Sonntag nach Weihnachten "A" (Hl. Familie)
Jesus Sirach 3,2-6.12-14
Der Herr hat den Kindern befohlen, ihren Vater zu ehren, und die Söhne verpflichtet, das Recht ihrer Mutter zu achten. Wer den Vater ehrt, erlangt Verzeihung der Sünden, und wer seine Mutter achtet, gleicht einem Menschen, der Schätze sammelt. Wer den Vater ehrt, wird Freude haben an den eigenen Kindern, und wenn er betet, wird er Erhörung finden. Wer den Vater achtet, wird lange leben, und wer seiner Mutter Ehre erweist, der erweist sie dem Herrn. Mein Sohn, wenn dein Vater alt ist, nimm dich seiner an, und betrübe ihn nicht, solange er lebt. Wenn sein Verstand abnimmt, sieh es ihm nach, und beschäme ihn nicht in deiner Vollkraft! Denn die Liebe zum Vater wird nicht vergessen, sie wird als Sühne für deine Sünden eingetragen.

Der Herr hat den Kindern befohlen
Zum Fest der Heiligen Familie hören wir einen Text des Weisheitslehrer Jesus Sirach. Zur Zeit da er lebte, breitete sich die griechische Philosophie über die damals bekannte Welt aus. Sie wurde auch bei dem jüdischen Volk heimisch. Der Weisheitslehrer sah seine Aufgabe darin, beides: die jüdische Gesetzesfrömmigkeit mit der griechischen Philosophie zu verbinden. Dabei ging es ihm jedoch vor allem darum, die Gesetze und Gebote des Mose als Grundlage seiner Auslegung zu erhalten, was am Aufbau des Buches von Jesus Sirach zu erkennen ist. Er behandelt zuerst die Frömmigkeit, das heißt, die Beziehung zu Gott, die vor allem in den ersten drei Geboten unserer Zehn Gebote zum Ausdruck kommt. Dann geht er auf das Verhalten der Kinder gegenüber den Eltern ein, wir kennen das vierte Gebot (von ihm handelt unser Text). Darüber hinaus spricht er über das Verhalten des Menschen zu sich selbst und anschließend steht der Mitmensch, vor allem der Arme im Mittelpunkt. Der Herr hat den Kindern befohlen, ihren Vater zu ehren, und die Söhne verpflichtet, das Recht ihrer Mutter zu achten, das heißt, alle Anordnung geht von Gott aus. Hier tut sich die Frage auf: Was ist, wenn die Kinder nicht an Gott glauben? Sie werden sich um einen solchen Text nicht kümmern, doch das heißt noch nicht, dass sie Vater und Mutter nicht ehren. Es gibt ein Naturgesetz, das im Menschen angelegt ist und ihn dazu bewegt, zu den Eltern gut zu sein. In unserem Text geht es nur darum, dass die Kinder gut zu den Eltern sind und nicht darum, dass die Eltern gut zu den Kindern sein sollen. Nur wenn die Eltern ihren Kindern Leben und Liebe geschenkt haben, können sie erwarten, dass sie selbst, wenn sie alt oder in Not sind, Liebe zurückgeschenkt bekommen. Diese Erkenntnis hat wohl erst durch die Tiefenpsychologie Bedeutung bekommen. Es kann immer nur der etwas geben, wer etwas hat. Wenn Eltern ihr Leben nicht in ihren Kindern schenken, werden sie auch kein Gutsein zurückbekommen können. Ich meine, das in unserem Text eine hierarchische Struktur zu Grunde liegt. Sie besagt, dass der nächst Kleinere dem nächst Oberen zu dienen hat. In der Kirche finden wir diese Struktur. Gott ist der Erste, dann folgen auf der Erde Papst, Bischof, Priester, Laien. Die Psychologie von heute hat das meines Erachtens umgedreht. Der Papst ist der Diener (nicht der Herr) aller. Der Bischof müsste der Diener seiner Christen in der Diözese sein und der Pfarrer (nicht