GABENGEBET
Barmherziger Gott,
wir bekennen, dass wir immer wieder versagen und uns nicht auf unsere Verdienste berufen können. Komm uns zu Hilfe, ersetze, was uns fehlt, und nimm unsere Gebete und Gaben gnädig an.
Darum bitten wir durch Jesus Christus, unseren Herrn.
Barmherziger Gott, wir bekennen, dass wir immer wieder versagen.
Es mag sein, dass ich schon mehrmals über den „barmherzigen Gott“ geschrieben habe, doch dieses Wort trifft mich immer wieder in meinem Innersten. Ich glaube an „Gott“. Das ist einfach nicht selbstverständlich. Ich meine, die Menschen verstehen zu können, die es mit dem „Glauben“ schwer haben. Ich höre täglich von Menschen, die gestorben sind, und, das ist das Entscheidende, die nun zu diesem unserem barmherzigen Gott gekommen sind; die zu ihm gekommen sind, ob sie an ihn geglaubt haben oder nicht. Hier wird mir die ganze Endlich- und Vergänglichkeit des Menschen bewusst. Die endgültige Vergänglichkeit im Tod gäbe es nur, wenn es diesen barmherzigen Gott nicht gäbe. Die Vergänglichkeit des Menschen ist letztlich aufgehoben in Gott. Sie ist aufgehoben, ob ich an den barmherzigen Gott glaube oder nicht glaube. Doch von ihm hat sein Sohn, Jesus Christus, uns Kunde gebracht, und er hat diese Kunde durch Geist, Kraft und Wunder bestätigt. Auch dass er uns seinen Sohn geschenkt hat, ist ein Zeichen seiner „Barm-herz-igkeit“. Ich muss an die heilige Angela von Foligno denken, die geschrieben hat, dass Gott Vater dem Sohn das Kreuz zur Erlösung der Menschen angeboten und dieser es freudig angenommen habe. Es ist mir, als hätte ich noch nie darüber nachgedacht, dass Gott ein „Herz“ für die Menschen hat. Wir Menschen kennen die Redensart: „es liegt mir am Herzen“. Wir wollen damit sagen, dass es meinem Leben etwas bedeutet, dass es mein Innerstes berührt. So ungefähr stelle ich mir vor, liegen wir Menschen Gott am Herzen, darum hat er alles für uns getan, selbst seinen Sohn nicht vor dem Kreuz bewahrt. Er hatte Erbarmen mit uns Menschen, als er unsere Trostlosigkeit sah. Dieser unser Zustand muss unserem Gott selbst weh getan haben. Es war ein „erbärmlicher“ Zustand. Aus ihm hat er uns befreit. Da Gott uns den freien Willen gelassen hat, haben wir es ein Stück selbst in der Hand, ob wir mit Gott leben oder ob wir eigene Wege gehen wollen. Da wir oft den eigenen Weg dem Weg mit Gott vorziehen, betet das Gebet zu Recht: Wir bekennen, dass wir immer wieder versagen. Ich denke an den einen Verbrecher, der mit Jesus gekreuzigt wurde. Er hat sich vor dem gekreuzigten Herrn zu seiner Schuld bekannt und ihn gebeten, er möge doch an ihn denken, wenn er in sein Reich kommt. Jesus verspricht ihm, dass er mit ihm, heute noch im Paradies sein werde. Es steht uns gut an, unsere Schwachheit nicht verdecken zu wollen, sondern zu ihr zu stehen. Nun kommt in dem Gebet noch ein zweiter Begriff vor, nämlich „Verdienst“. An sich ist es verstehbar, dass wir keinen Verdienst haben, wenn wir immer versagen. Doch es ist es auch noch kein Verdienst vor Gott, wenn wir nicht versagen, ist es doch schlicht unser Auftrag, den Willen Gottes zu erfüllen. Im Lukasevangelium ist uns das Gleichnis vom unnützen Sklaven berichtet (17,7-10). Jesus sagt uns darin: „Wenn ihr alles getan habt, was euch befohlen wurde, sollt ihr sagen: Wir sind unnütze Sklaven; wir haben nur unsere Schuldigkeit getan.“ An sich ist es unmenschlich, keinen Dank und keine Anerkennung für geleistete Arbeit zu bekommen. Das Evangelium muss daher noch in einem anderen Sinn zu verstehen sein. Es spricht vom Reich Gottes. Das heißt, es spricht in diesem Gleichnis von einer überirdischen Wirklichkeit. Diese Wirklichkeit kann nicht mit irdischen Taten und Einsätzen erkauft werden. Mir wird in diesem Zusammenhang noch einmal meine Vergangenheit einsichtig. Ich bin in den Orden eingetreten, um Buße zu tun. Das war gewiss richtig, doch ich musste lernen, dass ich mir mit allen Bußübungen und Verzichten den Himmel nicht erkaufen kann. Der Himmel ist ein freies Geschenk Gottes. Ich habe mich immer gefragt, was mir denn die vielen Verzichte und Taten der Heiligen dann sagen wollen. Sind sie, so fragte ich mich, nicht doch auf Grund ihrer Leistung für Gott und die Menschen Heilige geworden? Hier kann ich sagen: Ja und Nein. Das Entscheidende in ihrem Leben war die innige Beziehung zu Gott. Auf Grund dieser Beziehung und in dieser Beziehung haben sie Großes vollbringen können. Die Beziehung selbst musste Gott schenken. Gewiss, sie hätten diese auch ausschlagen oder vernachlässigen können. Doch wer möchte schon eine Beziehung, wie sie zwischen Gott und den Menschen mitunter ist, ausschlagen? Im Gegenteil, die Beziehung möchte, dass sie immer tiefer wird. Das drückt unser Gebet auch aus. Es bittet Gott um Hilfe: Komm uns zu Hilfe, ersetze, was uns fehlt, und nimm unsere Gebete und Gaben gnädig an. Der erste Teil des Satzes bittet Gott, dass er ersetze, was uns fehlt. Was kann damit gemeint sein? Vielleicht die Anerkennung und die Liebe zu Gott? Oder auch das Leben Gottes selbst? Denn Gott kann unsere Gebete nur annehmen, wenn sie in die Sphäre seines Lebens hinein genommen werden. Wir sind zwar in der Taufe „Kinder Gottes“ geworden, doch das heißt nicht, dass wir nun Gott ganz ähnlich sind. Es gibt einen philosophischen Satz: „Je größer die Ähnlichkeit, umso größer die Unähnlichkeit“. Wenn wir uns dessen bewusst sind, verstehen wir auch die Bitte, Gott möge unsere Gebete und Gaben gnädig annehmen. Es ist nicht selbstverständlich, dass er das tut. Gewiss, er hat uns seinen Sohn und den Heiligen Geist geschenkt. Durch sie können unsere Gebete zu Gott Vater gelangen. Doch es ist seine Gnade, seine Herablassung zu den Menschen, wenn er die Gebete und Gaben annimmt. Wir sagen dann: Gott ist uns gnädig. – Möge Gott uns allen in unserem Beten und durch unsere Gebete gnädig sein.
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