Apostelgeschichte 2,1-11
Als der Pfingsttag gekommen war, befanden sich alle am gleichen Ort. Da kam plötzlich vom Himmel her ein Brausen, wie wenn ein heftiger Sturm daherfährt, und erfüllte das ganze Haus, in dem sie waren. Und es erschienen ihnen Zungen wie von Feuer, die sich verteilten auf jeden von ihnen ließ sich eine nieder. Alle wurden mit dem Heiligen Geist erfüllt und begannen, in fremden Sprachen zu reden, wie es der Geist ihnen eingab. In Jerusalem aber wohnten Juden, fromme Männer aus allen Völkern unter dem Himmel. Als sich das Getöse erhob, strömte die Menge zusammen und war ganz bestürzt; denn jeder hörte sie in seiner Sprache reden. Sie gerieten außer sich vor Staunen und sagten: Sind das nicht alles Galiläer, die hier reden? Wieso kann sie jeder von uns in seiner Muttersprache hören: Parther, Meder und Elamiter, Bewohner von Mesopotamien, Judäa und Kappadozien, von Pontus und der Provinz Asien, von Phrygien und Pamphylien, von Ägypten und dem Gebiet Libyens nach Zyrene hin, auch die Römer, die sich hier aufhalten, Juden und Proselyten, Kreter und Araber, wir hören sie in unseren Sprachen Gottes große Taten verkünden.
Als der Pfingsttag gekommen war
Bei dem vorgegebenen Text habe ich mich gefragt, ob ich überhaupt an ein solches Wunder glaube. Ich studierte darum wieder Kommentare. Dabei stellte ich fest, dass mein Glaube immer nur ein „Augenblicks-Glaube“ ist, im Gegensatz zu einem Glauben, der das ganze Leben in seiner Geschichte sieht. Mir fiel dabei wieder ein Wort eines Theologen ein, der immer sagte, Gott ist ein Gott der Geschichte. Diese Erkenntnis hat mir zum besseren Verstehen des Textes verholfen. Der Evangelist Lukas hat das Pfingstgeschehen im großen Zusammenhang mit dem Alten Testament gesehen. Das Volk Israel hatte 40 Jahre Wüstenwanderung durchlebt und bekam dann am Sinai das Gesetz von Gott Jahwe. Dadurch wurde es zu einem Volk, das sich von allen anderen Völkern unterschied. Das Ereignis der Gesetzgebung wurde alljährlich am Pfingsttag, am fünfzigsten Tag nach Ostern, gefeiert. Wir Christen feiern Ostern, die Befreiung und Erlösung durch Jesu Tod und Auferstehung aus der Knechtschaft Satans. Am Pfingsttag bekamen wir das „Neue Gesetz“, das Leben mit dem Dreifaltigen Gott im Heiligen Geist, das uns von allen Menschen unterscheidet und innerlich zu einer neuen Gemeinschaft verbindet. Das „neue Gesetz“ ist nicht mehr in Stein gehauen, sondern in die Herzen der Menschen gelegt. Der Evangelist hat noch mehr Anklänge an das Alte Testament verwandt. Jesus ist in den Himmel aufgestiegen. Vor seinem Abschied sagte der Herr, er werde einen anderen Beistand, den Heiligen Geist, herab senden. So stieg einst Mose auf den Berg Sinai, damit das „Gesetz und der Bund“ herabkämen. Auch der Wind und das gewaltige Brausen sind Kennzeichen jenes Bundes am Sinai. Der ganze Berg war von einer Rauchwolke eingehüllt. Am Pfingstfest erfüllte das Brausen wie ein Sturm das ganze Haus. Da kam plötzlich vom Himmel her ein Brausen, wie wenn ein heftiger Sturm daherfährt, und erfüllte das ganze Haus, in dem sie waren Das Gleiche gilt für die „Feuerzungen“. Auch sie sind schon im Sinaigeschehen des Alten Testamentes erwähnt. Die Stimme Jahwes hat sich in siebzig Zungen aufgeteilt, um so die Universalität der Botschaft für alle Völker anzuzeigen. Das Pfingstfest und seine Botschaft ist in seinen Anfängen tief im Glauben Israels verankert. Für den Evangelisten geht es jedoch darum, das wesentlich Neue aufzuzeigen. Mit dem Tod und der Auferstehung Jesu ist ein Neuer Bund gestiftet worden. Dieser Neue Bund besteht nicht, wie schon erwähnt, in der Gesetzgebung am Sinai, sondern in der Gabe des Heiligen Geistes. Der Heilige Geist verbindet die Menschen zur großen Gemeinschaft vor und in Gott. Von dieser Gemeinde in Christus hören wir, dass sie alle die Botschaft des Herrn in ihrer eigenen Sprache verstanden. Es gab keinen Unterschied zwischen den einzelnen Stämmen. Jeder hörte sie in seiner Sprache reden. Sie gerieten außer sich vor Staunen und sagten: Sind das nicht alles Galiläer, die hier reden? Wieso kann sie jeder von uns in seiner Muttersprache hören? Die Kirche hat von Anfang an den Auftrag, allen Menschen aller Nationen die Botschaft von der Erlösung durch Jesus Christus zu verkünden.
