4. Sonntag der Fastenzeit "C"
Josua 5, 9-12
In jenen Tagen sagte der Herr zu Josua: Heute habe ich die ägyptische Schande von euch abgewälzt.
Als die Israeliten in Gilgal ihr Lager hatten, feierten sie am Abend des vierzehnten Tages jenes Monats in den Steppen von Jericho das Pascha.
Am Tag nach dem Pascha, genau an diesem Tag, aßen sie ungesäuerte Brote und geröstetes Getreide aus den Erträgen des Landes.
Vom folgenden Tag an, nachdem sie von den Erträgen des Landes gegessen hatten, blieb das Manna aus; von da an hatten die Israeliten kein Manna mehr, denn sie aßen in jenem Jahr von der Ernte des Landes Kanaan.

In jenen Tagen sagte der Herr zu Josua
Das Alte Testament zu studieren ist nicht leicht, doch ich meine, es lohnt sich. Allerdings kann ich jetzt auch jenen Studenten verstehen, der über dieses Studium vom Glauben abgekommen ist. Wenn ich mein Leben und meinen Glauben betrachte, so ist mir, als hätte ich ohne „Grund“ geglaubt. Das heißt, ich habe einerseits mein Leben gelebt und andererseits an Gott geglaubt, den es zwar gibt, der jedoch nicht gestaltend in meinem und im Leben der Menschen zu sein scheint. Ich komme immer wieder auf das Wort „gottlos“ zurück. Ich meine, wir leben ein Stück „gottlos“. Die Texte aus dem Alten Testament, die wir zur Zeit im Gottesdienst lesen, wollen im Glauben an den Gott der Väter und an den Gott, den Vater Jesu Christi, verstanden werden. Dieser Gott ist ein lebendiger Gott, der in der Geschichte, auch in der Geschichte Israels, wirkender Gott.
In jenen Tagen sagte der Herr zu Josua: Heute habe ich die ägyptische Schande von euch abgewälzt. Josua war der Nachfolger des Mose. Er hatte die Aufgabe von Gott Jahwe bekommen, das israelitische Volk in das von Jahwe versprochene „Gelobte Land“ zu führen. Mose durfte das „Gelobte Land“ nur von ferne, vom Berg Nebo aus, sehen, Er starb, bevor das Volk Israel in das Land Kanaan einzog. Es war, von Jahwe aufgefordert, aus Ägypten aufgebrochen und war vierzig Jahre durch die Wüste unterwegs in das „Gelobte land.“ Als Hauptnahrung schenkte ihnen Jahwe das „Manna“. Die Befreiung aus Ägypten feierte das Volk alljährlich mit der Feier des Pascha. – Pascha heißt „Vorübergang“-. Das hat folgende Bewandtnis: Der König von Ägypten wollte das Volk Israel nicht ziehen lassen. Da gebot Jahwe durch Moses, die Israeliten sollten zur Feier am Abend vor dem Auszug aus Ägypten ein junges Lamm schlachten und mit dem Blut des geschlachteten Lammes die Türpfosten bestreichen. Das war ein Zeichen für den Engel Gottes, der in jener Nacht vorüberging. Wenn er das Blut sah, wusste er, dass hier Israeliten wohnten, deren Erstgeborenen er verschonte, die Erstgeborenen der Ägypter aber tötete. Die Ägypter, von diesem Schlag getroffen, ließen das Volk Israel nun ziehen. So kommt es, dass die Feier des „Pascha“ vor allem zwei Sinngehalte hat: einmal die Feier des Endes der Knechtschaft in Ägypten. Heute habe ich die ägyptische Schande von euch abgewälzt, sagt der Text. Das heißt: die Knechtschaft in Ägypten ist beendet und die volle Freiheit wurde dem Volk geschenkt, zum anderen hat das Volk nun den Weg in seine Zukunft vor sich.
Wenn wir die Feier unserer Eucharistie bedenken, haben wir die zwei Elemente ebenfalls. Sie ist einmal die Feier unserer Erlösung durch Jesus Christus, die Feier derer, die aus der Knechtschaft Satans befreit wurden, und zum anderen die Stärkung für das, was uns der Tag, die Zukunft abverlangt. Wie das Volk Israel, der Befreiung gedenkend, den Weg in seine Zukunft ging, so sind auch wir, der Erlösung gedenkend, immer im Aufbruch auf unsere Vollendung hin, wie wir vereinfachend sagen: auf dem Weg zum Himmel. Wie damals die Befreiung Israels der Anfang des Weges in die Zukunft war, so sind auch wir seit der Taufe auf dem Weg des Lebens in die Zukunft. Meistens ist dies nicht in unserem Bewusstsein. Wir leben so, als wäre diese Erde für uns alles. Der Tod, der uns mehr oder weniger einmal überrascht, ist nicht in unseren Lebensentwurf eingeplant. Und doch könnte er als „Vorübergang in das gelobte Land“ gesehen werden. Die Feier der heiligen Eucharistie ist dann immer schon Vorwegnahme dieses Überganges. Der Tod hat keine Macht mehr über den, der dies lebt. Für ihn gilt im übertragenen Sinne: Heute habe ich die ägyptische Schande (die Knechtschaft der Sünde und ihrer Folgen) von dir abgewälzt.
Nun weiter zum Text. Er setzt den Übergang über den Jordan voraus. Gilgal liegt westlich des Jordans, unweit von Jericho. Das wandernde Volk Israel hat das Land Kanaan erreicht. Es ist das Land, das der Herr, Gott Jahwe, seinen Vätern versprochen hatte. In den Steppen von Jericho feierten die Israeliten das Pascha mit dem Manna, das sie auf der langen Wanderung durch die Wüste gegessen hatten. Doch nun blieb das Manna aus. Sie konnten sich von den Erträgen des Landes ernähren. Vom folgenden Tag an, nachdem sie von den Erträgen des Landes gegessen hatten, blieb das Manna aus; von da an hatten die Israeliten kein Manna mehr, denn sie aßen in jenem Jahr von der Ernte des Landes Kanaan. Sie aßen von dem, was es im Land Kanaan gab. Ich muss wieder zurückdenken. Schäfer zogen in meiner Heimat mit ihren Herden über Wiesen und Felder, ohne dass ihnen jemand Einhalt gebot. Sie „ernteten“ – zum Ärger mancher Bauern - mit ihren Schafen, wo sie nicht gesät und gearbeitet hatten und wofür sie auch nicht bezahlten.
So zogen die Israeliten in ein Land, das ihnen Jahwe versprochen hatte, in ein Land in dem „Milch und Honig“ fließen. Ihr Gott gibt ihnen das Land. Und, so können wir fragen: „Was ist mit den Menschen, die da wohnten?“ Darauf gibt die Bibel keine Antwort. Sie will nur erzählen, wie der Gott der Väter sein Volk begleitet, es gleichsam ernährt.
In Jesus Christus wurde die Paschafeier mit neuem Sinn gefüllt. Jesus hat sein Volk, das nicht mehr nur aus dem israelitischen Volk besteht, sondern aus Menschen aller Rassen und Nationen, durch seinen Tod und seine Auferstehung aus der Macht Satans befreit. Er ist selbst die Nahrung, das Manna, mit dem er sein Volk in der Feier der Eucharistie auf dem Weg durch die Jahrhunderte ernährt. Das neue Volk bedarf eines Tages dieses „Mannas“ nicht mehr, dann, wenn es in der Vollendung ist, im Land, wo „Milch und Honig fließen“.