5. Sonntag der Fastenzeit "C"
Jesaja 43,16-21
So spricht der Herr, der einen Weg durchs Meer bahnt, einen Pfad durch das gewaltige Wasser, der Wagen und Rosse ausziehen läßt, zusammen mit einem mächtigen Heer; doch sie liegen am Boden und stehen nicht mehr auf, sie sind erloschen und verglüht wie ein Docht. Denkt nicht mehr an das, was früher war; auf das, was vergangen ist, sollt ihr nicht achten. Seht her, nun mache ich etwas Neues. Schon kommt es zum Vorschein, merkt ihr es nicht? Ja, ich lege einen Weg an durch die Steppe und Straßen durch die Wüste. Die wilden Tiere werden mich preisen, die Schakale und Strauße, denn ich lasse in der Steppe Wasser fließen und Ströme in der Wüste, um mein Volk, mein erwähltes, zu tränken. Das Volk, das ich mir erschaffen habe, wird meinen Ruhm verkünde

So spricht der Herr.
„So spricht der Herr“, hören wir heute zu Beginn der Lesung. Ohne gleich auf den Inhalt der Worte, die der Herr spricht, einzugehen, möchte ich mir Rechenschaft über meinen Glauben an diesen „Herrn“ geben. Ich stelle fest, dass täglich Menschen mit mir sprechen, denen ich zuhöre, und deren Worte ich unterschiedlich zur Kenntnis nehme. Wenn es bedeutsame Worte sind, werde ich diese gewiss behalten wollen. Hätte mit mir vielleicht die Bundeskanzlerin gesprochen, wäre ich gewiss stolz darauf. Das würde ich mit Sicherheit nie vergessen. Doch, wie ist es mit dem Wort, das der „Herr“ spricht? Es ist in der Tat eine Frage nach der Beziehung. Wenn ich zu einem Menschen eine Beziehung habe, werde ich ihm gerne zuhören. Oder wenn das Gegenüber mir viel bedeutet, werde ich ebenfalls hinhören, was er mir sagt. Daraus folgere ich, dass „der Herr“ oft in meiner Beziehung nicht ganz da ist. Das kommt natürlich auch von der Schwierigkeit, dass ich nur im Glauben mit IHM leben kann. Und es gibt noch einen zweiten Grund, warum „der Herr“ nicht so tief in meinem Herzen ist: das Evangelium, das von ihm erzählt und spricht, ist nicht so leicht zu verstehen, und deshalb kann es mein Herz kalt lassen. Ich habe es, so meine ich, schon einmal erzählt, wie ich abends, nach getaner Arbeit anfing, in der Heiligen Schrift zu lesen. Einer meiner Brüder lächelte darüber, und für mich selbst waren die Worte meist unverständlich und ohne Anregung. Dies änderte sich erst durch das Studium und die Schriftgespräche. Letztere ließen mich „Geschmack“ an der Heiligen Schrift finden. So studiere ich die Kommentare zur Heiligen Schrift nicht nur um des Studiums willen, sondern mit echter Suche nach dem Leben des Herrn, das mir dadurch geschenkt werden kann. Gewiss, es kommen darüber auch manche Zweifel auf. Die Frage nach Gott stellt sich immer radikaler. Ist er wirklich der lebendige Gott? Ist er derjenige, der die Geschichte und Geschicke der Menschen leitet? Wie hat er zu den Propheten gesprochen? Frage um Frage kann kommen. Es gibt nicht auf alle Fragen eine Antwort durch den Verstand. Gott ist uns letztlich nur im Glauben zugänglich. Dies ist übrigens auch schon im zwischenmenschlichen Leben so. Ich muss dem anderen Menschen immer einen Vorschuss an Vertrauen im Glauben schenken, um mit ihm leben zu können. Ich weiß nie im voraus, was im anderen vor sich geht. Glauben wir darum dem Herrn, der zu uns spricht! Geben wir ihm den Vorschuss des Glaubens! Der Herr hat einst Großes gewirkt. Er, der einen Weg durchs Meer bahnt, einen Pfad durch das gewaltige Wasser, der Wagen und Rosse ausziehen läßt, zusammen mit einem mächtigen Heer; doch sie liegen am Boden und stehen nicht mehr auf, sie sind erloschen und verglüht wie ein Docht. Der Herr, Jahwe, der Gott Israels, hat sein Volk aus der Knechtschaft Ägyptens herausgeholt. Er allein hat es bewirkt. Es gehört zum festen Glauben Israels, dass Gott Jahwe ihm den Weg durch das Meer gebahnt hat, dass es trockenen Fußes das andere Ufer erreicht hat und schauen konnte, wie das Heer, das es verfolgt hat und zurückholen wollte, im Wasser des Meeres versank. Nicht eigene Kriegskunst und Diplomatie hat es bewirkt, sondern Jahwe, sein Gott, ist der starke und lebendige Gott, der sein Volk, das Volk Israel gerettet und befreit hat. Ich muss mich hier wieder fragen, ob ich an diesen Gott glaube, ob er für mich auch ein Gott ist, der in der Geschichte der Menschen und der Völker gegenwärtig ist und deren Geschicke und Geschichte lenkt und leitet. Eigentlich dürfte es für mich gar nicht so schwierig sein, habe ich doch in meinem Leben schon oft seine lenkende Hand erfahren. Dass ich zum Beispiel vor 50 Jahren die Abendschule in Neuss finden durfte, ist gewiss durch ein Wunder geschehen. Eigentlich müsste mir der Glaube leicht fallen, doch immer wieder kommen die bohrenden Fragen. Dabei mahnt uns der Prophet heute, nicht rückwärts, sondern vorwärts zu schauen. Denkt nicht mehr an das, was früher war; auf das, was vergangen ist, sollt ihr nicht achten. Seht her, nun mache ich etwas Neues. Schon kommt es zum Vorschein, merkt ihr es nicht? Das Volk Israel, zu dem der Prophet spricht, ist in babylonischer Gefangenschaft. Der Prophet sieht voraus, dass das Volk nun bald in sein Land zurückkehren darf. Darum solle es nicht mehr nur rückwärts der Taten gedenken, die einst sein Gott in Ägypten gewirkt hat, sondern es solle vielmehr auf das achten, was vor ihm liegt, nämlich die Befreiung aus der Gefangenschaft. Ich lege einen Weg an durch die Steppe und Straßen durch die Wüste. Die wilden Tiere werden mich preisen, die Schakale und Strauße, denn ich lasse in der Steppe Wasser fließen und Ströme in der Wüste, um mein Volk, mein erwähltes, zu tränken. Wieder ist es der Herr, der das Ende der Gefangenschaft schenkt. Alles, was in diesem Volk und mit diesem Volk geschieht, hat etwas mit Jahwe, seinem Gott, zu tun. Dies gilt an sich auch für jeden von uns. Unser Gott ist ein lebendiger Gott, ein Gott, der nicht nur „Zuschauer“ unseres Lebens, sondern vielmehr unser Inhalt, Weg und Ziel des Lebens ist. Und je mehr er dies ist, umso mehr verkünden wir sein Leben. Es gibt ein Sprichwort: Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm. Das will heißen: Der Apfel verweist auf den Baum. So sagt auch der Prophet: Das Volk, das ich mir erschaffen habe, wird meinen Ruhm verkünden. Es wird dies tun, indem es im Glauben mit diesem Gott lebt, indem es Gott als seinen Gott bekennt. Sein Volk, heute gehören wir dazu, verherrlicht Gott durch sein Dasein.