GABENGEBET
Barmherziger Gott, befreie uns durch dieses Opfer von unseren Sünden und schenke uns die Kraft, auch den Brüdern (und den Schwestern) zu vergeben, wenn sie an uns schuldig geworden sind. Darum bitten wir durch Jesus Christus, unseren Herrn.
Barmherziger Gott, befreie uns durch dieses Opfer von unseren Sünden.
Immer wieder muß ich mir sagen, dass ich im Gebet mit Gott spreche, mit diesem unsichtbaren Gott, zu dem ich einmal für immer kommen möchte. Täglich mache ich es mir klar, dass ich mit meinem Gott nur im Glauben lebe. Zwar hat sich dieser Gott in seinem Sohn geoffenbart – offen gelegt; - im Prolog (Eingangskapitel) des Johannesevangeliums heißt es, dass Jesus der „Exeget“, der Ausleger des Lebens Gottes sei (Joh,1,18). - Das nimmt nichts von der Wirklichkeit, dass auch die Menschen, die mit Jesus gelebt haben, an diesen „Exegeten“ glauben mussten. Wenn wir von Gott sprechen, sprechen wir von einer „anderen Welt“. Dass wir überhaupt von IHM reden, hat seinen Grund darin, dass wir von Jesus gehört oder gelesen haben, und die Botschaft uns sagt, dass wir durch den Tod hindurch zu IHM kommen können, um für ewig – er möge es uns schenken, bei IHM zu sein. Von diesem unserem Gott sagen wir im Glauben, dass ER barmherzig ist, dass er ein Herz hat, das Erbarmen kennt und bereit ist, uns Menschen dieses Erbarmen zu schenken. Wenn wir das nicht glauben würden, wäre unser Beten umsonst und wenn Gott nicht barmherzig wäre, ginge unser Beten ins Nichts, in die Leere des Weltalls; denn, so können wir folgern, warum und wie sollte Gott uns hören und erhören. So ist es gut, sich immer wieder über den Glauben Rechenschaft abzulegen. Diese Rechenschaft beginnt für mich immer bei Jesus Christus. Er hat uns die Kunde von seinem Vater im Himmel gebracht. Er ist, so berichten uns die verlässlichen Zeugen, nach seinem Kreuzestod wieder als verklärter, lebender Mensch gesehen worden und da sie es nicht glauben konnten, hat er sogar mit ihnen gegessen (Lk 24,41-43). So sollte der Zweifel an seiner menschlichen Daseinsweise eine Antwort finden, denn zuvor meinten die Jünger, einen Geist zu sehen. Nun beten und bitten wir, dass der barmherzige Gott uns von unseren Sünden befreie. Sünde hat immer mit Gott zu tun und mitunter auch mit dem Mitmenschen. Wir kennen zum Teil die Geschichte der Sünden bei den Menschen, angefangen bei Adam und Eva, die im Ungehorsam gegen Gott von den Früchten des verbotenen Baumes aßen. Das hat sich fortgesetzt, indem Kain aus Neid seinen Bruder Abel erschlägt. Ja, die Geschichte der Menschen ist zu einer Unheilsgeschichte geworden. Diese wird erst wieder durch den Tod und die Auferstehung Jesu, des Sohnes Gottes, unterbrochen. Fortan hat der Mensch die Möglichkeit, sich der Heilsgeschichte in Jesus Christus anzuschließen oder aber auch die verhängnisvolle Kette des Unheils fortzusetzen. Gott zwingt keinen Menschen, weder zu dem Einen noch zu dem Anderen.
Lässt sich der Mensch von der Heilskette, die in Jesus begann, ergreifen, hat er dies nur Gott zu verdanken; denn der hat seinen Sohn, Jesus Christus, um unserer Sünden willen in den Tod gegeben. Dieser Tod ist ein Opfertod, der durch die Sünde des Menschen herausgefordert wurde. Jesus hat sich für uns Menschen geopfert. Das hat mit Wiedergutmachung zu tun. Wir können uns das vorstellen, indem wir an eine zweiseitige Waage denken. Auf der einen Seite liegen die Sünden der Menschen, auf der anderen das Lebensopfer Jesu Christi, das schwerer wiegt als die Sünden der Menschen aller Zeiten. In der Theologie von heute wird weniger von dieser so genannten „Opfertheorie“ gesprochen, sondern von der Öffnung des Lebens auf Gott hin, die uns Jesus durch seinen Gehorsam bis zum Tod und seine Auferstehung ermöglicht hat. Jedenfalls musste Jesus sein Leben für die Menschen opfern. Er sühnte damit ihre Schuld vor Gott. So erwirkte er für die Menschen die Vergebung von Gott und ermöglichte ihnen wieder die Verbundenheit mit Gott demVater.
Der Verfasser unseres Gebetes sah wohl die Schwachheit des Menschen; denn das Gebet bittet immerzu, an jedem Tag und in jeder Generation um die Befreiung von den Sünden durch das Lebensopfer des Herrn. Die Erfüllung dieser Bitte ist an die Bedingung geknüpft, dass wir, wenn wir Vergebung von Gott geschenkt bekommen, auch unseren Schwestern und Brüdern vergeben müssen. Das Matthäus-Evangelium berichtet uns im 18.Kapitel dazu eine eindrucksvolle Geschichte. Ein König hielt Abrechnung mit seinen Knechten. Dabei hat ihn ein Diener, der ihm Geld schuldete, angefleht, er möge Geduld haben; denn er könne seine Schuld erst später bezahlen. Der König ließ sich darauf ein. Doch der „Schuldner“ ging nun hin und verlangte von seinem Mitknecht, dass er ihm seine Schulden gleich bezahle. Als dieser es nicht konnte und um Stundung seiner Schuld bettelte, ging der Knecht nicht darauf ein, sondern ließ ihn ins Gefängnis werfen, bis er die Schuld bezahlt habe. Als der König das hörte, wurde er zornig und ließ nun den unbarmherzigen Knecht ins Gefängnis werfen, bis er alle Schuld bezahlt habe. Der Evangelist fügt hinzu: „ Jesus sagte: So wird auch mein Himmlischer Vater mit euch verfahren, wenn nicht ein jeder seinem Bruder von ganzem Herzen verzeiht.“ -- Es ist für uns Menschen nicht selbstverständlich und nicht leicht, Schuld zu vergeben, zumal wenn diese Schuld unser Leben beeinträchtigt hat, oder wie das Gebet sagt, „wenn die Menschen an uns schuldig geworden sind“. Zu solcher Vergebung brauchen wir in der Tat „Gottes Kraft“. Sie kann umso wirksamer werden, je mehr wir einsehen, selbst vor Gott schuldig und Schuldner zu sein.
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