17. Sonntag im Jahreskreis
GABENGEBET
Gütiger Gott,
nimm die Gaben an, die wir von deiner Güte empfangen haben.
Lass deine Kraft in ihnen wirken,
damit sie uns in diesem Leben heiligen und zu den ewigen Freuden führen.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.

Gütiger Gott
Wir reden Gott schlicht als „gütig“ an. Woher wissen wir denn, dass er „gütig“ ist? Gütig kommt von Gutsein. Gott muss uns Menschen gut sein. Das hat er auch bewiesen, indem er uns seinen Sohn als Erlöser geschenkt hat. Er hat das getan, obwohl er wusste, dass wir Menschen mit seinem Sohn schlecht umgehen würden. Das Gutsein Gottes übersteigt daher alles menschliche Gutsein. Wir Menschen fordern wenigstens die Gerechtigkeit für begangenes Unrecht ein. Gott ist ganz anders und hat anders gehandelt. Er hat seinen eigenen Sohn für das begangene Unrecht des Menschen eingesetzt. Das hat natürlich auch Konsequenzen für das menschliche Leben. Es darf nicht mehr gelten: Auge um Auge und Zahn um Zahn. Das ist zwar alles leichter gesagt als getan. Gottes Gutsein hat dieses böse Leben durchbrochen und geändert. Er hat das Böse, was IHM geschehen ist, für uns Menschen durch den Tod seines Sohnes zum Guten gewendet. Seither gilt auch vor allem für den Christen dieses Gesetz zur Nachahmung. Es gilt nicht mehr: „Zahn um Zahn“, sondern: „Wenn dich einer auf die rechte Wange schlägt, dann halte ihm auch die andere hin“. Das ist im Leben schwer nachzuvollziehen. Nur wenn ein Mensch mit allen Fasern seines Herzens mit Gott lebt, wird er etwas von dieser Güte Gottes in seinem Leben umsetzen können. Das heißt nicht, dass ich das Böse, was mir geschieht, nicht als Böse bezeichnen dürfte. Ich entsinne mich noch an Begegnungen mit Menschen, die immer nur das Gute im Leben und Handeln des anderen sahen, oder das Böse noch in Gutes umwandelten. Ich habe mich geärgert, dass das Böse nicht als Böses gesehen wurde. Heute muss ich wieder daran denken, weil ich von Gott schreibe, der „gütig“ ist, und von dem ich erwarte, dass er immer gütig bleibt, - das hätte ich früher auch begreifen sollen, dann hätte ich anders geurteilt. Er ist der gütige Gott, auch wenn ich andere Wege gehe, als er von mir möchte, oder wenn ich nicht erfülle, was seine Gebote mir vorschreiben. Ich bin erstaunt, was doch so ein kurzes Gebet einem alles sagen kann und einen besseren Weg weist.
Nun bitten wir den „gütigen Gott“, er möge unsere Gaben annehmen. Dieses Annehmen von Seiten Gottes hat wiederum zuerst mit uns Menschen zu tun. Jesus sagt uns in der Heiligen Schrift: „Wenn dein Bruder etwas gegen dich hat, dann lass deine Gabe vor dem Altar und geh, versöhne dich zuerst mit deinem Bruder, dann komm und opfere deine Gabe.“ Dieses Wort hat mir schon oft Schwierigkeiten bereitet. Ich selbst muss versuchen, Frieden zu schaffen und ins Werk zu setzen. Was aber, wenn der Bruder gar nicht zum Frieden bereit ist? Dann kann ich Gott nur meinen guten Willen anbieten. Indem ich dies bedenke, wird mir einsichtig, welche verwandelnde Kraft das Evangelium in sich birgt, wenn danach gelebt wird. Krieg und Feindschaft gäbe es unter uns Menschen nicht mehr. Heute kommt mir ein Wort in den Sinn, das einst Pater Josef, der Leiter unseres Studienheimes, zitiert hat. Er meinte, das Christentum habe in den zweitausend Jahren die menschliche Gesellschaft menschlicher gemacht. Dem widerspricht nicht, dass es immer noch Krieg zwischen den Menschen gibt, oder wie es ein Lied besingt: „Noch ist der Mensch des Menschen Feind.“ Bei alldem ist nicht zu übersehen, dass das Gute, dass die Güte Gottes letztlich immer größer ist als das Böse. Ansonsten wäre die Menschheit längst ausgetilgt. Sie hätte sich selbst vernichtet.
Wir bitten Gott in unserem Gebet, dass seine Kraft in den Gaben wirksam werde, damit sie uns in diesem Leben heilige. Hier kommt unser Lebensziel in den Blick. Was nützte es einem Leben, wenn es auf dieser Erde gut gelebt, jedoch beim Tode in das ewige Verderben stürzte? Ich darf gar nicht an diese Möglichkeit denken. Doch die Heilige Schrift berichtet uns von der Verführung durch Satan. Das ist ernst zu nehmen. Möge der Herr uns alle davor bewahren, hat er doch sein Leben für uns alle hingegeben.