3. Sonntag der Adventszeit
GABENGEBET
Herr, unser Gott,
in dieser Feier erfüllen wir den Auftrag deines Sohnes.
Nimm unsere Gaben an
und gib deiner Kirche die Gnade,
immer und überall sein Opfer zu feiern.
Schenke uns durch dieses Geheimnis dein Heil,
das du der Welt bereitet hast. Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn. Amen.

In Latein:
Devotiones nostrae tibi, Domine, quaesumus, hostia iugiter immoletur, quae et sacri peragat instituta mysterii, et salutare tuum nobis potenter operetur.

Devotiones nostrae
Um die Gabengebete richtig interpretieren zu können, brauchte ich ein Lateinisch-Lexikon; denn in den vier Jahren Lateinunterricht auf dem Abendgymnasium habe ich nicht so viel Latein lernen können wie auf einem normalen Gymnasium. Bei meinem letzten Umzug habe ich zurückgelassen, was ich nicht dringend zu brauchen glaubte, so auch das Lateinlexikon. Nun will ich versuchen, mir doch noch einmal eines zu besorgen. Obwohl auch das beste Lexikon noch keine gute Übersetzung macht. Hinzu kommt noch eine weitere Schwierigkeit. Die Gabengebete wurden zum Teil erst im Mittelalter abgefasst, zu einer Zeit, da das klassische Latein schon mehr zum Volkslatein geworden war, und sich die Inhalte und Bedeutung einzelner Wörter verändert hatten. Darum: Sollte jemand meine Auslegung als unangemessen oder nicht richtig erkennen, möge er mir verzeihen. Gerne nehme ich auch – um es mit einem modernen Wort zu sagen - Feedback an. Übrigens: Wie sehr das Latein zurückgedrängt wurde und wird, ist daran zu erkennen, dass es kaum noch Bücher gibt, die die lateinische Fassung der Kirchen- bzw. der Gabengebete haben. Doch ich habe noch einen „Schott“ gefunden, der die Gebete auch in lateinischer Sprache hat.
Doch nun zum Text: Wir haben als Fremdwort „Devotio“. Es drückt die Hingabe an Gott aus. Im Mittelalter sprach man von der „devotio moderna“ und meinte damit eine gewisse religiöse Haltung und Gebetsform. Sie ist in neuerer Zeit etwas zurückgedrängt worden, da darin der einzelne Mensch mit Gott lebt, dabei jedoch die Gemeinschaft der Betenden zu kurz kommen kann. In meiner Studienzeit um 1960 wurde darüber viel diskutiert. Mein damaliger Magister war für die Gemeinschaft im Gebet. Ich sagte dagegen: dass ich nur, wenn ich ein personales, persönliches Verhältnis zu Gott hätte, auch in Gemeinschaft zu Gott beten könne.
In unserem Gebet lässt sich devotio vielleicht am besten mit ganzer Hingabe meines Lebens an Gott deuten. Gleichsam als „immerwährendes Opfer“, im Text steht „hostia jugiter immoletur“. Das Wort „Hostie“ kennen wir aus der hl.Messe. Vielleicht wird uns hier bewusst, dass wir in der heiligen Messe in der heiligen Hostie das Lebensopfer des Herrn geschenkt bekommen. Es kann jedoch auch sein, dass das Gebet meint, dass immerzu unsere „Devotio“, unsere Hingabe, dem Herrn als unser Opfer geschenkt wird. Dies kann auch wiederum im Vollzug der heiligen Messe geschehen. Wir sagen für gewöhnlich, dass unser Lebensopfer mit dem Lebensopfer des Herrn verbunden wird. Doch, so könnten wir fragen: Wann ist uns dies ganz bewusst? Ich muss an Bilder denken, die sich bei mir eingeprägt haben: Da stehen Männer und Frauen hinten an der Kirchentür und verlassen die Kirche, wenn die heilige Kommunion ausgeteilt wird. Es ist ja gut, dass sie überhaupt noch in die Kirche kommen, doch, es bleibt eine bohrende Frage in mir: „Wie viel verstehen wir Menschen von dem Geschehen, das sich da vollzieht? Darum scheint es mir inzwischen wichtig zu sein, auch über die Gebete zu meditieren. Diese Meditation sollte dann aber auch etwas in meinem Leben bewirken. Mir fällt dazu die Aussage eines Zimmermanns ein (ich meine, schon einmal davon erzählt zu haben). Er sagte: „Die Leute, die sich in der Kirche nach vorne drängen, sind die Schlimmsten.“ Er selbst stand immer hinten an der Kirchentür. Wie eine solche Aussage zu beurteilen ist, können wir ruhig Gott überlassen!
Doch nun wieder zum Text: Es folgt ein doppeltes „et“, das heißt, es sind zwei Sätze verbunden. „Et sacri peragat instituta mysterii, et salutare tuum nobis potenter operetur.“ Ich meine, gelernt zu haben, dass es mit sowohl als auch übersetzt werden kann. Ich übersetze den Text einmal so: Indem wir die heiligen, von Gott eingesetzten Mysterien (Heilsgeheimnisse) feiern, mögen sie die Heiligung in uns kraftvoll bewirken, oder: es möge sein Heil in uns kraftvoll wirken. Wir tun etwas, was sowohl der Herr uns hinterlassen hat, als auch etwas, was sein Heil in uns bewirkt. Hier wird einsichtig, wie wichtig es ist, die heilige Messe zu feiern. Sie schenkt uns das göttliche Leben in unser Leben, und nicht nur mir und uns, sondern der ganzen Welt. Dabei fällt mir noch ein Diskussionspunkt aus meiner Studienzeit ein. Es ging um die Frage, ob das Sakrament, das heißt hier: die Heilige Messe aus sich selbst die Änderung meines Lebens bewirkt, oder ob ich selbst daran mitwirken muss. Anders ausgedrückt: Schenkt mir das Sakrament, die Feier der Heiligen Messe, die Kraft und die Gnade Gottes auch dann, wenn ich sie nicht „andächtig“ mit feiere? Gott hat die Möglichkeit, auch ohne mein Zutun in mir etwas zu bewirken, doch besser wird es sein, wenn ich mich geistig mit meinem menschlichen Leben in diese „devotio“ hinein gebe. Dabei brauche ich den Beter neben mir nicht auszuschließen, sondern ich kann mich mit ihm „geistlich“ verbinden und so als Gemeinschaft vor Gott stehen. Vielleicht wirkt Gott dann „noch kraftvoller sein Heil“