Markus 6,30-34
In jener Zeit versammelten sich die Apostel, die Jesus ausgesandt hatte, wieder bei ihm und berichteten ihm alles, was sie getan und gelehrt hatten. Da sagte er zu ihnen: Kommt mit an einen einsamen Ort, wo wir allein sind, und ruht ein wenig aus. Denn sie fanden nicht einmal Zeit zum Essen, so zahlreich waren die Leute, die kamen und gingen. Sie fuhren also mit dem Boot in eine einsame Gegend, um allein zu sein. Aber man sah sie abfahren, und viele erfuhren davon; sie liefen zu Fuß aus allen Städten dorthin und kamen noch vor ihnen an. Als er ausstieg und die vielen Menschen sah, hatte er Mitleid mit ihnen; denn sie waren wie Schafe, die keinen Hirten haben. Und er lehrte sie lange.
Die Apostel versammelten sich bei Jesus
Die Apostel versammelten sich wieder bei Jesus und berichteten ihm alles, was sie getan und gelehrt hatten. Die Jünger kehren immer wieder zu ihrer Mitte, zu Jesus zurück. Er hat sie ausgesandt, ihm dürfen sie alles erzählen, wie es ihnen ergangen ist. So können und dürfen auch wir, die wir alle in irgendeiner Weise gesandt sind, zum Herrn zurückkehren. Wir dürfen ihm erzählen, was wir auf dem Herzen haben. Ich habe mich immer schon dagegen gewehrt, wenn mir gesagt wurde, daß ich alles, was mich innerlich bewegt, beiseite tun müßte, um richtig beten zu können. Im Gebet kehre ich zum Herrn zurück, warum sollte ich ihm nicht alles sagen, was mir kreuz und quer durch den Kopf und durch mein Herz geht.
Jesus hat ganz gewiß gut zugehört, als die Jünger ihm berichteten. Sie haben ihm von ihren Strapazen erzählt, darum sagt er zu ihnen: Kommt mit an einen einsamen Ort, wo wir allein sind, und ruht ein wenig aus. Auch uns lädt er ein, bei ihm zu bleiben und mit ihm zu gehen. Er ist der einsame Ort. Dort können wir zur Ruhe kommen. Wenn wir IHM alles herausgeben, was in uns ist, kann seine Ruhe in uns einkehren.
Am letzten Sonntag habe ich schon vom heiligen Franziskus erzählt, daß er seine Gefährten ausgesandt hat. Diese Geschichte geht weiter. Er hatte eines Tages Sehnsucht, sie alle wieder zu sehen. Und siehe da, Gott führte sie alle wieder bei ihm zusammen. Celano, der dies berichtet, schreibt: "Beim Zusammentreffen herrscht große Freude unter ihnen über das Wiedersehen ihres guten Hirten...Dann erzählen sie einander von den Wohltaten, die ihnen der barmherzige Herr erwiesen hatte." Franziskus und seine Gefährten haben das gelebt, was im Evangelium berichtet wird. Es wird auch berichtet, daß jedes Jahr um Pfingsten die Brüder zusammenkamen und dann miteinander besprochen haben, wie sie ihr Leben besser nach dem Evangelium leben könnten. Was von Franziskus und seinen Gefährten berichtet wird, ist das Leben der Kirche. Wir dürfen immer wieder bei unserer Mitte, beim Herrn zusammenkommen. Hier könnten wir einander erzählen, was der Herr unter uns gewirkt hat. Dieses Zusammenkommen mit dem Herrn kann eigentlich in jeder kleinen Gemeinschaft stattfinden. Wo zwei oder drei zusammen sind, ist der Herr mitten unter ihnen. Das könnte in der Familie so gut sein wie in der Ordensfamilie. Dafür müßten wir allerdings noch viel Scheu voreinander ablegen. Denn auch in den religiösen Gemeinschaften ist dies nur selten möglich. Doch, so denke ich, wenn ich schon einmal auf Grund des Evangeliums die Einsicht geschenkt bekommen habe, könnte dies ein erster Schritt sein.
Jesus hatte Mitleid mit den vielen Menschen
Das Evangelium erzählt uns, daß Jesus und seine Jünger keine Ruhe gefunden haben. Die Menschen entdeckten sie und kamen von überallher zu ihnen. Wie nun Jesus die vielen Menschen sieht, hat er Mitleid mit ihnen. Sie sind wie Schafe ohne Hirten. Jesus hat nicht nur Mitleid, sondern ist selbst das Mitleid des Vaters, der hat ihn gesandt hat, die verlorenen Menschen wieder zu sammeln und zurückzuholen. So kann ich mich auch darin wieder angesprochen fühlen. Er hat mit mir Mitleid. Er nimmt mein Leben ernst. Er möchte nicht, daß ich zugrunde gehe. Ich darf mich im Mitleid Gottes geborgen erfahren. Es heißt, daß Jesus die Menschen lange belehrt hat. Auch mich belehrt er immerzu mit seinen Worten, die mich besonders durch das Evangelium erreichen
Dabei ist zu bedenken, daß dieses Mitleid Gottes in der Kirche weiterlebt. Was Jesus in die Welt eingebracht hat, hat er seiner Kirche anvertraut. Daraus folgt, daß die Kirche dieses Mitleid weitergeben soll an die Menschen. Dabei ist zu bedenken, daß die Menschen, die die Kirche sind, nicht Jesus selbst sind. Sie leiden alle mehr oder weniger an ihren eigenen Schwächen, bedürfen selbst des Mitleids Jesu. Dennoch ist dieses Mitleid des Herrn in der Kirche gegenwärtig. Ich denke, hier schließt sich der Kreis. Je mehr wir als Kirche zum Herrn gehen, uns bei IHM immer wieder versammeln und IHM unser Leben ausschütten, um so mehr kann sein Leben, sein Mitleid in uns hineinkommen und gegenwärtig werden, um so mehr können wir Menschen sein, die sein Mitleid weitergeben. Als Jesus die vielen Menschen sah, hatte er Mitleid mit ihnen; denn sie waren wie Schafe, die keinen Hirten haben. Und er lehrte sie lange. Es kommt darauf an, daß wir das Wort im Glauben für uns annehmen und uns darauf einlassen. Gott hat Mitleid mit jedem von uns. Dies gilt, auch wenn die äußeren Umstände dagegensprechen. Er muß auch uns lange lehren, ja unser ganzes Leben lang, damit wir wenigstens etwas von seinem Mitleid zu uns Menschen verstehen. Denn dieses Mitleid Gottes ist abgrundtief.
So laßt uns dem Herrn dafür danken, daß er uns sein Mitleid schenkt und uns darin geborgen sein läßt.
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