Pfingstsonntag "C"
Johannes 14,15-16.23-26
In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern: Wenn ihr mich liebt, werdet ihr meine Gebote halten. Und ich werde den Vater bitten, und er wird euch einen anderen Beistand geben, der für immer bei euch bleiben soll. Wenn jemand mich liebt, wird er an meinem Wort festhalten; mein Vater wird ihn lieben, und wir werden zu ihm kommen und bei ihm wohnen. Wer mich nicht liebt, hält an meinen Worten nicht fest. Und das Wort, das ihr hört, stammt nicht von mir, sondern vom Vater, der mich gesandt hat. Das habe ich zu euch gesagt, während ich noch bei euch bin. Der Beistand aber, der Heilige Geist, den der Vater in meinem Namen senden wird, der wird euch alles lehren und euch an alles erinnern, was ich euch gesagt habe.

Wenn ihr mich liebt
Wenn ihr mich liebt, werdet ihr meine Gebote halten, sagt Jesus zu seinen Jüngern. Mir scheint, die Jünger hatten es leichter, den Herrn zu lieben, lebten sie doch täglich mit ihm. Dabei kommt mir gleich der Einwand, dass viele Menschen täglich zusammenleben und sich doch nicht lieben, ja, dass die Liebe, die zuerst da war, erkaltet ist. Vielleicht sagt Jesus deshalb, dass derjenige, der ihn liebt, seine Gebote hält. Gewöhnlich kennen wir nur, dass wir die Gebote halten sollen und vergessen dabei, dass es zuerst um die Liebe zu Gott geht. Wir alle haben wahrscheinlich in unserer Erziehung mehr über das Halten der Gebote gelernt als Liebe zu Gott geschenkt bekommen. Es ist nämlich leichter, jemanden äußere Verhaltensregeln lernen zu lassen, als ihm Liebe zu geben.
Nun können wir fragen, wie das denn bei Gott ist? Müsste nicht er selbst uns die Liebe schenken? Gewiss! Doch dies geht, seitdem er Mensch geworden ist, auch über menschliche Worte und Zeichen. So hat Jesus den Jüngern durch sein Gutsein, das sie erlebt haben, Liebe geschenkt. Durch sein Leben hat er die Liebe seines Vaters den Jüngern und den Menschen offengelegt, geoffenbart. So konnten sie dazu ermuntert werden, ihn auch wiederzulieben.
Dieser Lebensvorgang wiederholt sich seither immerzu. Menschen, die Gott lieben, sind gut zu anderen Menschen. Eltern, die Gott lieben, können ihren Kindern die Liebe Gottes erfahrbar werden lassen. Lehrerinnen oder Lehrer, die Gott lieben, können im Religionsunterricht durch ihr Leben den Kindern etwas von der Liebe zu Gott vermitteln. Die Gebote Gottes werden dann nicht als Ballast des Lebens empfunden, sondern als selbstverständliche Konsequenz eines solchen Lebens, so wie zwei Menschen, die aus Liebe zueinander heiraten, unausgesprochene Gebote einhalten.
Jesus wusste, dass er nur eine verhältnismäßig kurze Zeit bei seinen Jüngern und den Menschen sein würde, darum verspricht er ihnen einen anderen Beistand, der für immer bei ihnen bleiben soll. Es ist der Heilige Geist, die Liebe zwischen Gott Vater und Gott Sohn. Er ist der beste Helfer und Anwalt für das Leben mit Gott. So wie im menschlichen Leben das Geschenk der Liebe viel Not lindern kann, wie sie das Leben stärken und heilen kann, so ist es mit dem Heiligen Geist im Leben mit Gott. Er ist uns geschenkt als Gabe der Liebe, durch ihn können und dürfen wir auch Gott lieben. Durch ihn können wir am Wort des Herrn festhalten. Denn so sagt Jesus: Wenn jemand mich liebt, wird er an meinem Wort festhalten; mein Vater wird ihn lieben, und wir werden zu ihm kommen und bei ihm wohnen.
Es ist notwendig, das Wort Jesu so in sich aufzunehmen und es festzuhalten, wie es gesagt worden ist. Dies ist keine Sache nur des Verstandes, sondern des Herzens und des Lebens. Es könnte mir Selbstbewusstsein und Vertrauen in das Leben schenken, wenn ich erfahre, dass Gott Vater und Gott Sohn in mir wohnen. Dies machte mich nicht stolz, sondern demütig vor Gott und den Menschen.
Ich muss wieder an den heiligen Franziskus denken. Er hat das Evangelium wörtlich in sein Leben aufgenommen und darin verwirklicht. Ich nehme an, dass er erfahren hat, dass Gott Vater und Gott Sohn zu ihm in sein Leben gekommen sind. Er musste fortan nicht mehr allein nach den Geboten leben, sondern die Gegenwart Gottes hat ihn in seinem Leben getragen und motiviert. Er hat die Wahrheit des anderen Wortes erfahren, das Jesus seinen Jüngern gesagt hat: Der Beistand aber, der Heilige Geist, den der Vater in meinem Namen senden wird, der wird euch alles lehren und euch an alles erinnern, was ich euch gesagt habe.
Im Leben mit dem Herrn hat er eine ungeahnt tiefe Einsicht in das Wirken Gottes in dieser Welt und in den Menschen bekommen. Er sagt zum Beispiel, der Heilige Geist sei der eigentliche Leiter seines Ordens. Er glaubte an die Gegenwart und das Wirken eben dieses Heiligen Geistes in jedem Bruder. Darum konnte er offen sein auch für das, was der ungebildetste Bruder zu sagen hatte. Es hat sich in seinem Leben gezeigt, dass das Wort wahr ist, wer den Herrn liebt, wird an seinem Wort festhalten. Er hat so sehr am Wort, das ihm durch die Kirche gesagt und überliefert wurde, festgehalten, dass er die katholische Kirche nie verlassen hätte.
Ich kehre nochmals zu meinem eigenen Leben zurück. Ich weiß nicht, ob ich den Herrn so liebe. Eines wird mir jedoch einsichtig: ich schöpfe aus dem Wort des Herrn Kraft und Leben. Dabei hilft mir offensichtlich der Heilige Geist, obwohl ich keine besondere Beziehung zu ihm hatte. Wenn ich in meine Kindheit zurückschaue, so habe ich nur das Halten der Gebote gelernt. Die Gabe des Heiligen Geistes wurde mir zum ersten Male bei der Weihe zum Diakon bewusst. Damals und auch bei der Priesterweihe wollte ich offen sein für Gottes Geist, um den Menschen davon viel schenken zu können. Heute geht mir auf, dass ich schon viel früher bewusst mit dem Heiligen Geist hätte leben können. Ich habe mehr Zugang zu ihm bekommen durch Menschen, die fest an das Wirken des Heiligen Geistes in ihrem Leben glauben.
Spät kommt die Einsicht, doch es ist nie zu spät. Heute bete ich täglich zum Heiligen Geist. Und ich möchte hinzufügen: Weniger um eine verstandesmäßige Erkenntnis, sondern vielmehr um das Geschenk des Lebens und der Liebe, die der Herr all denen versprochen hat, die an seinem Wort festhalten. So möge für uns alle Pfingsten, Fest des Heiligen Geistes, zum Fest des eigenen Lebens und der Liebe Gottes werden. Möge der Heilige Geist uns helfen, das Wort des Herrn und das Leben mit Gott und den Menschen richtig zu verstehen.