GABENGEBET
Herr, unser Gott,
am Fest der Heiligen Familie bringen wir das Opfer der Versöhnung dar.
Höre auf die Fürsprache der jungfräulichen Gottesmutter und des heiligen Josef.
Erhalte unsere Familien in deiner Gnade und in deinem Frieden.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
Herr, unser Gott
Immer und immer wieder reden wir Gott als unseren Herrn an. Ob er denn wirklich, so muss ich fragen, der Herr meines Lebens ist? Ich glaube fest, dass ich einmal vor seinem Angesicht stehen werde. Dann wird sich erweisen, ob ER der Her meines Lebens war, oder ob ich mein Leben nach eigenem Gutdünken gelebt habe. Wer kann und könnte mir heute darauf eine Antwort geben? Gewiss, es gibt die Zehn Gebote! Doch ist darin mein ganzes Leben erfasst? Steht darin, dass ich in den Orden gehen und Priester werden soll. Es muss also noch etwas anderes, gleichsam eine andere, höhere Instanz in meinem Leben gegeben haben und geben. Wir nennen diese Instanz Gewissen. Ich entsinne mich, dass mein Lehrer in der Moraltheologie gesagt hat, dass die Instanz des Gewissens über den Zehn Geboten steht. Das lässt sich zum Beispiel am Tyrannenmord aufzeigen. Das Gewissen sagt: Du darfst nicht töten, doch wenn es um einen Tyrannen geht, wäre es geboten, Schlimmeres zu verhindern. Dieses und andere Beispiele zeigen, dass es gar nicht so einfach ist, mit Gott zu leben. Wir Menschen machen es uns oft nur einfach, vielleicht zu einfach. Das hat gewiss auch darin seinen Grund, dass unser Gott ein unsichtbarer Gott ist. Allerdings stimmt das seit Jesu Geburt nicht mehr ganz; denn in Jesus hat Gott sich geoffenbart oder „offen gelegt“. Er hat uns in Jesus sein Gutsein, seine Vergebung, doch auch sein Gericht kundgetan.
Heute gedenken wir in der Heiligen Messe jenes Ereignisses, dass Gott Mensch geworden ist. Um Mensch zu werden hat er die Familie gewählt. Gottes Sohn wollte, wie jeder andere Mensch, in einer Familie heranwachsen. Gott ist ein Gott der Menschen. Er hat einst in Adam und Eva die Familie gegründet, nun wollte ER sie besonders heiligen durch und in der Geburt seines Sohnes. Durch diese seine Geburt in der Heiligen Familie hat er zugleich allen Familien die Möglichkeit gegeben, an ihr Annteil zu haben. Ich schrieb schon einmal davon, dass in meiner Heimat in der guten Stube ein Bild der Heiligen Familie in der Gebetsecke sich befand. Offensichtlich wollten meine Eltern ihre Familie unter den Schutz der Heiligen Familie stellen. Dies drückt auch unser Gebet aus: " Höre auf die Fürsprache der jungfräulichen Gottesmutter und des heiligen Josef. Erhalte unsere Familien in deiner Gnade und in deinem Frieden. Das Bild in unserer Stube zeigte allerdings Jesus zwischen Maria und Josef. Es scheint, dass Jesus im Gabengebet ausgelassen wurde. Offensichtlich hat die Kirche ihn aber „im Opfer der Versöhnung“ eingeschlossen gesehen; denn das „Opfer der Versöhnung“ ist das Entscheidende. Ohne dieses Geschehen wäre die Heilige Familie für uns wie jede andere Familie. Darum beginnt das Gebet: „am Fest der Heiligen Familie bringen wir das Opfer der Versöhnung dar.“ Das Opfer der Versöhnung ist die eigentliche Gabe, die der Herr den Familien schenkt. Ich entsinne mich so manchen Zwiespaltes, den es in unserer Familie unter uns acht Kindern gab. Traf es sich, dass sich so eine Auseinadersetzung nach dem Besuch der Heiligen Messe ergab, griff meine Mutter ein und sagte: Jetzt haben wir alle gerade das Opfer der Versöhnung in der Heiligen Messe gefeiert, jetzt müssen wir uns auch gegenseitig ertragen. Dies war, so sehe ich es heute, „angewandte Liturgie“. Die Heilige Familie, Maria und Josef, waren dazu ausersehen, unseren Erlöser und Mittler bei Gott, Jesus Christus, für eine Zeit in ihrer Mitte zu haben und mit ihm leben zu dürfen. Sie wissen um das Glück und die Not einer jeden Familie. Darum bittet das Gebet zu Recht, „Gott möge auf die Fürsprache der jungfräulichen Gottesmutter und des heiligen Josef hören“. Sie wissen um Not und Sorgen, die sie selbst hatten und um die Not, die unsere Familien bedrängen. Nun geht das Gebet nicht auf einzelne Nöte der Familien ein, sondern bittet nur allgemein: Erhalte unsere Familien in deiner Gnade und in deinem Frieden. In dem Gebet ist wohl die „Gnade“ das Wichtigste. In der Gnade des Herrn leben zu dürfen, heißt: eingebettet zu sein in das Leben Gottes selbst. Da wir die Gnade nicht verdienen können – wir können nur so leben, dass wir ihrer nicht verlustig gehen, das heißt, so zu leben wie Gott es möchte, – darum betet das Gebet folgerichtig: Gott möge „unsere Familien in seiner Gnade und in seinem Frieden erhalten.“ Das Gebet setzt natürlich voraus, dass die Familien für diese Gnade offen sind. In der Heiligen Familie gab es auch einmal eine Auseinandersetzung, nämlich als der zwölfjährige Jesus im Tempel ohne Wissen der Eltern zurückblieb. Josef und Maria mussten dabei lernen, dass Gott den letzten Anspruch auf das Kind hat und nicht die leiblichen Eltern. Dennoch ging Jesus dann mit seinen Eltern. Hier fällt mir eine Geschichte aus unserer Familie ein. Meine älteste Schwester war zur Stütze des Hauses geworden. Eines Tages wollte sie nicht mehr länger warten, denn sie hatte schon lange den Wunsch, in das Kloster zu gehen. Dagegen gab es Einwände wie zum Beispiel, dass sie auch daheim auf dem Hofe nützlich sein könne. Doch sie hatte einen guten Seelenführer, der ihr sagte, sie brauche keine Rücksicht zu nehmen, sie dürfe ruhig in das Kloster eintreten. Gottes Ruf sei wichtiger! Und sie tat es! Ich bin sicher, dass dadurch die Gnade und der Friede in der Familie gestärkt, nicht geschmälert wurde.- So können und dürfen wir ruhig unsere Familien der Fürbitte der jungfräulichen Gottesmutter und dem heiligen Josef anvertrauen. Mögen sie dafür sorgen, dass die Familien durch die Gnade Gottes in Frieden miteinander leben können und dürfen!
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