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Rose

7. Sonntag der Osterzeit "B"

Johannes 17,6a.11b-19
In jener Zeit erhob Jesus seine Augen zum Himmel und betete: Vater, ich habe deinen Namen den Menschen offenbart, die du mir aus der Welt gegeben hast. Heiliger Vater, bewahre sie in deinem Namen, den du mir gegeben hast, damit sie eins sind wie wir. Solange ich bei ihnen war, bewahrte ich sie in deinem Namen, den du mir gegeben hast. Und ich habe sie behütet, und keiner von ihnen ging verloren, außer dem Sohn des Verderbens, damit sich die Schrift erfüllt. Aber jetzt gehe ich zu dir. Doch dies rede ich noch in der Welt, damit sie meine Freude in Fülle in sich haben. Ich habe ihnen dein Wort gegeben, und die Welt hat sie gehaßt, weil sie nicht von der Welt sind, wie auch ich nicht von der Welt bin. Ich bitte nicht, daß du sie aus der Welt nimmst, sondern daß du sie vor dem Bösen bewahrst. Sie sind nicht von der Welt, wie auch ich nicht von der Welt bin. Heilige sie in der Wahrheit; dein Wort ist Wahrheit. Wie du mich in die Welt gesandt hast, so habe auch ich sie in die Welt gesandt. Und ich heilige mich für sie, damit auch sie in der Wahrheit geheiligt sind.

Vater, ich habe deinen Namen offenbart
In meinem Studium hörte ich zu diesem Evangelium immer den Hinweis, daß es großartige Worte von ungeahnter Tiefe seien. Doch ich muß gestehen, ich konnte dies in ihnen nicht finden. Es ging mir wie jenem Mann, der mir erzählte, er habe eine Frau, die ihm immer sage, daß sie ihn liebe. Doch, so fügte er hinzu, das geht gar nicht in mich hinein. Und er zeigte dabei auf sein Herz. So will ich versuchen, doch etwas zu finden, was unser Herz berühren kann.
Jesus betet zu seinem Vater im Himmel.. Ich habe das immer so selbstverständlich hingenommen. Doch wenn ich mir Bilder von betenden Menschen, die ich so erlebt habe, ins Gedächtnis rufe, dann muß dieses Gebet Jesu ein inniger Augenblick zwischen Vater und Sohn gewesen sein. Und es ist anzunehmen, daß der Sohn dem Vater in diesem Beten nichts Nebensächliches sagt. Es kommt aus seinem Herzen, aus der Mitte seines Lebens. So können wir hinhören, was Jesus im Gebet sagt: Vater, ich habe deinen Namen den Menschen offenbart, die du mir aus der Welt gegeben hast. Auf den ersten Blick sagt es uns nicht viel, daß Jesus uns den Namen seines Vaters offenbart hat. Wir können jedoch bedenken, daß der Name nicht nur ein äußeres Wort ist, sondern Ausdruck eines ganzen Lebens. Der Mensch füllt immerzu seinen Namen mit seiner Existenz. Wenn wir zum Beispiel einen Namen hören und den Menschen kennen, dann steht das ganze Leben dieses Menschen vor uns. So können wir fragen, was in dem Namen Gottes, im Namen des Vaters alles eingeborgen ist. Es ist gewiß die Liebesbewegung, die den Vater dazu gedrängt hat, uns Menschen und die Welt ins Dasein zu rufen. Es ist die noch größere Liebe, wenn wir das so sagen dürfen, die den Vater dazu veranlaßt hat, uns seinen Sohn als Erlöser zu schenken. Es ist die Liebe, die bis in die äußerste Erniedrigung des Menschen geht, um einen jeden Menschen heimholen zu können. Von Ewigkeit her hat der Vater dem Sohn diesen Weg geschenkt, sagt Angela von Foligno.
Der Evangelist schaut zurück auf den Tod und die Auferstehung des Herrn. Er weiß um die demütige Lebenshingabe des Herrn. Sie ist die Offenbarung des Namens des Vaters. Er weiß um die Jünger, die sich dem Herrn angeschlossen haben. Darum kann Jesus beten, die du mir aus der Welt gegeben hast. Der Herr hat sie alle in seine Liebe eingeschlossen. Er hat ihnen vergeben, daß sie ihn im Stich gelassen haben. Er hat dem Petrus die Verleugnung verziehen. Er hätte sicher auch dem Judas vergeben, wenn er gewollt hätte. Der Herr hat sie alle behütet.
Allmählich meine ich zu verstehen, daß Jesus hier von der Freude spricht, die die Jünger in sich haben sollen. Jesus legt nochmals in diesem Gebet seine ganze Lebenshingabe, seine Liebe, die er vom Vater uns Menschen gebracht hat, offen. Eingebettet in diese Liebe dürfen die Jünger sich freuen, dürfen auch wir uns freuen. Es kann uns nichts von dieser Liebe Gottes trennen, nicht Krankheit, Not oder Tod. Und selbst wenn wir uns einmal von ihr trennen würden, könnten wir wieder Vergebung finden, wie einst Petrus. Es leuchtet mir hier ein ganz anderes Gottesbild auf. Ich habe immer den Eindruck gehabt, daß es ganz auf mich und mein Wirken ankommt, so, als wäre vor allem das wichtig, was ich tue. Doch dies stimmt nicht, was Gott-Vater durch seinen Sohn für uns getan hat und tut, das ist das Entscheidende.

