2. Sonntag der Osterzeit
TAGESGEBET
Gott,
du hast deinem Volk
durch das Bekenntnis des Glaubens und den Empfang der Taufe neues Leben geschenkt.
Nimm die Gaben deiner Gläubigen gnädig an
und lass uns in dir Seligkeit und ewiges Leben finden.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.

Gott
Wir beten zu „Gott“. Seit Menschengedenken gibt es dieses Beten. Wir Christen, so entsinne ich mich einer Aussage unseres Lehrers Pater Josef Terschlüsen, können dankbar sein, dass wir diesen Glauben an den einen lebendigen Gott haben. Dieser Gott ist Sinn und Ziel unseres Lebens. Er hat sich uns in Jesus Christus, seinem Sohn, offen gelegt - geoffenbart. Noch gibt es Völker, die von dem Glauben an den einen Gott nichts gehört oder die Botschaft von ihm noch nicht angenommen haben. Sie glauben mitunter an „Götter“. Diese sind für sie auch unsichtbare Wesen, die Welt und Menschen beeinflussen können. Sie stellen diese mitunter in schrecklichen Gestalten dar. In der Fundamentaltheologie hat unser Lehrer, Pater Eucharius, von „sperma theologikoi“ gesprochen. Das heißt, in allen diesen Religionen ist etwas von der wirklichen und richtigen Aussage über Gott enthalten. Das hat seinen Grund darin, dass der Mensch von Gott in das Leben gerufen wurde. Der Mensch hat dadurch zugleich eine natürliche Urbeziehung zu Gott bekommen. Diese Urbeziehung wurde, da sie durch die Ursünde zerstört worden ist, durch Jesus Christus geheilt und mit neuem Leben erfüllt.
In unserem Gebet beten wir: Gott, du hast deinem Volk durch das Bekenntnis des Glaubens und den Empfang der Taufe neues Leben geschenkt. Wir gedenken vor Gott zuerst der Taten, die Gott für uns Menschen vollbracht hat und vollbringt. Dabei muss bedacht werden, dass Gott nichts gegen den freien Willen des Menschen tut. Der Mensch ist frei, der Botschaft von Jesus Christus und seinem erlösenden Leben, Leiden und Sterben und seiner Auferstehung zu glauben: die Botschaft anzunehmen oder sie abzulehnen. Im Letzten ist alles ein Geschenk Gottes. Kein Mensch sollte sich etwas darauf einbilden, wenn er glauben kann; denn es ist letztlich Gabe Gottes. Darüber denken wir Christen meist gar nicht nach. Nun ist es so: Wenn einer glaubt, ist es Gottes Wirken, wenn einer nicht glaubt, obwohl er von der Botschaft von Jesus Christus gehört hat, ist es der Unglaube des Menschen, ist es der Mensch selbst. Dies ist eine bittere Wahrheit. Das Glaubenkönnen schenkt mir Gott, das Nichtglauben ist meine eigene Leistung. Auch diese Wirklichkeit führte in den Vorlesungen der Theologie zu heftigen Auseinandersetzungen. Es war nicht leicht, einzusehen, dass der Glaube allein von Gott geschenkt, der Unglaube aber ganz mein eigenes Werk ist. Doch da es so ist, können wir nur beten und Gott bitten, dass er uns Glauben an sich schenken und uns auch darin behalten möge.
Da wir, wie das Gebet betet, immer als Volk vor Gott stehen, wird der Glaube des Einzelnen von der Gemeinschaft getragen und ergänzt. Das Gebet ist kühn in seiner Aussage. Es spricht davon, dass Gott seinem Volk durch das Bekenntnis des Glaubens und den Empfang der Taufe neues Leben geschenkt hat. Eigentlich wird nicht das Volk getauft, sondern der einzelne Mensch. Wie ist der Text zu verstehen? Ein jeder bekommt bei der Taufe eine besondere Beziehung zu Gott geschenkt. Wir sagen: Der Mensch wird ein Kind Gottes. Doch diese Beziehung schließt die Beziehung zu den schon getauften Menschen mit ein. Das lässt sich am Beispiel der Familie leicht einsehen. Jedes Kind, das neu in eine Familie hineingeboren wird, bekommt Geschwister. Diese gehören dazu, ob ich darüber froh oder traurig bin. So werden wir durch die Taufe „geistliche Kinder Gottes“, und darin und damit sind wir die große Familie Gottes. Und noch etwas lässt sich bedenken. Es wird kein Kind ohne den Glauben eines Erwachsenen, der für das Kind den Glauben bekennt, getauft. Der Glaube des Erwachsenen ist gleichsam der Glaubensschoß, in den das Kind eingebettet ist. Nun können wir das Gebet besser verstehen. Der Glaube des Volkes ist der Glaubensschoß, durch den der Mensch – das Kind - das neue Leben geschenkt bekommen darf, und es auch bekommt. Jeder einzelne Christ hat daran Anteil. Keiner kann sich selbst taufen, keiner kann nur für sich selbst glauben. Jeder glaubt in der Gemeinschaft des Volkes Gottes, und jeder Getaufte ist ein Teil des Volkes Gottes. Stellen wir uns vor, keiner der Erwachsenen, die bei der Taufe eines Kindes anwesend sind, würde an Gott glauben, dann dürfte das Kind nicht getauft werden. Das hieße auch, daß es das „neue Leben“ nicht geschenkt bekommen könnte. Indem ich dies bedenke und schreibe, wird mir neu bewusst, was mir früher als Pfarrer mitunter „auf die Seele fiel“, wenn es den Anschein hatte, dass die Angehörigen nur taufen ließen, „damit das Kind“ – so wörtlich – keinen Nachteil in der Schule habe“.
Die Taufe ist das grundlegende Sakrament. Eigentlich müssten wir Erwachsenen, die wir als Kind getauft wurden, Taufunterricht bekommen. Als Kind konnten wir das Geschehen und Geschenk der Taufe nicht verstehen und später wird nicht mehr darüber gesprochen. Darum ist es gut, dass in der Liturgie der Osternacht das Taufgedächtnis für und von Erwachsenen stattfindet. Doch es muss dazu gesagt werden, dass es nur eine geringe Anzahl an Katholiken ist, die an der Feier der Osternacht teilnimmt. In meiner Heimat in Schwaben gab es den Brauch, – ich weiß nicht, ob er heute noch vollzogen wird – zu Beginn der sonntäglichen Messfeier die Gemeinde mit Weihwasser zu besprengen. Dies ist eine Erinnerung an die Taufe. Die Besprengung mit Weihwasser soll die getauften Menschen reinigen, auf dass sie die Feier der Eucharistie mit reinem Herzen vor Gott vollziehen können. - - - Die Taufe hat uns zu Kindern Gottes gemacht. Als „Gottes Kinder“ bringen wir Gott Vater durch seinen Sohn im Heiligen Geist Gaben. Sie sind einerseits unser Geschenk an Gott, andererseits geben wir IHM dadurch die Möglichkeit, sie uns - verwandelt in den Leib und das Blut seines Sohnes, unseres Herrn, Jesus Christus, - wieder zu schenken. Durch diese Gaben bekommen wir Anteil am ewigen Leben unseres Gottes. Es gab „Heilige“, die diese „Seligkeit des ewigen Lebens“ schon in ihrem irdischen Leben ein wenig verkosten durften. Sie sind Zeugen dafür, dass unser Glaube richtig ist, und wir auf „keinen Sand gebaut haben“.