Römerbrief 10,8-13
Schwestern und Brüder! Was sagt die Schrift? Das Wort ist dir nahe, es ist in deinem Mund und in deinem Herzen. Gemeint ist das Wort des Glaubens, das wir verkündigen; denn wenn du mit deinem Mund bekennst: «Jesus ist der Herr» und in deinem Herzen glaubst: «Gott hat ihn von den Toten auferweckt», so wirst du gerettet werden.
Wer mit dem Herzen glaubt und mit dem Mund bekennt, wird Gerechtigkeit und Heil erlangen. Denn die Schrift sagt: Wer an ihn glaubt, wird nicht zugrunde gehen. Darin gibt es keinen Unterschied zwischen Juden und Griechen. Alle haben denselben Herrn; aus seinem Reichtum beschenkt er alle, die ihn anrufen. Denn jeder, der den Namen des Herrn anruft, wird gerettet werden.
Das Wort ist dir nahe, es ist in deinem Mund und in deinem Herzen.
In der österlichen Bußzeit ist die zweite Lesung aus verschiedenen Briefen des Neuen Testamentes ausgewählt. Heute haben wir einen Text aus dem Römerbrief. In den Erklärungen, die ich dazu studiert habe, fand ich den Hinweis, dass wir die Vergangenheit des Apostels Paulus als gesetzestreuen Juden mit sehen müssen. Die gesetzestreuen Juden gab es auch in Rom. Sie erwarteten ihr ewiges Heil und die Rettung durch die Befolgung der Gesetze des Mose. Sie sprechen von „Gesetzesgerechtigkeit“. Für diese hat Paulus vor seiner Bekehrung gelebt und sie hat er gepredigt. Um ihretwillen hat er die Christen verfolgt. Er sah im christlichen Glauben eine Gefahr für die Gesetzesgerechtigkeit. Nachdem der erhöhte Herr ihm erschienen war, wurde Paulus zum Verkünder der „Glaubensgerechtigkeit“. Von dieser Glaubensgerechtigkeit spricht der Text, den wir heute haben.
Das Wort ist dir nahe, es ist in deinem Mund und in deinem Herzen. Der Apostel Paulus kannte die Heilige Schrift des Alten Testamentes. Dort sagt Mose, „das Gebot, auf das ich dich heute verpflichte...ist nicht fern von dir...Das Wort ist ganz nah bei dir, es ist in deinem Mund und in deinem Herzen.“ Mose sagt dies im Hinblick auf die Gesetze. Für Paulus hat sich das Alte Testament in Jesus Christus „erfüllt“. Alles, was dort verheißen wird, geht in Jesus Christus in Erfüllung. Darum bezieht der Apostel das Wort auf Christus. So ist für Paulus nicht mehr das Wort vom Gesetz dem Menschen nahe und im Herzen, sondern das Wort vom erhöhten Herrn, von Jesus Christus. Darum kann der Apostel schreiben: Gemeint ist das Wort des Glaubens, das wir verkündigen. Die Botschaft vom Leben, Sterben und der Auferstehung des Herrn wird verkündet. Dieses Wort ist das Wort des Glaubens, das das Leben des Herrn in sich birgt. Es ist kein leeres Wort. Im Glauben können wir das Leben des Herrn, das dieses Wort enthält, in uns aufnehmen. Wir kennen aus dem täglichen Leben Worte, die uns Leben verheißen oder schenken. Gute Worte bauen auf, böse Worte nehmen uns das Leben. Es gibt auch Worte, die zuerst Leben verheißen, die jedoch vergänglich sind. So hat schon manch einer dem anderen Worte der Liebe geschenkt und ihm die Liebe versprochen, doch sie waren nicht auf Dauer. Anders verhält es sich mit dem Wort des Herrn. Paulus schreibt: Wenn du mit deinem Mund bekennst: «Jesus ist der Herr» und in deinem Herzen glaubst: «Gott hat ihn von den Toten auferweckt», so wirst du gerettet werden. Das Wort des Glaubens hat die Kraft, uns auf immer zu retten. „Als Wort des Glaubens bestimmt es den ganzen Menschen: Dieser trägt es im Herzen und führt es im Mund. Es schenkt uns die Gewissheit, zum Herrn zu gehören und damit in die endgültige Aussicht von Heil und Leben gestellt worden zu sein“ (M.Theobald). Wer mit dem Herzen glaubt und mit dem Mund bekennt, wird Gerechtigkeit und Heil erlangen, schreibt der Apostel weiter. „Mit dem Herzen glauben“ muss anders sein als nur mit dem Verstand und Willen. Ich frage mich, wie wir mit dem Herzen glauben können. Wie haben wir den Glauben kennen gelernt? Ging das nicht doch zumeist über den Verstand? In der Schule habe ich die Gebote Gottes gelernt. Im Studium konnte ich die Lehre über Kirche, Jesus Christus und Gott studieren. Selbst das Evangelium wurde wissenschaftlich gelehrt. Und so frage ich mich, woher ich den Glauben habe. Er muss mir gleichsam zwischen all dieser Verstandesarbeit geschenkt worden sein. Das Wort, das mir von Jesus in meiner Kindheit erzählt wurde, das Leben derer, die mich in meinem Leben begleitet oder geformt haben, (dazu gehören gewiss auch die Lehrerinnen und Lehrer), und dass ich mich selbst im Gebet dieser Botschaft des Glaubens geöffnet habe und vielleicht noch vieles andere mehr, all das hat mir den Glauben geschenkt. Doch letztlich wird er von Gott selbst geschenkt. Gott wirkt jedoch durch die Menschen. Er wirkt von Herz zu Herz. Wo immer wir von unserem Herzen etwas weiterschenken, kann der andere Mensch sein Herz damit füllen. „Und wovon das Herz voll ist, des läuft der Mund über,“ sagt ein Sprichwort. Wenn mein Herz vom Leben des Herrn erfüllt ist, kann ich mit dem Mund bekennen: "Jesus ist der Herr.“ Und wer mit dem Herzen glaubt und mit dem Mund bekennt, wird Gerechtigkeit und Heil erlangen, sagt der Apostel. Paulus hat mit dieser Aussage alle Menschen im Blick. Jesus ist für alle Menschen gestorben. Wer an ihn glaubt, wird nicht zugrunde gehen. Darin gibt es keinen Unterschied zwischen Juden und Griechen. Da für den Apostel die Gerechtigkeit zum ewigen Heil aus dem Glauben kommt, nicht aus dem Einhalten der Gesetze des Mose, kann er alle Trennung zwischen Heiden und Juden für nichtig erklären. Er sieht dies wiederum schon im Alten Testament angesagt. Es heißt beim Propheten Jesaia: „Wer glaubt, braucht nicht zu verzagen.“ Alle haben denselben Herrn; aus seinem Reichtum beschenkt er alle, die ihn anrufen. Denn jeder, der den Namen des Herrn anruft, wird gerettet werden. Da wir zu den „Heiden“ gehören, ist dies wirklich ein „Evangelium“, eine tröstliche „Frohe Botschaft“ für uns. Wir haben im Glauben Zugang zum „Reichtum des Herrn“. Dieser „Reichtum“ kann auch schon in diesem Leben erfahren werden. Je mehr wir mit dem „Herzen glauben“, um so eher wird uns dies zuteil werden können. Dem Apostel geht es aber letztlich um die Rettung für das ewige Leben. Wir dürfen „den Namen des Herrn anrufen“, um so ewiges Heil und Rettung durch den Tod hindurch zu erlangen. Rufen wir darum den Herrn mit großem Vertrauen an!
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