GABENGEBET
Allmächtiger Gott,
erfülle die Verheißung deines Sohnes:
Sende uns deinen Geist,
damit er uns in die volle Wahrheit einführt
und uns das Geheimnis dieses Opfers
immer mehr erschließt.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn. Amen.
Allmächtiger Gott, erfülle die Verheißung deines Sohnes: Sende uns deinen Geist.
Lassen sie es mich immer wieder sagen: Ich rechne in meinem Alltag nicht mit dem „allmächtigen Gott“. Es ist für mich schon sonderbar oder erstaunlich, dass ich mein Leben diesem „allmächtigen Gott“ zur Verfügung gestellt habe, jedoch eigentlich mein Leben nicht im Austausch mit ihm lebe. Gewiss, ich habe die Gebote. An sie kann und muss ich mich halten, doch damit ist an sich nicht schon eine personale Verbundenheit ausgedrückt. Ich denke zum Beispiel an die Angestellten, die auf dem Hof meines Vaters gearbeitet haben. Sie haben meinen Vater respektiert, doch bedurfte dies nicht einer besonderen Anerkennung. Sie haben gearbeitet und wurden dafür bezahlt. Mein Vater war für sie kein Übermensch und auch nicht allmächtig. Er war im Letzten einer ihresgleichen. Bei Gott ist dies ganz anders. Gott hat Welt und Menschen geschaffen. Er ist auch der, der mich im Mutterschoß gebildet hat. Und das nicht nur mich, sondern seit es Menschen gibt, ist er als Schöpfer des Menschen am Werk. In dieser Wirklichkeit, das sei nebenbei erwähnt, liegt auch der Grund, warum unsere Kirche gegen Abtreibung des Kindes im Mutterschoß ist. Für uns Menschen ist dies alles im Glauben an diesen allmächtigen Gott Lebensgrund und Lebenshaltung. Wer nicht an Gott glaubt, lebt nicht in Verantwortung vor Gott, jedoch, so sagt die Theologie, gilt für jeden Menschen, nicht nur für den Christen, das Naturgesetz. Dieses sei für jeden Menschen erkennbar. In der Erfüllung des Naturgesetzes dient der Mensch auch dem „allmächtigen Gott“. Doch hören wir, was unser Gebet weiter betet: Erfülle die Verheißung deines Sohnes. Sende uns deinen Geist, damit er uns in die volle Wahrheit einführt. Jesus hatte vor seiner Heimkehr zu seinem Vater im Himmel den Aposteln gesagt: „Ihr werdet die Kraft des Heiligen Geistes empfangen, der auf euch herabkommen wird, und ihr werdet meine Zeugen sein in Jerusalem und in ganz Judäa und Samarien und bis an die Grenzen der Erde.“ Die Kraft des Heiligen Geistes ist den Jüngern verheißen und geschenkt worden. Dieser Heilige Geist hat ihnen die Kraft, die Fähigkeit und die Erkenntnis geschenkt, die sie brauchten, um das Wort und das Leben ihres Meisters Jesus Christus richtig und glaubwürdig zu verkünden. Der Heilige Geist, so sagte ein Professor der Theologie, ist der „Interpret Gottes“. Wir kennen das Wort „interpretieren“, das will besagen, dass ich die Wirklichkeit einer Sache, die nicht schon von selbst einsichtig ist, richtig auslege und erkläre. Nun ist Gott und die Botschaft von ihm vom Menschen her nicht zu verstehen; denn Gott ist nicht von dieser Welt. Darum ist auch die Botschaft von ihm nicht einfach mit dem Verstand zu erfassen. Es bedarf dazu einer Gabe, die von Gott selbst kommt, und diese Gabe ist der Heilige Geist. Alles, was an Leben von Gott zum Menschen gekommen ist (wir beten zum Beispiel: „Maria empfing vom Heiligen Geist“); aller Glaube an Gott und Erkenntnis Gottes ist Gabe des Heiligen Geistes. In meiner Jugendzeit hielt unser Dorfpfarrer jeden Sonntag eine Predigt. Zuvor betete er immer ein Gebet zum Heiligen Geist. Ich habe mich später als Priester daran erinnert und wollte es genau so tun. Doch es blieb beim „guten Willen“. Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nicht mehr“, heißt das Sprichwort. Es ist an sich traurig. Vielleicht fällt manches Predigtwort beim Hörer nicht ins Herz und hat keine Wirkung, weil der Verkünder sich selbst darstellt und nicht im Heiligen Geist verkündet. – So ist es gut, dass die Kirche jedes Jahr einmal das Pfingstfest feiert. Es kann uns daran erinnern, dass es in der Gemeinde, der Kirche Gottes, nicht zuerst auf unser menschliches Wissen und unsere Klugheit ankommt, sondern auf das Walten des Heiligen Geistes, wobei der Heilige Geist durchaus menschliche Fähigkeiten, wie zum Beispiel Klugheit und Intelligenz, für sich dienstbar machen kann. Ich entsinne mich wieder einer Frage, die als Schüler unserem Pater Josef gestellt habe: „Warum nur Priester mit besonderer Intelligenz zum Beispiel Bischof würden?“ Letztlich gibt es darauf keine Antwort, denn die Apostel hatten auch nicht studiert. Und ein Pfarrer von Ars ist Patron der Priester, obwohl er kaum das Studium geschafft hatte. – Verlassen wir uns auf den Heiligen Geist. Er ist unser Lehrer, Beistand und Fürbitter beim Vater im Himmel.
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