Dreifaltigkeitssonntag
GABENGEBET
Gott, unser Vater,
wir rufen deinen Namen an über Brot und Wein.
Heilige diese Gaben und nimm mit ihnen auch uns an,
damit wir auf ewig dir gehören.

Gott, unser Vater
Es wird gut sein, wenn wir immer noch einmal über unser „Vaterbild“, das wir in uns tragen, nachdenken. Theologisch ist das klar herausgearbeitet. Die Evangelien berichten uns vom Sohn, Jesus Christus, dessen Vater Gott selbst ist. Das war vor allem im Anfang des Zeitalters unseres Glaubens für die Christen nicht leicht zu verstehen. Das heißt, diese Glaubensaussage bleibt immer nur im Glauben zu verstehen. Deshalb ist es nicht verwunderlich, dass es vor allem in den ersten Jahrhunderten nach Christi Geburt zu großen theologischen Auseinandersetzungen kam. Da behauptete zum Beispiel die Lehre des „Monophysitismus“, dass Jesus nur eine Natur hatte, nämlich die göttliche, die dann von Gott benutzt wurde, um die Botschaft von IHM zu den Menschen zu bringen. „Die Eigenständigkeit des Menschlichen wird nicht gesehen. Sie wird vom Göttlichen dominiert oder verschlungen“ (LThK). Andererseits gab es die Lehre, dass Jesus nur eine menschliche Natur gehabt habe. Sie wurde vor allem in der Kirche zu Antiochien gelehrt. - Damals begann die Zeit der Konzilien. Die Bischöfe der einzelnen Regionen kamen unter dem Vorsitz des Bischofs von Rom zusammen, um für den Glauben wichtige Aussagen zu klären. So hat zum Beispiel das Konzil von Nicea, gehalten 325 nach Christus, verbindlich als richtigen Glauben erklärt, dass Jesus ganz Gottes Sohn war und auch ganz Mensch. Es gab einen theologischen Satz, der heißt: Was Jesus nicht angenommen hat, ist auch nicht erlöst. Da aber Jesus Welt und Menschen in allem ganz erlöst hat, musste er ganz Gott und ganz Mensch gewesen sein. Das wurde in der Formel ausgedrückt: Jesus war ganz Mensch und ganz Gott. Als Mensch konnte er leiden wie jeder Mensch. Auf Grund seines göttlichen Lebens konnte er nicht im Tode bleiben. Darum: Je nachdem welche Sicht angesprochen wird, lässt sich sagen: „Jesus ist vom Tode erstanden“. Dann ist seine göttliche Natur angesprochen. Kraft seiner göttlichen Natur, konnte er selbst vom Tode erstehen. So sagt zum Beispiel im Markusevangelium der Engel im Grab zu den Frauen: „Ihr sucht Jesus von Nazareth, den Gekreuzigten. Er ist auferstanden. Er ist nicht hier.“ - Es lässt sich jedoch auch sagen: „Jesus wurde vom Tode auferweckt.“ Der Apostel Paulus schreibt an die Christen zu Korinth: „Er (Christus) ist am dritten Tag auferweckt worden gemäß der Schrift.“ Hier ist die Sicht von seiner menschlichen Natur aus gesehen. Die menschliche Natur hat die Auferstehung des Leibes von Gott Vater geschenkt bekommen. Die Verbindung beider Naturen in einer Person wird mit dem Fremdwort „Hypostatische Union“ bezeichnet.
Doch nun nach der längeren theologischen Klärung, - die als Rechenschaft unseres Glaubens notwendig ist, um nicht einem religiösen Phantasiegebilde das Wort zu reden – wieder zu unserem Text. Gott, unser Vater, wir rufen deinen Namen an über Brot und Wein. Wie oben dargelegt, haben wir Kunde von unserem Vater im Himmel durch Jesus, seinen Sohn. Er hat uns, als er auf Erden lebte, Mut gemacht zu seinem Vater im Himmel zu beten und ihn auch zu bitten. Heute beten wir, dass wir über Brot und Wein seinen Namen anrufen. Wir Menschen von heute sind Menschen vieler Worte. Da kann es sein, dass jemand gar nicht mehr hinhört. So kann es auch sein, dass wir vor Gott viele Worte machen und vielleicht gar nicht erhört werden. In unserem Gebet rufen wir den Namen Gottes über die Gaben an. Den Namen von jemandem aussprechen, heißt von einer Verbundenheit – und wäre sie noch so oberflächlich oder sogar feindlich – sprechen. Im Gebet verbinden wir damit eine ganz besondere Bitte: Heilige diese Gaben und nimm mit ihnen auch uns an, damit wir auf ewig dir gehören. Die Gaben sind Zeichen unseres Lebens – darum, das sei nebenbei bemerkt, möchte ich bei jeder hl.Messe wenigstens ein paar kleine Hostien auf die Opferschale legen als Zeichen für das anwesende Volk Gottes. – Es ist eine gute Bitte. In den Zeichen von Brot und Wein möge Gott unser ganzes Leben annehmen. Wenn Gott uns darin annimmt, bekommt und hat unser Leben Sinn.