GABENGEBET
Herr, unser Gott,
wir bringen Wein und Brot für das heilige Opfer,
das wir zu Beginn dieser Fastenzeit feiern.
Nimm mit diesen Gaben uns selbst an
und vereine unsere Hingabe mit dem Opfer deines Sohnes,
der mit dir lebt und herrscht in alle Ewigkeit. Amen
Herr, unser Gott
Immer und immer wieder beten wir zu „unserem Herrn und Gott“. Je älter ich werde, um so mehr muss ich nach diesem „unserem Herrn und Gott“ fragen, oder anders ausgedrückt: Es wird mir immer mehr bewusst, dass ich nur im Glauben mit Gott, dem Herrn, lebe. Ich habe ihn noch nie gesehen. Ich höre von IHM, ich künde von IHM den Menschen durch das Wort, das sein Sohn, Jesus Christus, uns hinterlassen hat. Ich habe das oft getan, als wäre es das Selbstverständlichste in der Welt, obwohl es gar nicht selbstverständlich ist. Schon damals, als Jesus, der Sohn Gottes, auf Erden lebte, haben sich viele Menschen wieder von IHM abgewandt, sodass Jesus sich veranlasst fühlte, seine Jünger zu fragen, ob nicht auch sie weggehen wollten. Damals hat Petrus das Wort ergriffen und gesagt: „Wohin sollen wir gehen? Du hast Worte ewigen Lebens.“ So möge der Herr, unser Gott, auch uns die Einsicht, wir sagen „die Gnade“ schenken, dass wir an IHN glauben können und dürfen; dass wir wirklich glauben können, dass ER unser „Herr und Gott“ ist, und dass alle anderen „Götter“ zurücktreten müssen; denn sie sind alle „Nichtse“. Zu IHM, unserem Herrn und Gott, kommt ein jeder Mensch bei seinem Tod. Dann wird es jedem Menschen offenbar werden, dass es diesen Gott wirklich gibt und dass wir in Verantwortung vor IHM hätten leben müssen. Es geht mir bei diesem Gedanken ein kleiner Schauer über den Rücken; denn es gibt vor IHM kein Verstecken und kein Entrinnen. Schon im Paradies, nach dem Sündenfall, mussten Adam und Eva feststellen, dass sie sich vor ihrem Gott nicht verstecken konnten, obwohl sie es versuchten. Vor IHM bleibt niemand und nichts verborgen. So liegt auch mein und unser Leben offen vor IHM.
Nun heißt es schon in der Heiligen Schrift, dass ER ein „barmherziger und gnädiger Gott“ ist. Er hat uns Menschen nicht für alle Ewigkeit gezürnt, sondern er hat uns seinen eigenen Sohn als Erlöser geschenkt. Jesus hat sich für uns „geopfert“. Er hat sein Leben, wie wir sagen, für uns hingegeben, es an unserer Stelle oder für uns seinem Vater am Kreuz dargebracht. – Hier fällt mir wieder jene Situation ein, die ich schon einmal erwähnt habe. Wir waren auf einer Pilgerfahrt nach Foligno gekommen. Dort lebte einst eine Frau namens Angela. Ihr Körper wurde von der Krankheit Rheuma bis zur Unansehnlichkeit verunstaltet. Sie hat das alles um des Kreuzes Christi willen ertragen. Da der Herr so viel für sie am Kreuz gelitten habe, wolle sie diese Krankheit auch tragen. Der Herr am Kreuz war ihr Maßstab. Die erwähnte Pilgerin wehrte sich gegen den Gedanken, dass Jesus auch für sie das Kreuz angenommen und getragen habe.
Im Gabengebet beten wir: „Wir bringen Brot und Wein für das heilige Opfer“. Dass wir dies tun hat seine Geschichte im Leben Jesu selbst. Er nahm bei seinem letzten Mahl, das er auf Erden mit seinen Jüngern feierte, Brot und Wein und wandelte die Gaben in sein eigenes Fleisch und Blut, ehe er sie seinen Jüngern zum Essen und Trinken reichte. Seither bringen wir Christen ebenfalls Wein und Brot zum Altar und bitten Gott, er möge sie durch das Gebet des Priesters in den Leib und das Blut unseres Herrn, Jesus Christus, wandeln.
Das Besondere in unserem Gebet über die Gaben ist, dass wir Gott bitten, mit diesen Gaben uns selbst anzunehmen. Er kann uns jedoch nur so weit und in sofern annehmen, als wir bereit sind, uns annehmen zu lassen. Dies ist leicht gebetet, jedoch schwer im Vollzug. Einmal leben wir nur im Glauben mit dem Herrn. Wer kann uns schon sagen, was der Herr von uns an Leben will. Wenn zwei Menschen zusammen leben, kann einer dem anderen sagen, was er von ihm möchte. Bei Gott leben wir – trotz Evangelium – im Dunkel des Glaubens. Was uns sichtbar ist, ist die Feier der Sakramente. So ist die „Heilige Messe“ ein Sakrament und darum können wir „unsere Hingabe“ mit der Hingabe Jesu Christi, mit dem „Opfer Jesu“, des Gottessohnes, verbinden. Möge ER uns darin annehmen!
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