GABENGEBET
Allmächtiger Gott, nimm die Gaben an, die deine Kirche dir in österlicher Freude darbringt. Du hast ihr Grund gegeben zu solchem Jubel, erhalte ihr die Freude bis zur Vollendung. Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
Allmächtiger Gott
Gottes Allmacht trägt Menschen und Welt und erhält alles am Leben und schenkt allem das Leben. Diese Wirklichkeit scheint noch nicht in mein Leben eingedrungen zu sein. Ich habe den Eindruck, dass ich mein eigenes Leben lebe. In meinem Bewusstsein ist die Wirklichkeit nicht immer gegenwärtig, dass es einmal zu Ende geht und ich dann, Gott möge es schenken, zu IHM in den Himmel komme. Doch vor dem Eintritt in die ewige Herrlichkeit gibt es, so lehrt es die Kirche, eine Reinigung, Fegfeuer genannt. Ich sehe die Bilder im Vatikanischen Museum oder in Florenz vor mir. Es gibt in diesen Bildern eine Aufwärtsbewegung. Einer, der oben steht zieht andere hoch. Es ist der erhöhte Herr. Und es gibt eine Abwärtsbewegung. Der „Acheron“, der Teufel zieht Menschen zu sich in seinen Abgrund. Es sind Darstellungen, worin sich Menschen biblische Aussagen vergegenwärtigen wollen. Es sind menschliche Darstellungen, wie sie in der je eigenen Zeit gepredigt und gemalt wurden. Theologen unserer Zeit sind der Meinung, dass unsere Zeitvorstellungen und auch die „Quälmethoden“, wie sie im Mittelalter dargestellt wurden, für die Ewigkeit nicht gelten. So wird von der Sehnsucht derer gesprochen, die nicht mehr zu Gott kommen können, deren Bestimmung jedoch, wie die eines jeden Menschen, ist, dorthin zu gelangen. Dass dies nicht möglich ist, sei die eigentliche Qual. Des weiteren gab es Prediger, die die Hölle in schrecklichen „Farben“ ausmalten, um damit die Menschen zur Bekehrung umzustimmen. Ich habe einst als Student mit einem „Volksmissionar“ darüber diskutiert und ihn gefragt, warum er den Menschen Angst mache? Und er meinte, dadurch würden die Menschen sich eher bekehren. Nun meine ich, wir sollten den Himmel und die Ewigkeit in der ganzen und schönen Wirklichkeit darstellen. Das könnte unsere Sehnsucht danach eher beflügeln. Doch kehren wir zum Gebet zurück. Wir beten: Allmächtiger Gott, nimm die Gaben an, die deine Kirche dir in österlicher Freude darbringt. Die „Kirche“ bringt Gott die Gaben „in österlicher Freude dar“. Ich habe mich als Student immer dagegen gewehrt, dass nur von der „Kirche“ die Rede war. Ich fühlte mich persönlich damit nicht angesprochen. Doch das Gebet ist schon richtig. Ich bin immer ein Teil der Kirche. Ohne Kirche hätte ich nicht Christ werden können. Die Kirche hat mich in ihren Glaubensschoß aufgenommen. Keiner kann für sich allein Christ sein, ohne dass sein persönliches Leben dabei untergeht. Im Gegenteil: Je mehr ich persönlich Christ bin, um so mehr bin ich Kirche. Es gibt eine Bewegung, die nennt sich: „Wir sind Kirche“. Doch sie wollen Kirche sein, ohne den Vorrang des Papstes, der Bischöfe und Priester. Hier ist „Kirche“ falsch verstanden. Die Kirche braucht, will sie nicht untergehen, eine Ordnung und zu dieser Ordnung gehört auch die richtig verstandene Unterordnung. Das hat nichts mit weniger Freiheit zu tun, sondern mit dem Auftrag den der Einzelne von Gott für die „Kirche“ bekommen hat. – Da fällt mir eine Aussage eines Lehrers im Studium ein. Er sagte immer: „Nicht! Ordnung muss sein. Nicht!“
Die „österliche Freude“ ist nicht des Menschen Werk. Es ist die Tat Gottes. Er hat seinen Sohn vom Tode zum Leben erweckt und damit allen, die IHM glauben, Anteil am Leben des auferstandenen Herrn geschenkt und schenkt es fortan immerzu. Zwar ist das Leben auf dieser Erde immer noch von der Sünde und vom Unglauben bedroht, doch beides kann die Wirklichkeit des ewigen Lebens nicht mehr aus der Welt wegnehmen, wohl aus dem Leben des einzelnen Menschen. Darum bittet das Gebet zurecht, Gott möge der Kirche – und damit dem einzelnen Menschen – diese Freude bis zur Vollendung erhalten. In der Osterliturgie betet die Kirche, dass Gott durch seinen Sohn einen Zweikampf mit dem Bösen geführt habe. Aus diesem Zweikampf ging sein Sohn als Sieger hervor, obwohl er menschlich gesehen am Kreuz der Unterlegene war. Dieser Sieg wird immerzu in jeder hl.Messe gefeiert. Ein Grund zur Freude, die uns heute schon anteilhaft geschenkt ist, die wir jedoch erst in der Ewigkeit recht erfahren werden.
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