2. Sonntag der Osterzeit "C"
Apostelgeschichte 5,12-16
Durch die Hände der Apostel geschahen viele Zeichen und Wunder im Volk. Alle kamen einmütig in der Halle Salomos zusammen. Von den übrigen wagte niemand, sich ihnen anzuschließen; aber das Volk schätzte sie hoch. Immer mehr wurden im Glauben zum Herrn geführt, Scharen von Männer und Frauen. Selbst die Kranken trug man auf die Straßen hinaus und legte sie auf Betten und Bahren, damit, wenn Petrus vorüberkam, wenigstens sein Schatten auf einen von ihnen fiel. Auch aus den Nachbarstädten Jerusalems strömten die Leute zusammen und brachten Kranke und von unreinen Geistern Geplagte mit. Und alle wurden geheilt.

Durch die Hände der Apostel geschahen viele Zeichen und Wunder im Volk.
Die Lesung aus der Apostelgeschichte, die wir heute hören, kann uns fragen lassen, warum damals so viele Wunder durch die Apostel geschehen sind und warum heute keine Wunder durch die Kirche geschehen. In den Vorlesungen im Studium hörte ich dazu, dass die Wunder in der ersten Zeit der Kirche notwendig gewesen seien, um das Wort der Verkündigung als glaubwürdig zu erweisen, war es doch das Wort von der Auferstehung Jesu, der selbst den Tod überwunden hat.
Heute haben wir einen Text, der die Zeit der Apostel idealisiert. Sie setzen das Wirken ihres Meisters, Jesus Christus, fort. Dieser war „ein Prophet, mächtig in Wort und Tat vor Gott und dem ganzen Volk“(Lk 24,19). Die Führer des Volkes hatten ihn an das Kreuz schlagen lassen, doch am dritten Tag ist er vom Tode erstanden. Der Tod hatte keine Macht über ihn. Oder anders ausgedrückt: Jesus hat den Tod besiegt.
Wir berühren hier das Geheimnis der Erbsünde. Die Erbsünde brachte Krankheit, Leiden und Tod mit sich. „Wenn ihr davon esst, (von den Früchten des Baumes, der in der Mitte steht,) sprach Gott, der Herr, zu Adam und Eva, müsst ihr sterben.“ Jesus hat in seiner Auferstehung den Tod überwunden. Dabei geht es nicht nur um den leiblichen Tod, sondern vor allem um den Verlust der Herrlichkeit des Himmels. Darum spricht die Theologie von der „Vorhölle“. In ihr warteten alle Gerechten, die vor der Auferstehung Jesu gelebt haben, auf ihre Erlösung. Auf den Ikonen, auf denen dies gemalt ist, nimmt Jesus Adam und Eva bei der Hand und führt sie und alle, die mit ihnen gewartet haben, heraus.
Nach seiner Auferstehung hat Jesus seinen Jüngern, seiner Kirche sein Leben anvertraut. Er erscheint ihnen und sagt zu ihnen, „ wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch.“ Und er schenkt ihnen den Heiligen Geist mit dem Auftrag, den Menschen die Sünden nachzulassen.
Langsam wird mir einsichtig, wie wichtig damals das wunderbare Geschehen durch die Apostel war. Die Wunder waren der Ausdruck dessen, dass das Wort des Herrn kein leeres Wort war. Sie waren der Erweis, dass die Auferstehung des Herrn wirklich geschehen ist. In ihnen wirkte der Herr weiter. Er beglaubigte so die Botschaft von seinem irdischen und göttlichen Leben. Da wir Menschen immer auf sichtbare Zeichen angewiesen sind, sammeln wir uns dort, wo wir sichtbare Zeichen erleben. Ich denke an Lourdes oder, aus jüngster Zeit, an das Wirken von Pater Pio. So war es auch damals. Da durch die Apostel viele Zeichen und Wunder geschahen, kamen alle einmütig in der Halle Salomos zusammen. Selbst die Kranken trug man auf die Straßen hinaus und legte sie auf Betten und Bahren, damit, wenn Petrus vorüberkam, wenigstens sein Schatten auf einen von ihnen fiel. Wir Menschen greifen in unseren Nöten nach jedem „Strohhalm“. Darum ist es nicht verwunderlich, dass es sich herumgesprochen hat, dass von Petrus eine besondere Macht ausging, die Heilung verschaffen konnte. Auch aus den Nachbarstädten Jerusalems strömten die Leute zusammen und brachten Kranke und von unreinen Geistern Geplagte mit. Und alle wurden geheilt.
Mich bewegen nun einige Fragen. Wenn damals die Verkündigung darauf angewiesen war, dass das Wort, das verkündet wurde, seine Kraft und Macht auch „nach außen“ zeigte, ist dies nicht auch heute notwendig? Oder: Ging es bei der Botschaft von Jesus Christus vielleicht weniger um die Heilungen, die durch die Apostel geschahen, sondern vielmehr um die Verbundenheit mit Gott, um den Zugang zum neuen Leben durch den auferstandenen Herrn? Allmählich begreife ich, dass diese Wunder damals notwendig waren. Sie waren der Erweis, dass der Herr, Jesus Christus, den sie getötet hatten, lebt, wenn gleich er nun anders bei den Jüngern war als zuvor. Doch er war anwesend. Er ist in ihrer Mitte, wo immer sie sich versammeln. Er lebt. Er ist nicht im Tod geblieben. Das eröffnete ganz neue Lebensmöglichkeiten für die Menschen, die an IHN, die IHM glaubten. Es ging um das Leben an sich, nicht nur um das irdische. Dies war auch ein Lernprozess für die junge Kirche. Sie musste von einer „Wundersucht“ geheilt werden. Sie musste lernen, dass Jesus nicht gekommen ist, Wunder um Wunder zu wirken, sondern den Weg zu seinem Vater im Himmel wieder für die Menschen zu öffnen. Dazu musste er den Tod überwinden. Und er hat dies getan, indem er den Tod des Menschen auf sich nahm. Es fallen mir dazu Texte ein, wie „die da saßen in Finsternis und Todessschatten“. Ich selbst saß einst in diesem „Todesschatten“. Die Taufe hat mich davon befreit. Durch sie wurde ich mit Christus „begraben“ und „vom Tode auferweckt“. Dies ist an sich ein großes Wunder, doch kein sichtbares, äußeres Wunder wie zum Beispiel eine körperliche Heilung.
Ich muss gestehen, ich hätte gerne auch ab und zu ein sichtbares Wunder. Die Frage ist, ob mir dadurch das Glauben leichter fiele. Wahrscheinlich nicht! Der auferstandene Herr hat seiner Kirche für die erste Zeit viele sichtbare Wunder geschenkt. Das war sicher notwendig. Doch er ist nicht gekommen, um als „Wunderdoktor“ in die Geschichte einzugehen, sondern als Erlöser der Menschheit aus der Gefangenschaft des Bösen. So sind der Tod und die Auferstehung des Herrn der Kern unseres Glaubens. Wir sind von der Knechtschaft Satans befreit, und ewiges Leben ist uns verheißen. Diese Botschaft gilt es zu verkünden.