Dreifaltigkeitssonntag "C"
Johannes 16,12-15
In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern: Noch vieles habe ich euch zu sagen, aber ihr könnt es jetzt nicht tragen. Wenn aber jener kommt, der Geist der Wahrheit, wird er euch in die ganze Wahrheit führen. Denn er wird nicht aus sich selbst heraus reden, sondern er wird sagen, was er hört, und euch verkünden, was kommen wird. Er wird mich verherrlichen; denn er wird von dem, was mein ist, nehmen und es euch verkünden. Alles, was der Vater hat, ist mein; darum habe ich gesagt: Er nimmt von dem, was mein ist, und wird es euch verkünden. Alles, was der Vater hat, ist mein.

Wir feiern das Fest der heiligsten Dreifaltigkeit und bedenken dabei, dass Gott in drei Personen eine Einheit ist, dass alle drei göttlichen Personen von gleichem Wesen und in gleicher Weise Gott sind. Wenn wir dies so außerhalb von uns betrachten, wird dieses göttliche Leben uns wohl wenig berühren. Der, der es erahnen oder ein wenig nur erfahren kann, den könnte es überwältigen. Ich nehme an, dass zum Beispiel der heilige Franziskus die Herrlichkeit dieses großen Gottes ein wenig erkennen durfte. Nur so kann ich mir sein Gebet erklären: "Lasst uns preisen den Herrn, den lebendigen und wahren Gott: Lasst uns ihm stets Lob, Herrlichkeit, Ehre, Preis und alles Gute darbringen. Amen. Amen. Es geschehe. Es geschehe."
Nun haben wir noch eine andere Möglichkeit, uns an das Geheimnis des Dreifaltigen Gottes heranzutasten, nämlich so, wie es sich uns geoffenbart hat. Und davon spricht das Evangelium. Jesus ist gekommen und hat von seinem Vater gesprochen. Er sagte: Alles, was der Vater hat, ist mein. Hier leuchtet die tiefe Einheit zwischen Vater und Sohn auf. In Jesus haben wir darum Anteil am Leben des Vaters bekommen. Nun ist Jesus nach seinem Tod und seiner Auferstehung zum Vater zurückgekehrt und hat uns den Geist der Wahrheit, den Heiligen Geist, versprochen und geschenkt.
Dieser Heilige Geist wird nicht aus sich selbst heraus reden, sondern er wird sagen, was er hört, und euch verkünden, was kommen wird. Er wird mich verherrlichen; denn er wird von dem, was mein ist, nehmen und es euch verkünden. Die Einheit zwischen Vater und Sohn wird uns im Heiligen Geist geschenkt. Der Heilige Geist, obgleich er selbst ganz göttliche Person ist, ist nicht eigenwillig, sondern er hört auf den Vater und den Sohn. Er ist das Leben und die Liebe des Vaters und des Sohnes, denn er nimmt von ihnen, was er uns zu sagen hat. Dadurch verherrlicht er den Sohn und auch den Vater. Wir können uns dies verdeutlichen am Leben einer Familie. Familie heißt: Einssein in der Liebe. Und in dieser Einheit der Liebe freut sich jedes Glied, wenn einem anderen etwas gelingt. Hat es doch das Leben aus der Familie. Die Ehre gehört nicht nur ihm allein, sondern der ganzen Familie.
Nun ist der Heilige Geist nicht nur eine Person einer Familie, sondern er ist die göttliche Person, die uns das Leben vom Vater und Sohn schenkt. Sie tut alles, was der Sohn in seinem Erdenleben uns gebracht hat. Heute wird im Evangelium der Heilige Geist der Geist der Wahrheit genannt. Er wird uns in die ganze Wahrheit führen. Ich habe mir immer Wahrheit vorgestellt und bin damit nicht weiter gekommen.
Nun meine ich, wir könnten uns den Gegenspieler zur Wahrheit vorstellen, dann wird alles viel greifbarer. Der Gegenspieler ist der Teufel, im Griechischen Diabolos genannt, der, der alles durcheinander wirft, der Lügner schlechthin. Er hat im Paradies die Stammeltern belogen. Seither ist die Lüge in der Menschheit gegenwärtig. In Jesus ist die Wahrheit zu uns gekommen. Er hat immer zu der Wahrheit gestanden, zu der Lebenswirklichkeit, die richtig ist vor Gott.
So könnten wir sagen, Jesus hat das Reich der Wahrheit wieder unter uns aufgerichtet. Dieses Reich wird fortgesetzt und lebendig gegenwärtig gehalten durch den Heiligen Geist, den Geist der Wahrheit. Es ist letztlich das Reich Gottes. Von hier aus wird einsichtig, wie wichtig es ist, sich an den Heiligen Geist zu wenden und auf ihn zu hören. Denn der Teufel, der Lügner, ist zwar endgültig ohnmächtig, doch ist er immer noch am Werk. Er versucht, die Wahrheit des Herrn als Lüge darzustellen und seine Lüge als Wahrheit auszugeben. Doch brauchen wir keine Angst vor ihm zu haben, da die Wahrheit, die Jesus Christus selbst ist, nicht mehr aus der Welt wegzunehmen ist. Der Herr bleibt der Herr der Welt und zwar durch den Heiligen Geist.
Nur dürfen wir uns dies nicht so vorstellen, dass wir im Heiligen Geist immer Sieger sind, und die Wahrheit uns ohne eine bewusste Entscheidung und ohne Mühen zuteil wird. Es könnte sein, dass wir für die Wahrheit sterben müssten, gleichsam untergehen, wie Jesus selbst. Die Lüge hat scheinbar immer gesiegt. Das Reich der Wahrheit, das Reich Gottes, ist jedoch immer so gewachsen. Die Christen wurden immer verfolgt, und dennoch oder gerade dadurch hat sich das Christentum ausgebreitet. Wie könnte es anders sein. Da der Heilige Geist das Leben und die Liebe von Vater und Sohn ist, lässt er sich nicht verdrängen. Er ist größer als alle weltliche Macht. Nur kämpft er nicht mit menschlicher Macht. Er gibt auch nicht in großen Visionen kund, was kommen wird, sondern er verkündet in der jeweiligen Situation, was Wahrheit ist. Das heißt, er hilft uns Christen, dass wir nicht in die Irre laufen. Er selbst ist der Garant. An diesem Glaubenkönnen wir uns festhalten.
Ich muss nochmals neu beginnen: Der Teufel hatte im Paradies ein Leben versprochen, das sich dann als Irrtum erwiesen hat. Lüge, Mord und Totschlag erfassten die Menschen. Jesus ist gekommen und hat uns das Leben mit Gott wieder geschenkt. Dies ist ein Leben der Liebe zwischen Gott und den Menschen und den Menschen untereinander. Um dieses Leben geht es immer. Der Geist der Wahrheit will uns immerzu dieses Leben, das er vom Vater und Sohn ist, schenken oder uns dazu verhelfen. Es mag mitunter mühsam sein, es zu erkennen, oder es könnte auch unser Leben um der Wahrheit willen kosten. Immer jedoch sollten wir auf den Geist der Wahrheit hören. Er hat das rechte und gute Leben. Wie gut, dass uns dieser Geist der Wahrheit geschenkt ist!