4. Sonntag der Fastenzeit
GABENGEBET
Herr, unser Gott,
in der Freude auf das Osterfest bringen wir unsere Gaben dar.
Hilf uns, gläubig und ehrfürchtig das Opfer zu feiern,
das der Welt Heilung schenkt und den Tod überwindet.
Darum bitten wir durch Jesus Christus, unseren Herrn.

Herr, unser Gott, in der Freude auf das Osterfest bringen wir unsere Gaben dar.
„Herr, unser Gott“, beten wir immer und immer wieder. Und doch haben wir diesen „Herrn, unsern Gott“ nie gesehen. Auch, so habe ich einmal in einem Vortrag gehört, sprechen wir Gott immerzu an und fragen nicht, ob ER von uns angesprochen werden möchte, oder: wir sind zerstreut beim Beten; das heißt, ich nehme den anderen, in diesem Fall Gott, gar nicht ernst. Es ist, als wenn ich bei jemandem einen Besuch mache, jedoch innerlich zerstreut und gar nicht recht anwesend bin. Wer diese Zerstreuung nicht erlebt, der möge dem Herrn danken. Gott kann einen Menschen auch faszinieren. Wer von einem anderen Menschen fasziniert ist, der hört ihm gerne zu, der möchte jedes Wort in sich aufnehmen. Es fällt mir wieder ein Geschehen aus meiner Jugendzeit ein. Eine Frau, die etwa vierzig Jahre alt war, heiratete einen noch etwas älteren Mann. Von ihr wurde dann erzählt, dass sie vor ihrem Mann stand, ihn ganz beglückt ansah und hören wollte, was er ihr zu sagen hatte. Sie ließ sich nicht von den Menschen stören, die das vielleicht sahen, sie war einfach glücklich, ihren Mann zu haben und bei ihm sein zu dürfen. So ungefähr, stelle ich mir vor, haben es wohl heilige Menschen mit ihrem Gott erlebt. Es gibt gewiss auch Menschen, die mit uns leben und die Ähnliches erfahren, die einfach glücklich sind, wenn sie zum Beispiel im Gebet bei IHM sein dürfen. Ich meine, es ist nicht der Normalfall, solches zu erleben, doch haben wir den Auftrag, uns darum zu bemühen. Nur für gewöhnlich – so erlebe ich es – ist die Zerstreuung immerzu unser Problem. Das könnte der Herr ändern, indem ER uns innerlich ergreift und an sich zieht. Doch, so scheint mir, möchte ER, dass wir uns bemühen, im Gebet auch bei IHM „anwesend“ zu sein. Es ist auch bei uns Menschen so: Es geht etwas vom anderen aus, das mich aufhorchen lässt und meine Liebe zu ihm entfachen kann. Doch dann muss ich diese Liebe auch wollen. Das heißt auch, dass ich in der Beziehung, sei sie zu Gott oder zu einem Menschen, meinen Willen einsetzen muss.
Nun beten wir: in der Freude auf das Osterfest bringen wir unsere Gaben dar. Ich entsinne mich wieder meiner Kindheit. Es wurde Frühling. Alles fing an zu wachsen und die Schneeglöckchen blühten. Es war für mich die Freude im Zusammenhang mit dem Osterfest. Doch davon spricht unser Gebet nicht. Es spricht vom Osterfest, das unser Herr, Jesus Christus, mit seiner Auferstehung gefüllt und geprägt hat. Der Herr hat den Tod überwunden und damit für jeden Menschen, der IHM glaubt, das Tor des Himmels geöffnet. Nun hat es der Herr bei seinem Letzten Mahl mit den Jüngern so verfügt, dass nach seinem Tod und seiner Auferstehung dieses Mahl als Zeichen seiner dauernden Gegenwart gefeiert werden soll. Dazu bedarf es der Gaben, die der Herr in seinen Heiligen Leib und sein Heiliges Blut verwandelt. Darum bringen wir ihm die Gaben Brot und Wein. Nun ist das Gabengebet sehr alt. Früher brachten die Christen zur Feier der Eucharistie die Gaben mit. Der Priester nahm davon, sprach das Dankgebet darüber und reichte sie dann dem Volk. Heute ist dies bei der großen Zahl der Gläubigen nicht mehr möglich. Da die übrig gebliebenen „Stücklein„ aufbewahrt werden, wird auch nur „ungesäuertes“ Brot (Hostien genannt) genommen, da dieses sich länger hält. Im Gebet heißt es weiter: Hilf uns, gläubig und ehrfürchtig das Opfer zu feiern, das der Welt Heilung schenkt und den Tod überwindet. Das Gebet gedenkt des Lebensopfers unseres Herrn, der durch seinen Tod unseren Tod überwunden hat. Gewiss, wir müssen den leiblichen Tod sterben, doch dieser ist nur Durchgang in die Ewigkeit, in das ewige Leben. Christus hat den „ewigen Tod“ besiegt. Dieser Sieg wird in jeder Heiligen Messe gefeiert. Dieser Sieg hat Weltbedeutung. Mit der Sünde Adams wurde der Mensch mit seiner Welt vom Reich Gottes ausgeschlossen. Durch den Tod und die Auferstehung Jesu Christi hat sie Heilung erfahren. Wer sich IHM anschließt, der hat den Tod mit dem Herrn überwunden. Mehr noch: Durch uns wird so der Welt das Heil gebracht. Was die Sünde Adams an „Un-heil“ gebracht hat, das wird durch das Opfer des Herrn „heil“ gemacht.