Dies war für mich an der Lesung bedenkenswert. Ich blieb immer an der sogenannten Glossolalie, das heißt, dem „Zungenreden“ hängen und fragte mich, was das für mich bedeuten soll. Im Kommentar fand ich den Hinwies, dass das Zungenreden ein Lobpreis Gottes ist, der bei den ersten Christengemeinden den Überschwang ihrer Glaubensgefühle zum Ausdruck brachte. Der Apostel Paulus schreibt an einer Stelle, dass er lieber zehn Worte sprechen würde, die andere verstehen könnten, als hundert Worte, die niemand versteht. Der Evangelist Lukas hat das „Zungenreden“ dazu benutzt, um den Menschen die Botschaft von Jesus zu verkünden. „Das Charisma der Glossolalie (Zungenreden) bekommt in der Darstellung des Lukas eine eigene Prägung. Er formt das Phänomen des ekstatischen „Sprechens zu Gott“ um in ein „Sprechen zu den Menschen“, schreibt ein Kommentar. Der Text sagt: Wir hören sie in unseren Sprachen Gottes große Taten verkünden. Der Heilige Geist erfüllt alle Menschen mit seinen Gaben. Er macht nicht alle Menschen gleich, sondern er lässt jedem seine Eigenart. Ein jeder kann in seiner Sprache, die er von Kind an gelernt hat, Gott loben und preisen. Und er kann heute in eben derselben Sprache die Botschaft Gottes, die Botschaft „von den großen Taten Gottes“ hören. Wer das letzte Konzil mit- erlebt hat, wird erahnen, wie sehr der Heilige Geist in den Konzilsvätern gewirkt hat. Es ist ein gewaltiger Durchbruch, dass die Liturgie nicht mehr nur in der lateinischen Sprache gefeiert werden muss! Wir haben uns heute schon an die Liturgie in der Landessprache gewöhnt. Jetzt, da ich das schreibe, wird mir erst die Bedeutung dessen bewusst, was damals der Heilige Geist gewirkt hat. Und ich bin sicher, er wird weiter wirken. Die Botschaft des Glaubens hat noch nicht alle Menschen erreicht. Es ist unsere Aufgabe, daran mitzuwirken. „Die Kirche ist als eine universale Kirche geboren; der Bund, den der Geist mit ihr schließt, betrifft die ganze Menschheit.“ Sie muss sich in den Dienst aller Sprachen und Kulturen stellen. Sie hat alle anzunehmen, ohne irgendeiner den Vorrang vor anderen zu geben. Und noch eines ist zu bedenken. Damals waren „die Christen alle am gleichen Ort versammelt“. Heute würden wir sagen, wir sind zum Gottesdienst versammelt. Uns kann es nicht gleichgültig sein, wo die anderen sind, die nicht in unsere Versammlung kommen. So haben wir den Auftrag, ihnen die Botschaft durch unser Wort und unser Zeugnis zu vermitteln. „Die Versammelten sollen zu Versammlern der Abwesenden werden,“ schreibt der Kommentar. Möge der Heilige Geist uns dabei helfen!
|