Palmsonntag "C"
Lukas 23,27-43
Auf dem Kreuzweg folgte eine große Menschenmenge, darunter auch Frauen, die um ihn klagten und weinten. Jesus wandte sich zu ihnen um und sagte: Ihr Frauen von Jerusalem, weint nicht über mich; weint über euch und eure Kinder! Denn es kommen Tage, da wird man sagen: Wohl den Frauen, die unfruchtbar sind, die nicht geboren und nicht gestillt haben. Dann wird man zu den Bergen sagen: Fallt auf uns!, und zu den Hügeln: Deckt uns zu! Denn wenn das mit dem grünen Holz geschieht, was wird dann erst mit dem dürren werden?
Zusammen mit Jesus wurden auch zwei Verbrecher zur Hinrichtung geführt. Sie kamen zur Schädelhöhe; dort kreuzigten sie ihn und die Verbrecher, den einen rechts von ihm, den andern links. Jesus aber betete: Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun. Dann warfen sie das Los und verteilten seine Kleider unter sich.
Die Leute standen dabei und schauten zu; auch die führenden Männer des Volkes verlachten ihn und sagten: Anderen hat er geholfen, nun soll er sich selbst helfen, wenn er der erwählte Messias Gottes ist. Auch die Soldaten verspotteten ihn; sie traten vor ihn hin, reichten ihm Essig und sagten: Wenn du der König der Juden bist, dann hilf dir selbst! Über ihm war eine Tafel angebracht; auf ihr stand: Das ist der König der Juden.
Einer der Verbrecher, die neben ihm hingen, verhöhnte ihn: Bist du denn nicht der Messias? Dann hilf dir selbst und auch uns! Der andere aber wies ihn zurecht und sagte: Nicht einmal du fürchtest Gott? Dich hat doch das gleiche Urteil getroffen. Uns geschieht recht, wir erhalten den Lohn für unsere Taten; dieser aber hat nichts Unrechtes getan. Dann sagte er: Jesus, denk an mich, wenn du in dein Reich kommst. Jesus antwortete ihm: Amen, ich sage dir: Heute noch wirst du mit mir im Paradies sein.

Dieser Kelch ist der Neue Bund in meinem Blut
Es ist mir, als hätte ich dieses Jahr die Leidensgeschichte nach dem Evangelisten Lukas etwas mehr verstanden. Ich will versuchen, etwas von meinen Überlegungen mitzuteilen. Der Evangelist möchte einem gewissen Theophilus eine gesicherte Grundlage für seinen Glauben geben, darum greift Lukas geschichtliche Tatsachen auf. Diese verbindet er mit seiner Deutung der Person Jesu. Jesus nahm beim Abendmahl das Brot, reichte es den Jüngern und sprach: Das ist mein Leib, der für euch hingegeben wird. Ebenso nahm er den Kelch und sagte, dieser Kelch ist der Neue Bund in meinem Blut, das für euch vergossen wird. Jesus gibt den Aposteln den Auftrag, dies zu seinem Gedächtnis zu tun.
Indem die Jünger dies nachvollziehen, sollen sie selbst die Hingabe ihres Meisters leben. Er sagt ihnen, der Größte unter euch soll werden wie der Kleinste, und der Führende soll werden wie der Dienende. Dies ist das Gesetz des Neuen Bundes. Mit Jesus fängt eine neue Lebensmöglichkeit an. Von jetzt an können die Menschen sich diesem Neuen Bund anschließen. Lebensquell des Neuen Bundes ist die Feier des Abendmahles. Daraus kann den Menschen die Kraft zukommen, ihr Leben hinzugeben, wie Jesus selbst es hingegeben hat.
Indem ich dies schreibe, kommt mir die Ungeheuerlichkeit einer solchen Aussage zum Bewusstsein. Was kümmern sich die Menschen um eine solche Botschaft? Was will die Welt von einem Neuen Bund in Jesus Christus wissen? Doch brauche ich mich darum nicht in erster Linie zu sorgen. Die Botschaft des Evangeliums ist entscheidend, sie geht an jeden Einzelnen, sie geht an mich.

