4. Sonntag der Adventszeit
GABENGEBET
Herr, unser Gott,
wir legen die Gaben auf den Altar.
Heilige sie durch deinen Geist,
der mit seiner Kraft die Jungfrau Maria überschattet hat.
Darum bitten wir durch Jesus Christus, unseren Herrn.

In Latein: Altari tuo, Domine, superposita munera Spiritus ille sanctificet, qui beatae Mariae viscera sua virtute replevit. Per Christum, Dominum nostrum.

Herr, unser Gott
Im lateinischen Text steht nur „Herr“. Die deutsche Übersetzung hat offensichtlich um der Klarheit willen „unser Gott“ dazugesetzt. Unser Gebet richtet sich nicht an irgend jemandem, sondern an unseren Gott, der im Himmel ist. Wie bei jedem Gebet, setzt das den Glauben voraus, dass es diesen Gott gibt, mehr noch, dass dieser Gott unser Gott ist und dass er auch unser Herr ist. Alles „Herr sein“ auf Erden hat seinen Ursprung in IHM; „alles Herr-Sein“ auf dieser Erde findet ein Ende bei IHM. Im Himmel gibt es keinen „irdischen Herrn“ mehr nur noch Gott. Er ist unser aller „Herr“, ob wir an IHN glauben oder nicht. Ich muss hier an Worte Jesu denken: „Ihr aber sollt euch nicht Rabbi nennen lassen, denn nur einer ist euer Meister, ihr alle aber seid Brüder. Auch sollt ihr niemand auf Erden euren Vater nennen; denn nur einer ist euer Vater, der im Himmel.“ Ich habe ein Bild vor Augen, auf dem gemalt ist, dass vor Gott alle irdischen Herrscher ihre Kronen vom Kopf nehmen und vor sich auf den Boden legen.
Im Gebet beten wir, dass wir die Gaben auf den Altar legen. Wir legen sie nicht nur auf irgend einen Tisch sondern auf den Altar. Der Altar ist unter anderem Zeichen und Symbol für unseren Herrn Jesus Christus. Der Altar hat in den zweitausend Jahren viele Verständnismöglichkeiten durchgemacht. Auf dem Altar wurde den heidnischen Göttern geopfert. Da Christus sein Leben auf dem „Altar des Kreuzes“ hingegeben hat, wurde der Altar auch in der Kirche zum „Opferaltar“. Mal hatte die Mahlgemeinschaft den Vorzug, dann wurde der Altar mehr zum Tisch, ein anderes Mal wurde mehr das Opfer des Herrn betont, dann wurde der Altar aus Stein geformt, um die Größe und die Schwere des Opfers unseres Herrn hervorzuheben. Das kirchliche Recht hat dann beim Bau einer Kirche auch den festen im Boden verankerten Altar vorgeschrieben. Zur Zeit des Barock wurde der Altar in Form eines Sarkopharges bevorzugt; denn es soll in jedem Altar wenigstens eine Relique eines Heiligen eingelassen sein. Bei einem Tragaltar wurde sie zur Feier der Heiligen Messe auf den Altar gelegt und nachher wieder entfernt. Übrigens wurde der fest auf der Erde stehende Altar mit einer besonderen Weihe versehen. Das hat natürlich alles seinen Grund darin, dass das Lebensopfer Jesu Christi auf dem Altar gefeiert wurde und sein heiliges Fleisch und Blut gegenwärtig wurde. Aus diesem Grund gab es in der Barockzeit den großen Aufbau über dem Altar, in dem das Tabernakel mit den restlichen geweihten Hostien aufbewahrt wurde. Die Menschen unserer Zeit sind nüchterner geworden. Sie wollen nur noch einen schlichten Tabernakel und den zumeist nicht auf dem Altar. Entweder gibt es eine Tabernakelsteele oder einen Tabernakel auf einem Seitenaltar. Es wird die Feier der Heiligen Messe auch lieber in Richtung des Volkes zelebriert.
Doch nun wieder zurück zum Gabengebet. Die Gaben, die wir auf den Altar gelegt haben, mögen durch den Heiligen Geist geheiligt werden. Der Heilige Geist sei, so sagte einmal ein Theologe, die „vergessene dritte göttliche Person“. Und doch geschieht alles, was Gott je in unserer Welt gewirkt hat und wirkt, durch den Heiligen Geist. Unsere Schwierigkeit beginnt bei der Unsichtbarkeit des Heiligen Geistes. Wir wissen im Glauben, dass der Heilige Geist im Schoße Mariens den Sohn Gottes, Jesus, gezeugt hat. Er hat die Jungfrau Maria mit seiner Kraft „überschattet“. Dadurch wurde sie „Mutter Gottes“ und über ihren Sohn, Jesus Christus, im Glauben auch unsere Mutter.
Nun bitten wir im Gebet, dass der Heilige Geist, der damals Jesus, den Sohn Gottes, im Schoße Mariens gezeugt hat, auch unsere Gaben annehme, sie heilige – wir sagen: verwandeln in den Leib und das Blut Jesu Christi - und sie uns als verwandelte Gaben schenken möge. Wir sagen für gewöhnlich: bei Gott ist nichts unmöglich. Darum war es für ihn auch nicht unmöglich, seinen Sohn durch Maria Mensch werden zu lassen.
Im Gebet ist das recht menschlich ausgedrückt. Es heißt – wenn ich das richtig verstehe – „der Heilige Geist möge jene Gaben, die wir auf den Altar gelegt haben, heiligen. Jener Geist, der die „viscera“,, die Eingeweide“, oder den „Leib Mariens“ mit seiner Kraft erfüllt hat. Es ist jedenfalls der selbe Heilige Geist, der damals in Maria gewirkt hat, und den wir auch heute bitten, unsere Gaben zu „heiligen“. Es ist der Geist Gottes, der Atem des Herrn, der seit Ewigkeit die Geschicke der Menschen leitet und die Menschen mit seinen Gaben beschenkt. Mir wird aufs Neue bewusst, wie kurz und klein unser Leben ist. Und doch kann es große Bedeutung haben, wenn wir es mit dem Leben des Herrn verbinden. Damals war es Maria, die ihr Jawort Gott geben musste – und sie hat es für uns alle gegeben – heute sind wir es: Du und ich, die dieses Ja-Wort nachsprechen müssen, damit Gott uns und die Menschen mit seiner Kraft erfüllen kann. Unterpfand, dass Gott dieses Ja annehmen wird, sind die Gaben, die ER von uns annimmt und sie uns, in sein Leben verwandelt, zurückschenkt. – Hier wird die Bedeutung der Feier der Heiligen Messe greifbar. Sie ist Gottes große Möglichkeit, uns Menschen zu begegnen und unsere Möglichkeit, Gott zu begegnen. Indem ich das schreibe, wird die Heilige Messe für mich noch einmal kostbarer und an Reichtum unübertrefflich.