1. Sonntag der Adventszeit
GABENGEBET
Allmächtiger Gott,
alles, was wir haben, kommt von dir.
Nimm die Gaben an, die wir darbringen.
Mache sie für uns in diesem Leben zum Sakrament der Erlösung
und rufe uns an deinen Tisch im kommenden Reich.
Darum bitten wir durch Jesus Christus, unseren Herrn.

Allmächtiger Gott, alles, was wir haben, kommt von dir.
Mit dem 1.Adventsonntag fängt wieder ein neues Kirchenjahr an. Die Kirchenjahre werden für die Auswahl der Lesungen in A, B und C eingeteilt. In jedem Jahr werden die Evangelien eines anderen Evangelisten verkündet. Zu diesen drei aufeinander folgenden Jahren habe ich zu den Texten der Evangelien „Gedanken“ geschrieben. Außerdem haben wir in den Gottesdiensten der Sonntage jeweils zwei Lesungen. Auch dazu habe ich schon Gedanken geschrieben. Im vergangenen Kirchenjahr habe ich nun versucht, zu den Kirchengebeten Erklärungen zu schreiben. Da die Kirchengebete sich in jedem Jahr wiederholen (das heißt: es besteht kein Dreijahreszyklus wie bei den Evangelien), habe ich keine Möglichkeit, weitere „Kirchengebete“ zu interpretieren oder auch zu meditieren. Darum habe ich mich entschlossen, Gedanken zu den Gabengebeten niederzuschreiben. Auch dies kann sich lohnen; denn es muss allgemein gesagt werden, dass die Gebete in der Feier der Eucharistie gebetet werden, ohne dass genügend Zeit bleibt, darüber nachzudenken oder sie zu „verinnerlichen“. Das heißt, ich kann sie nicht in mein Leben auf- und hineinnehmen. Doch nur so können sie eine Auswirkung für mein Leben haben. Im Studium hat zwar ein Mitbruder immer gesagt, es sei nicht notwendig, alles zu verstehen, um sie mit vollziehen zu können, die Hauptsache sei, dass der Priester die Gebete für alle Anwesenden spreche und die Gebete dadurch vor und zu Gott bringe. Vielleicht hatte er Recht, doch ich habe diese Aussage damals nicht akzeptieren können, und ich meine auch heute noch, es sei für die innere Beteiligung am Geschehen wichtig, wenn jede Person, die an der Heiligen Messe teilnimmt, die Texte nicht nur hört, sondern sie auch mit Herz und Verstand versteht und mit vollziehen kann. Mag sein, dass wir den Wortlaut verstehen, wenn der Priester sie betet, doch haben wir nicht die Möglichkeit, dabei zu verweilen. Darum, so scheint mir, kann es für unser geistliches Leben von Nutzen sein, auch ein wenig über die Gebete, die über die Gaben zu Gott gesprochen werden, zu meditieren. Nach der langen Vorrede nun zum Gebet.
Allmächtiger Gott, alles, was wir haben, kommt von dir. Es ist eine bedeutsame und nur im Glauben zu wagende Aussage. Ein Mitstudent machte mich ehemals darauf aufmerksam mit der Frage: Was kommt dann von uns? Tun wir nichts dazu? Solche Fragen haben meinen Glauben an Gott vertieft. Für gewöhnlich ist es so: Wir haben gelernt, dass es Gott gibt, doch wir haben ihn noch nie gesehen. Wir sagen: „Wir glauben an Gott“. Und es ist nun einmal so, dass für uns alles, an das wir glauben, unsichtbar ist. Zum Beispiel glauben wir an den Sohn Gottes, Jesus Christus. Er hat wunderbare Zeichen gewirkt, doch das göttliche Leben konnte er nicht anschaubar, sichtbar machen. Die drei Apostel, die den Herrn auf dem Berg der Verklärung erfahren und in strahlendem Gewand sahen, haben etwas von der Herrlichkeit erahnen dürfen, mehr nicht. Es bleibt mir daher nichts anderes übrig, als an diesen „allmächtigen Gott“ zu glauben.
Im Gabengebet heißt es nun, dass alles, was wir haben, von ihm, dem allmächtigen Gott kommt. Hier sind gewiss zuerst die Gaben, die wir zum Altar bringen gemeint, doch das Gebet verallgemeinert die Aussage. Alles kommt von Gott, alles ist Geschenk Gottes an die Menschen oder für die Menschen. Darüber haben wir Theologiestudenten, wie schon erwähnt, uns Gedanken gemacht. Es erhebt sich der Einwand: Was tue ich denn selbst dazu? Wenn zum Beispiel ein Bauer seine Felder und Wiesen schlecht bearbeitet, hat er weniger Ernte als ein anderer, der seine Äcker und Wiesen gut bewirtschaftet. Was also kommt von Gott? Wir müssen offensichtlich noch tiefer fragen. Wir glauben, dass Gott Erde und Himmel ins Dasein gerufen hat. Er übergab die Erde dem Menschen, dass er sie bebaue. Der Mensch konnte selbst nur empfangen, was ihm Gott übergeben hat. Alles, was der Mensch seither erfunden hat, ist schon in der Erde und auf der Erde vorhanden. Zum Bespiel hat der Mensch eines Tages das Flugzeug erfunden. Er hat dies dem Vogel abgeschaut und dann Material so verarbeitet, dass es ein Flugzeug wurde. Es gibt nichts in der Forschung, was nicht schon in der Natur vorhanden ist. Dies gilt auch, wenn wir den Menschen betrachten. Kein Mensch kann sich ein Glied an seinem Körper nachwachsen lassen. Wenn er eines verliert, ist es für ihn verloren. -
Doch nun wieder zum Gabengebet. Es betet zu Gott, dass wir IHM die Gaben bringen, die wir von ihm haben und schließen gleich die Bitte an, er möge sie uns zum Sakrament der Erlösung verwandeln. Das heißt: Er möge sie in seinen heiligen Leib und in sein heiliges Blut verwandeln und uns dadurch an der Erlösung der Menschen durch IHN teilhaben lassen.
Wenn das Gebet von „Erlösung“ spricht, meint es letztlich nicht Erlösung von irdischen Nöten und Schwierigkeiten, sondern es bittet um die ewige Erlösung von Sünde und Tod. Nun sagt uns der Glaube, dass wir mit dem Tod nicht in das Nichts fallen, sondern dass es ein ewiges Leben, ein ewiges Reich Gottes gibt. Dass es so ist, das wird durch die Auferstehung unseres Herrn, Jesus Christus bezeugt. Darum heißt es im Gebet weiter, „rufe uns an deinen Tisch im kommenden Reich“. Das Bild des Mahles ist Ausdruck innigster Gemeinschaft mit Gott und allen, die daran –gewöhnlich nennen wir sie „Heilige“ - teilhaben dürfen. - Möge Gott sie auch uns allen schenken, darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.