Pfarrherr) Diener in seiner Gemeinde. Der heilige Franziskus hat das offensichtlich erkannt. Er sagt, dass der leitende Bruder der Diener der Brüder sein soll. Darum nannte er ihn „Minister“, das heißt „Diener“. Er wollte die Bezeichnung „Abt“ (Vater) nicht. Natürlich hängt das immer noch vom einzelnen Menschen ab, inwiefern er „Diener“ ist oder „Herr“. Jedenfalls hat unser Text eine Struktur, die besagt, dass der Untere dem Oberen zu dienen hat. Das ist die von Gott gegebene Naturordnung, die jedoch von Christus durchbrochen wurde. Er sagt, dass er wie einer, der dient, unter seinen Jüngern sei, obwohl er doch Herr genannt würde. Doch nun wieder zum Text. Wer den Vater ehrt, erlangt Verzeihung der Sünden, und wer seine Mutter achtet, gleicht einem Menschen, der Schätze sammelt. Gewöhnlich achten wir nicht darauf, wenn es einem Menschen gut geht und fragen auch nicht nach dem Grund dafür. Ich erinnere mich daran, dass meine Eltern, wenn sie abends nach getaner Arbeit zusammen aßen, ihre Gedanken über Nachbarn austauschten. Es kam das Gespräch auf Familien, in denen es Schwierigkeiten mit dem Sohn oder der Tochter gab, die später dann ein sorgenvolles oder gar missratenes Leben führten, oder jemand, von dem gesagt wurde, dass er zu seinen Eltern nicht gut war, ist jung verstorben. Das alles – das Missgeschick - lässt sich nicht beweisen, dass es aus dem nicht guten Leben kommt, doch es bleibt die Aufforderung der Heiligen Schrift bestehen, dass wir Vater und Mutter ehren sollen. Dabei ist für mich neben der Ehre, die ich meinen Eltern zu erweisen habe, die Aussage bedeutsam, wer seiner Mutter Ehre erweist, der erweist sie dem Herrn. Hier ist die Mutter in der Beziehung zu Gott gesehen. Sie ist unter seinen besonderen Schutz gestellt. Der Herr identifiziert sich mit ihr. Der Mensch kann über seine Mutter zu Gott kommen. Das heißt auch: die Mutter kann mich zu Gott führen, aber sie kann mich ebenso von IHM trennen. Allen Müttern möchte ich sagen: Mütter bedenkt eure Würde und eure Möglichkeiten für das ewige Leben eurer Kinder, das Leben mit dem Herrn.
Der Text gibt den Kindern weitere Ermahnungen. Mein Sohn, wenn dein Vater alt ist, nimm dich seiner an, und betrübe ihn nicht, solange er lebt. Bei uns ist der Unterhalt staatlich geregelt. Doch dies war nicht immer so. Früher war es beim bäuerlichen Betrieb so geregelt, dass der Sohn, der den Hof bekam, den Eltern Geld und Nahrungsmittel bis zu ihrem Lebensende geben musste. Doch auch da gab es mitunter Missstimmung. Ein geflügeltes Wort sagt darum: Eltern können besser zehn Kinder am Leben erhalten als zehn Kinder ein Elterpaar. Dies ändert nichts an dem Auftrag, den wir von Gott haben. Mein Sohn, wenn dein Vater alt ist, nimm dich seiner an, und betrübe ihn nicht, solange er lebt. Wir werden im Alter oft wie Kinder und müssen wie Kinder angenommen werden. Das zu verstehen, ist oft schwer, da der Mensch ja zuvor im besten Alter mit klarem Verstand erlebt wurde. Die Liebe zum Vater - und wir dürfen hinzufügen: und die Liebe zur Mutter - wird nicht vergessen, sie wird als Sühne für deine Sünden eingetragen. Unser Leben ist nicht zu Ende, wenn es auf dieser Erde zu Ende ist. Darum lasst uns Gutes tun, sei es den Eltern oder den Menschen, solange uns die Möglichkeit geschenkt ist.