ungläubig gewesen, als hätte ich an unseren Gott gar nicht richtig geglaubt. Genau genommen heißt das, dass ich mit Gott in meinem Leben, im Leben unserer Gemeinschaft oder im Leben der Völker gar nicht rechne. Als ich den Kommentar zu dem alttestamentlichen Text, den wir heute hören, studierte, fiel mir ein Wort aus den Vorlesungen zum Neuen Testament ein. Der Pater, der die Vorlesung hielt, sagte immer wieder: „Unser Gott ist ein Gott der Geschichte. Gott schreibt seine Geschichte mit den Völkern der Erde und mit jedem Menschen.“ Das zu glauben, setzt meinerseits voraus, dass ich an diesen Gott glaube, ja sogar überzeugt davon bin, dass Gott seine Geschichte selbst dann mit mir schreibt, wenn ich nicht an ihn glaube. Der Prophet, von dem wir heute hören, glaubte an Gott. Er glaubte, dass Gott Jahwe sich das Volk Israel auserwählt hat zu seinem auserwählten Volk. Diese Auserwählung hat das Volk allerdings nicht vor Katastrophen bewahrt, wenn es sich von seinem Gott abgewandt hatte; denn die Sicherheit vor anderen Völkern oder sein Wohlergehen hing immer davon ab, ob das Volk seinem Gott treu war. Wenn es sich fremden Göttern zugewandt hatte, lief es Gefahr, von anderen Völkern besiegt und unterjocht zu werden. Durch solch ein Geschehen erkannte das Volk Israel, dass sein Gott ein eifersüchtiger Gott ist, der seine Herrschaft nicht mit toten Göttern teilt.
In den Worten, die wir heute hören, verkündet der Prophet dem Volk Heil. Das Reich Davids ist untergegangen. Der König von Babylon, Nebukadnezar, hatte das Land besiegt und die Menschen in die Gefangenschaft geführt. Doch ihre Gefangenschaft ging dem Ende zu. Ihr Gott Jahwe hat sein Volk nicht vergessen, er schenkt ihm durch König Kyrus wieder die Heimkehr. Diese ist jedoch nicht von Triumph begleitet, vielmehr macht sich bei den Heimkehrern Enttäuschung breit. Der Tempel ist zerstört. Das Volk, das sich in Israel angesiedelt hatte, wollte nicht einfach weichen. Dies ist der geschichtliche Hintergrund unseres Textes. Der Prophet möchte sein Volk trösten und stärken. Er ist der Mund des Gottes Jahwe.
Seht, es werden Tage kommen - Spruch des Herrn -, da erfülle ich das Heilswort, das ich über das Haus Israel und über das Haus Juda gesprochen habe. Gott hatte nicht die Vernichtung des Volkes im Sinn, sondern nur die Strafe. Diese ist geschehen, so kann das Heil, das Jahwe seinem Volk versprochen hat, in Erfüllung gehen. Dieses Wort des Heiles heißt: In jenen Tagen und zu jener Zeit werde ich für David einen gerechten Sproß aufsprießen lassen. Er wird für Recht und Gerechtigkeit sorgen im Land. David war einst der große König Israels. Ein Spross aus seinem Geschlecht wird verheißen. Dieser wird für Recht und Gerechtigkeit sorgen. Dem verzagten Volk wird damit Mut gemacht, den zerstörten Tempel wieder aufzubauen und das Land zu bestellen; sich nicht durch Missernte oder Angriffe seitens anderer Völkerstämme einschüchtern zu lassen. Es besteht kein Grund, verzagt zu sein. Das Volk hört ein Wort, einen „Spruch des Herrn“, eine Zusicherung Gottes, dass er ihm beistehen und helfen wird.
In jenen Tagen, verkündet der Prophet, wird Juda gerettet werden, Jerusalem kann in Sicherheit wohnen. Man wird ihm den Namen geben: Jahwe ist unsere Gerechtigkeit. Es gab für den Israeliten keine größere Qual, als fern der Heimat, fern von Tempel, dem religiösen Mittelpunkt, zu leben. In einem Psalm heißt es: „An den Strömen von Babel saßen wir und weinten“. Sie weinten vor allem, weil sie ihres religiösen Mittelpunktes beraubt waren. Jetzt verheißt ihnen der Prophet, dass ihre Gefangenschaft zu Ende ist. Der Herr, ihr Gott Jahwe, wird sie retten. Sie können dann wieder zum Tempel nach Jerusalem pilgern, und wer dort wohnt, wohnt in Sicherheit. Doch das Entscheidende ist: Jahwe ist unsere Gerechtigkeit. Sie können sich ihren Sieg nicht selbst verschaffen, sondern Jahwe ist es, der ihnen ihr Land wieder zurückgibt. Er ist die „Gerechtigkeit“. Das will wohl heißen, dass Jahwe weiß, was gerecht ist. Er sorgt für Gerechtigkeit unter den Menschen. Die Bösen bestraft er, die Guten belohnt er. Das Volk Israel deutet so seine Geschichte. Es hatte sich von seinem Gott Jahwe abgewandt, dafür musste es in die Verbannung ziehen. Nun, da es sich ihm wieder zugewandt hat, darf es in sein Land zurückkehren.--- Was mich daran fasziniert, ist der Glaube des Volkes Israel an diesen Gott Jahwe. Er ist es, der die Geschichte und die Geschicke des Volkes Israel gelenkt hat und lenkt. Ja, es gibt diesen Gott! Auch heute! Damals verheißt der Prophet In jenen Tagen wird Juda gerettet werden, Jerusalem kann in Sicherheit wohnen. Ich meine, einer meiner Lehrer hätte gesagt, dass es kein Volk auf der Erde gäbe, das so oft vor der Vernichtung gestanden habe und doch immer wieder neu erstanden sei. Dies liegt nicht an der Politik dieses Volkes, sondern an Gottes schützender Hand. Es ist nach wie vor das Volk Gottes. Gewiss, durch Jesus Christus ist ein neues Volk geworden. In Jesus Christus hat Gott für David einen gerechten Sproß aufsprießen lassen. Er, der Nachkomme Davids, ist der gerechte Sproß schlechthin. Der Herr hat Gerechtigkeit geschaffen, indem er sein Leben hingegeben hat. Jeder, der an ihn glaubt, bekommt Anteil an dieser Gerechtigkeit geschenkt. Jeder, der zu ihm gehört, kann und darf sagen: Jesus Christus ist meine Gerechtigkeit.