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6. Sonntag im Jahreskreis "B"
Markus 1,40-45
Ein Aussätziger kam zu Jesus und bat ihn um Hilfe; er fiel vor ihm auf die Knie und sagte: Wenn du willst, kannst du machen, daß ich rein werde. Jesus hatte Mitleid mit ihm; er streckte die Hand aus, berührte ihn und sagte: Ich will es - werde rein! Im gleichen Augenblick verschwand der Aussatz, und der Mann war rein. Jesus schickte ihn weg und schärfte ihm ein: Nimm dich in acht! Erzähl niemand etwas davon, sondern geh, zeig dich dem Priester und bring das Reinigungsopfer dar, das Mose angeordnet hat. Das soll für sie ein Beweis (meiner Gesetzestreue) sein. Der Mann aber ging weg und erzählte bei jeder Gelegenheit, was geschehen war; er verbreitete die ganze Geschichte, so daß sich Jesus in keiner Stadt mehr zeigen konnte; er hielt sich nur noch außerhalb der Städte an einsamen Orten auf. Dennoch kamen die Leute von überallher zu ihm.
Ein Aussätziger kam zu Jesus
Vom hl.Franziskus wird berichtet, daß er in seinem frühen Leben die Aussätzigen gemieden hat. Erst in der Zeit seiner Bekehrung sei er eines Tages auf einen Aussätzigen zugegangen und habe ihm die Hand geküßt. Er sagt in seinem Testament: "Als ich in Sünden war, kam es mir sehr bitter vor, Aussätzige zu sehen. Und der Herr selbst hat mich unter sie geführt, und ich habe ihnen Barmherzigkeit erwiesen. Und da ich fortging von ihnen, wurde mir das, was mir bitter vorkam, in Süßigkeit der Seele und des Leibes verwandelt." Über vierzig Jahre habe ich davon gewußt, habe darüber gesprochen, und doch hat es mich noch nie so angerührt wie heute, da ich das Evangelium gelesen habe. Ein Aussätziger kommt zu Jesus. Er war unrein geworden durch den Aussatz. Er war isoliert, wurde gemieden und mußte gewiß irgendwo außerhalb der Stadt leben. Isoliert, aussätzig zu sein, nicht mit anderen Menschen Kontakt haben zu dürfen, ausgesondert und abgeschoben zu werden in ein Ghetto, ist eine schwer zu ertragende Wirklichkeit.
Er fiel auf die Kniebr>
Der Aussätzige im Evangelium hatte offensichtlich von der heilenden Macht Jesu gehört. Er fiel vor Jesus auf die Knie und sagte: "Wenn du willst, kannst du machen, daß ich rein werde." Durch seinen Kniefall anerkennt er schon die Größe des Herrn und in seinen Worten bringt der Aussätzige zum Ausdruck, daß er Jesus die Macht zutraut, ihn zu heilen. Und es heißt: "Jesus hatte Mitleid mit ihm." Er berührt den Aussätzigen mit der ausgestreckten Hand und spricht: "Ich will es - werde rein!" Und im gleichen Augenblick war der Mann von seinem Aussatz geheilt. Jesus schickt ihn daraufhin zum Priester. Dieser hatte die Heilung eines Menschen festzustellen. Dann konnte der Mann wieder unter die Menschen gehen. Seine Isolation war dadurch aufgehoben.
Im gleichen Atemzug sagt Jesus zum Geheilten: "Erzähl niemand etwas davon." Zuerst denken wir, daß dies doch ein Widerspruch ist zu dem Auftrag Jesu, sich dem Priester zu zeigen. Das wäre möglich, doch ist es wohl anders zu sehen. Der Priester brauchte nicht zu fragen, wie er gesund geworden ist, er hatte nur die Reinheit festzustellen. Wenn der Evangelist das Verbot, es weiterzuerzählen immer wieder einbringt, hat dies den Grund, daß Jesus nicht nur als Wundermann gesehen werden soll und darf. Die Heilungen offenbaren die Kraft Gottes, die in Jesus Christus gegenwärtig ist, doch das eigentliche Wunder ist sein Tod am Kreuz, durch den wir Menschen erlöst werden. Wer nur auf die äußeren Wundertaten Jesu schaut, kann den Herrn nicht verstehen, kommt nicht zum Glauben. Sie aber sollen zum Glauben an den Herrn hinführen.
Der Mann erzählte, was geschehen war
Der Mann, der vom Aussatz geheilt worden war, hat sich nicht an das Redeverbot gehalten. Zu groß war offensichtlich seine Freude, aus der Isolation befreit zu sein. "Er erzählte bei jeder Gelegenheit", heißt es, "was geschehen war." So ähnlich erging es den Jüngern später, als sie den auferstandenen Herrn erlebt hatten. Dies hat sie aus ihrer Abkapselung und Angst befreit. Auch sie erzählten überall, was ihnen widerfahren war. So können wir in den Worten des Evangeliums die Zeit des Evangelisten mit erkennen. Die Botschaft von Jesus Christus läßt sich nicht mehr verbergen. Sie wird überall weitererzählt. Sie wird bis heute weiter erzählt. Und heute sind es wir, die sie weitersagen sollen.
Er fuhr ihn an (schärfte ihm ein)
Indem die Botschaft weitererzählt wird, wird dem Bösen der Kampf angesagt. Wir können dies auch im Evangelium von heute erahnen. Damals galt die Krankheit als eine Folge der Sünde. Wenn Jesus den aussätzigen Mann heilt, geht er auch gegen die Sünde an. Darum können wir annehmen, daß Jesus weniger den Mann anfährt, sondern eher den Bösen, den Urheber allen Übels. "Er schärfte ihm ein: Nimm dich in acht!" sagt das Evangelium.
Ich will es - werde rein
So haben auch wir Menschen von heute die Möglichkeit, uns von dem ausgestreckten Arm des Herrn berühren zu lassen. Er hat uns schon grundlegend berührt bei der Taufe. Wir können uns durch das Wort des Evangeliums und durch die Sakramente berühren lassen. Wahrscheinlich erfährt ein jeder Mensch einmal Einsamkeit und Isolation. Vielleicht bedrückt so manchen die Not der Sünde. Lassen wir uns darin immer wieder vom Herrn berühren. Möge er auch zu jedem von uns sagen: "Ich will es - werde rein!"
Der Aussätzige bat Jesus um Hilfe
Ich muß nochmals auf die ausgegrenzten Menschen kommen. Es fällt mir schwer, wie Franziskus auf jene zuzugehen, die auf Grund einer körperlichen Krankheit isoliert leben müssen. Es fällt mir schwer, Menschen anzunehmen, die auf der Straße leben und von daher ungepflegt sind. Doch sie sind nicht die einzigen Menschen, die abgekapselt und isoliert leben. Es gibt so viele, die seelisch vereinsamt, keinen Menschen haben. Sie alle ziehen heute an meinem geistigen Auge vorbei. Und ich sage mir, ich darf keinen von all diesen ausgrenzen. Sie alle bitten um Hilfe. Die Botschaft des Evangeliums läßt es mich in ihrem radikalen Sinn erkennen. Es ist wichtig, sie in die Tat umzusetzen. Die Botschaft des Evangeliums kann mir dazu Kraft schenken.
P. Wendelin Reisch ofm
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