2. Sonntag im Advent "C"
Zefania 3,14-17
Juble, Tochter Zion! Jauchze, Israel! Freu dich, und frohlocke von ganzem Herzen, Tochter Jerusalem! Der Herr hat das Urteil gegen dich aufgehoben und deine Feinde zur Umkehr gezwungen. Der König Israels, der Herr, ist in deiner Mitte; du hast kein Unheil mehr zu fürchten. An jenem Tag wird man zu Jerusalem sagen: Fürchte dich nicht, Zion! Laß die Hände nicht sinken! Der Herr, dein Gott, ist in deiner Mitte, ein Held, der Rettung bringt. Er freut sich und jubelt über dich, er erneuert seine Liebe zu dir, er jubelt über dich und frohlockt, wie man frohlockt an einem Festtag.

Juble, Tochter Zion! Jauchze, Israel!
Die Lesung zum heutigen Sonntag aus dem Alten Testament spricht von der Freude. Sie ist offensichtlich zum Sonntag „Gaudete“ ausgewählt worden. Gaudete heißt: „Freuet euch“. Es ist ein Wort aus dem Brief des Apostels Paulus an die Christen zu Philippi. „ Freut euch im Herrn zu jeder Zeit! Noch einmal sage ich: Freuet euch! Eure Güte werde allen Menschen bekannt. Der Herr ist nahe.“ Sowohl Paulus als auch der Prophet Zefania (er heißt auch: Sophonias) sprechen von der Freude, weil Gott ihnen nahe ist. Der eigentliche Grund zur Freude ist Gott. Doch beide, Paulus und Zefania, haben einen unterschiedlichen geschichtlichen Hintergrund. Bleiben wir beim Propheten Zefania. Das Volk Israel ist aus der Gefangenschaft heimgekehrt. Es fand jedoch fast nur Trümmer in seinem Land vor. Die erste Begeisterung der Heimkehrenden ist verklungen. Hier haben die Worte, die wir heute hören, ihren „Sitz im Leben“ (so nennt man das in der Theologie). Der Prophet möchte seinem Volk Mut machen. Gott Jahwe hatte das Volk seiner Untreue wegen bestraft. Doch nun ist es genug der Strafe. Der Herr hat das Urteil gegen dich aufgehoben, verkündet der Prophet. Gott Jahwe hat sein Volk von Gefangenschaft und Verschleppung befreit. Er hat seine Feinde zur Umkehr gezwungen. Gott war es, der den Israeliten zur Freiheit verholfen hat. Israel kann nun in Ruhe und Sicherheit wohnen. Ich denke an uns und unsere Gesellschaft. Ob wir unser Wohlergehen auch Gott zuschreiben? Ob wir uns von diesem Gott Jahwe, der auch unser Gott ist, überhaupt etwas sagen lassen? Es ist für mich so, als ob er in unserem öffentlichen Leben gar nicht existieren würde. Und so frage ich mich, ob mein Gottesverhältnis nur in meinem persönliches Leben eine Bedeutung hat? Ich habe noch nie ernstlich darüber nachgedacht, ob der Untergang des Dritten Reiches nicht vielmehr von Gott ausgegangen ist als von uns Menschen. Dann waren unsere „Feinde“ Werkzeuge in der Hand Gottes. Ich meine sagen zu müssen: So ist es!
Es gibt ein Schriftwort, das heißt: Gott straft, doch seine Hände heilen auch. Gott ist es, der die Heilung bringt. Dem Volk Israel bringt er Heil und Heilung, indem er selbst in dessen Mitte bleibt. Der König Israels, der Herr, ist in deiner Mitte; du hast kein Unheil mehr zu fürchten. Wenn wir Gott in unserer Mitte haben, kann uns nichts passieren. Damals hat das Volk Israel alles Geschehen auf Gott zurückgeführt. Wenn es unterdrückt wurde, sagte es sich, dass es sich von ihrem Gott abgewandt und gesündigt hatte. Das heißt auch, dass sich Gott aus ihrer Mitte entfernt hatte. Diese Schicksalsverbundenheit hat Jesus aufgelöst. Er hat keine Sünde getan und hatte sich nicht von seinem Vater getrennt, dennoch hat er den schmählichen Tod erlitten. Seit Jesu Tod gibt es das stellvertretende Leiden.