Bewahre sie vor dem Bösen
Jesus hat seinen ganzen Lebensweg und den Lebensweg der Jünger vor Augen. Die Welt hat ihn gehaßt, darum haßt sie auch seine Jünger. Doch dieser Haß konnte ihn nicht hindern, in die Welt zu kommen. Darum kann dieser Haß ihn auch nicht hindern, seine Jünger in die Welt zu senden. Hier ist die böse, die nicht erlöste Welt gemeint. Mit ihr müssen wir auch heute rechnen. Wenn wir nicht mehr gehaßt würden, müßten wir uns fragen, ob wir uns nicht der Welt zu sehr angepaßt haben. Wie können wir dieses prüfen? Indem wir uns immer neu dem Wort Gottes zuwenden. Denn so betet Jesus: Ich habe ihnen dein Wort gegeben. Wir haben das Wort, das das Leben Gottes in sich birgt, unter uns. Eigentlich sind das alles ungeheuerliche Aussagen. Dieses Wort, das uns letztlich das Leben seines Sohnes bringt und gebracht hat, ist Wahrheit. Durch dieses Wort können wir die Heiligung erfahren. Ich heilige mich für sie, betet Jesus. Ich verstehe dies zum Beispiel so: In der heiligen Messe wird das Lebensopfer Jesu vollzogen. Er heiligt sich noch immerzu, damit auch wir geheiligt werden können. Gewiß, Jesus hat nur einmal gelitten, doch geschieht diese Heiligung, diese Hingabe für uns Menschen immerzu. Nur so können wir durch seine Liebe, die die eigentliche Wahrheit ist, geheiligt werden. Jesus hat damals den Vater gebeten, seine Jünger vor dem Bösen zu bewahren. Dies tut er im Grunde bis heute. Darum konnte Francesco, das Seherkind von Fatima, Jesus ob der vielen Sünden traurig sehen. Jesus ist zwar in die Herrlichkeit seines Vaters zurückgekehrt, doch hat er uns und die Welt nicht allein gelassen. Er betet und bittet seinen Vater immerzu, wie er damals gebetet hat. Das ist vielleicht die tiefste Aussage dieses Evangeliums: Jesus betet auch heute für uns zu seinem Vater. In seiner Bitte ist unser Leben geborgen. Auch wenn ich selbst nicht beten kann, brauche ich nicht zu verzweifeln. Ich darf mich nur nicht aus seinem Leben lösen. Er betet für mich zu seinem Vater. So kann ich geradezu Jesus bitten: "Bete du für mich zu deinem Vater."

P. Wendelin Reisch ofm