Ins Gefängnis und in den Tod gehen
Petrus will für den Herrn das Leben hingeben. Er ist bereit, mit ihm ins Gefängnis und in den Tod zu gehen. Doch diese Bereitschaft hält nicht lange an. Er verleugnet den Herrn dreimal. Dennoch ist er nicht verloren. Der Herr hat für ihn gebetet, dass sein Glaube nicht erlischt. Darum soll er, wenn er sich bekehrt hat, seine Brüder stärken. Menschliche Schwachheit vermag aus sich selbst nichts.
Wenn wir meinen, wir könnten dem Satan aus eigener Kraft widerstehen, täuschen wir uns. Der Herr selbst muss uns immerzu die Kraft schenken, sonst sind wir verloren. Was wir tun können, ist zu beten, damit wir nicht in Versuchung geraten. Der Herr hat es den Jüngern zweimal gesagt: Betet, damit ihr nicht in Versuchung geratet. Im Gebet hat Jesus selbst die Kraft geschenkt bekommen, den Willen des Vaters zu Ende zu führen, sein Leben hinzugeben, im Gebet können auch wir die Kraft bekommen, im Leiden auszuhalten.
Es ist, als ob sich die Menschen in ihrem Spott dem Herrn gegenüber überträfen. Die Wächter trieben ihren Spott mit Jesus. Sie schlugen ihn, verhüllten ihm das Gesicht und fragten ihn: Du bist doch ein Prophet! Sag uns: Wer hat dich geschlagen? Jesus wird zu Herodes gebracht. Auch dort nur Verachtung. Es heißt: Herodes trieb seinen Spott mit Jesus, ließ ihm ein Prunkgewand umhängen und schickte ihn so zu Pilatus zurück. An diesem Tag wurden Herodes und Pilatus Freunde; vorher waren sie Feinde. Es ist eigenartig, dass wir Menschen immer Gleichgesinnte suchen. Wenn es gemeinsam gegen einen anderen geht, können sogar Feinde Freunde werden.

Heute noch wirst du mit mir im Paradies sein
Jesus gibt sein Leben bis zum bitteren Ende für die Armen und Sünder hin. Der erste, der die Vergebung geschenkt bekommt, ist Petrus, der ihn verleugnet hat und dies bereut. Des weiteren tröstet Jesus die Frauen, die um ihn klagen und weinen. Ihr Frauen von Jerusalem, weint nicht über mich; weint über euch und eure Kinder! Denn es kommen Tage, da wird man sagen: Wohl den Frauen, die unfruchtbar sind, die nicht geboren und nicht gestillt haben.
Ebenso bekommt der Schächer, der sich zu Jesus bekennt, seine vergebende Liebe. Der Schächer sagte: Jesus, denk an mich, wenn du in dein Reich kommst. Jesus antwortete ihm: Amen, ich sage dir: Heute noch wirst du mit mir im Paradies sein. Bis zum letzten Atemzug ist der Herr der Heiland der Menschen. Selbst für die, die ihn kreuzigten, betet der Herr: Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun. Und mit einem lauten, vertrauenden Gebet vollendet der Herr den Weg seines Erdenlebens, auf dem er den Willen seines Vaters vollzogen hat, Vater, in deine Hände lege ich meinen Geist.
Das Ewige Heute ist unsere Möglichkeit von heute geworden. Wir können wie Petrus Vergebung finden. Wie Jesus im Gebet die Kraft von seinem Vater bekommen hat, so können auch wir uns im Gebet an unseren Vater im Himmel wenden. Als Menschen des Neuen Bundes haben wir die Lebensquelle in der Feier der Eucharistie. Bis zum Ende unseres Lebens sollen wir heilend für die Menschen, selbst für die Feinde, da sein.