4. Sonntag der Osterzeit
GABENGEBET
Herr, unser Gott,
gib, dass wir dir allzeit danken durch die Feier der österlichen Geheimnisse.
In ihnen führst du das Werk der Erlösung fort,
mache sie für uns zur Quelle der unvergänglichen Freude.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.

Herr, unser Gott
Und wieder beten wir zu unserem „Herrn und Gott“. Ob es IHM wohl gefällt, wenn wir ihn immer anreden? Es muss wohl so sein, denn sein Sohn Jesus Christus hat uns dazu ermuntert, zwar nicht, dass wir dieses Gebet immerzu sprechen, sondern das „Vater unser“. Das „Vater unser“ ist das Gebet des Christen. Der hl. Franziskus hat gewiss auch darum für seine Brüder, die nicht lesen konnten, als Stundengebet eine gewisse Anzahl an „Vater unser“ zu beten angeordnet. Nun, die Kirche hat ihr Beten ausgeweitet. Sie hat mit der Zeit zuerst für alle Sonntage Gebete formuliert. Dann kamen mit der Zeit die für die Werktage und die für die Feste der Heiligen hinzu. So bildete sich ein gewisser Gebetsschatz. Die Professoren, die in der Liturgie Vorlesungen halten, haben erkannt, dass die ältesten Gebete kürzer gefasst sind als die, die zu späterer Zeit entstanden sind. Auch gibt es Unterschiede in der Anrede im Gebet. Die ältesten Gebete sprechen immer „Gott“ an, die aus späterer Zeit beten auch direkt zu Jesus Christus. Nun aber zurück zu unserem Text. Wir beten, Gott möge es uns schenken, dass wir ihm allzeit danken. Danken können wir Menschen für vieles in unserem Leben. Nichts ist selbstverständlich: Ob wir eine Arbeitsstelle haben; ob wir genug zu essen und Kleidung zum Anziehen haben. Alles ist für den, der glaubt, im Letzten Geschenk von Gott. Der Mensch neigt jedoch dazu, alles als sein eigenes Verdienst zu sehen. Das stimmt jedoch nur zum Teil. Ich denke an die Geschichte in der Heiligen Schrift, wo dem Reichen gesagt wird, was er davon habe, wenn in der gleichen Nacht sein Leben zurückgefordert würde. Hier geht es um das irdische Leben, in unserem Gabengebet geht es um das ewige Leben. Jesus hat uns durch seinen Tod und seine Auferstehung den Zugang zum ewigen Leben eröffnet. Dieses Geschehen von Tod und Auferstehung Jesu feiern wir - gedenkend - in jeder Heiligen Messe. Indem wir das tun, danken wir Gott für das Geschenk der Erlösung. Danken ist ein wesentlicher Lebensvorgang. Danken kann nur der Mensch. Er kann auch undankbar sein. Meine Mutter hat mich das Danken nicht nur durch Worte gelehrt, sondern sie hielt die Gabe, die sie mir geben wollte, so lange in der Hand, bis ich „Danke“ gesagt habe. Ich meine, wir Menschen sind viel zu wenig dankbar. Das hängt damit zusammen, dass wir im Danken eine gewisse Abhängigkeit vom andern ausdrücken, und abhängig möchte der Mensch nicht sein. Doch ein Mensch, der nicht dankbar sein kann, der erhält auch kaum Anteil am Leben des anderen. Hier liegt meines Erachtens der Schlüssel zu unserem Glaubensgeheimnis. Indem wir Gott „Dank sagen“ – das heißt im griechischen Text „eucharistein“, - Eucharistie feiern, vollzieht sich an uns immerzu das Werk der Erlösung, bekommen wir Anteil am Leben unseres Herrn, Jesus Christus. Würden wir Christen aufhören, Eucharistie zu feiern, gäbe es auch keine Erlösung mehr für die Menschen. Die Feier der „Heiligen Messe“ ist das zentrale Geheimnis unseres Lebens mit Gott. In ihr haben wir immer schon anfanghaft Anteil an der Herrlichkeit des Himmels, oder wie es das Gebet ausdrückt: Sie ist die Quelle der „unvergänglichen Freude“.
So ist zu verstehen, dass wir Gott bitten, er möge uns schenken, dass wir allezeit diese „Danksagung“ vollziehen können. Denn, wenn wir damit aufhören würden, würde auch die Quelle der unvergänglichen Freude versiegen. Ich meine, es schon einmal erzählt zu haben. Es war während meines Studiums. Ich meine, es war das Jahr, in dem ich in der Feierlichen Profess mich für allezeit dem Herrn übergab. Wir feierten die „Osternacht“. In jener Nacht erfuhr ich ein Glücksgefühl, das in mir sprach: „Es lohnt sich, mein Leben dem Herrn zu schenken und mich für ihn einzusetzen.“ Seither sind nun 50 Jahre vergangen. Nicht immer waren sie von dieser Freude geprägt. Doch der Herr hat mir geholfen durchzuhalten und sein Wort und sein Leben zu verkünden - auch durch das Schreiben der „Gedanken“.