Doch nun wieder zum Propheten Zefania. Er macht dem Volk Israel Mut, Jerusalem aufzubauen. An jenem Tag wird man zu Jerusalem sagen: Fürchte dich nicht, Zion! Laß die Hände nicht sinken! Der Herr, dein Gott, ist in deiner Mitte, ein Held, der Rettung bringt. Es gibt für die Israeliten keinen Grund, mutlos zu werden. Gott ist ein lebendiger Gott, ein Gott, der helfen kann. Ich möchte sagen, es ist ihr Gott. Natürlich ist er unser aller Gott, doch hat er – und das ist das Unglaubliche daran – sich dieses Volk Israel besonders auserwählt. Er hat es durch die Jahrhunderte begleitet; er hat es bestraft, wenn es anderen Göttern nachlief, doch hat er es nie ganz verstoßen. Wie in keinem anderen Volk war er die Mitte seines Volkes. Der Herr, dein Gott, ist in deiner Mitte, ein Held, der Rettung bringt. In allen Nöten hat das Volk seinem lebendigen Gott geglaubt. Aus diesem seinem Volk kam unser Erlöser. Die eigentliche Tragik dieses Volkes ist, dass es Jesus nicht angenommen hat. Doch, so frage ich mich: Haben wir Jesus angenommen? Ich erinnere mich an eine Religionsstunde am Abendgymnasium. Unser Religionslehrer betonte, dass Jesus Jude war. Da musste ich zuerst einmal meine Vorurteile gegenüber den Juden in mir abbauen. Diese entstanden in meiner Kindheit. Auf dem väterlichen Hof zogen in meiner Jugend von Zeit zu Zeit Juden mit einigen Stücken Vieh vorbei. Diese boten sie zum Verkauf an. Beim Kauf konnte es sein, dass man betrogen wurde. Am Jude-sein haftete darum immer ein Makel. Daher hatte ich in Jesus immer nur den Menschen gesehen, nicht den Juden.
Doch nun wieder zum Text. Dieser Gott, der auch mein und unser Gott ist, freut sich über sein Volk. Er freut sich und jubelt über dich, er erneuert seine Liebe zu dir, er jubelt über dich und frohlockt, wie man frohlockt an einem Festtag. Gewiss werden hier menschliche Gemütsbewegungen auf Gott übertragen. Doch wie sollen wir Menschen anders von Gott denken und reden? Wenn Gott sich dieses Volk als sein Volk auserwählt hat, dann ist er ihm auch nahe. Und wenn das Volk Israel seinem Gott treu bleibt, hat Gott Grund, sich über es zu freuen. Gott erneuert seine Liebe zu diesem Volk. Die Liebe ist es, die das Verhalten des Menschen ändern kann und ändert. Aus der Lebensgeschichte der Heiligen wissen wir, wie Gottes Liebe ihr Leben beeinflusst und verändert hat. Ein Franziskus wurde nur deshalb ein großer Heiliger, weil ihn Gott nicht mehr losgelassen und ihm so große Liebe ins Herz gegeben hat. Die Heiligen sind zugleich auch lebendige Zeichen dieses lebendigen Gottes. Er ist keine Erfindung des Menschen, sondern er hat sich immer wieder geoffenbart durch die Propheten und zuletzt durch seinen Sohn, Jesus Christus. Aus Liebe zu uns Menschen hat Jesus uns sein Leben geschenkt. Seither gilt für jeden Menschen, der IHN annimmt: Gott freut sich über dich. Er erneuert seine Liebe zu dir. Möge er sich auch über uns freuen und seine Liebe zu uns täglich erneuern!