2. Sonntag der Adventszeit "C"
Philipperbrief 1,4-6.8-11
Schwestern und Brüder!
Immer, wenn ich für euch alle bete, tue ich es mit Freude und danke Gott dafür, daß ihr euch gemeinsam für das Evangelium eingesetzt habt vom ersten Tag an bis jetzt. Ich vertraue darauf, daß er, der bei euch das gute Werk begonnen hat, es auch vollenden wird bis zum Tag Christi Jesu. Gott ist mein Zeuge, wie ich mich nach euch allen sehne mit der herzlichen Liebe, die Christus Jesus zu euch hat. Und ich bete darum, daß eure Liebe immer noch reicher an Einsicht und Verständnis wird, damit ihr beurteilen könnt, worauf es ankommt. Dann werdet ihr rein und ohne Tadel sein für den Tag Christi, reich an der Frucht der Gerechtigkeit, die Jesus Christus gibt, zur Ehre und zum Lob Gottes.

Dass er es vollenden wird bis zum Tag Christi Jesu.
Heute hören wir ein Wort aus dem Brief, den der Apostels Paulus an seine Christen zu Philippi geschrieben hat. Dieses Wort wurde offensichtlich ausgewählt, weil es vom „Tag Christi Jesu“ spricht. Die Adventszeit soll uns in die Zukunft ausschauen lassen. Unser Leben geht dem Herrn entgegen. Kein Mensch kann dem Herrn entfliehen, und darum ist es wichtig, die Begegnung, die dann mit dem Herrn geschieht, hier und heute vor Augen zu haben. Das schmälert unseren Einsatz für diese Welt und dieses Leben nicht. Im Gegenteil: es kann unser Leben anspornen und ihm Kraft verleihen.
Der Apostel betet für seine Christen in Philippi. Er hat sie im Glauben für das Reich Gottes gezeugt. Er kennt sie alle und weiß sich ihnen im Gebet verbunden. Das Gebet ist auch heute der Schlüssel für jede Seelsorge. Ob wir Priester uns dessen bewusst sind? Ich meine, durch den Priestermangel bedingt, werden wir immer mehr dazu gedrängt, unsere Gemeinden zu verwalten. Dazu kommt, dass die Gemeinden zu groß sind, um persönlichen Kontakt zu pflegen. Gewiss können wir Priester auch für unsere Christen beten, wenn wir sie nicht kennen. Wenn jedoch persönlicher Kontakt vorhanden ist, fällt es uns leichter. Ich habe eine gewisse Zeit immer für alle gebetet, die ich getauft habe. Es waren sehr viele. Ich muss gestehen, eines Tages dachte ich nicht mehr daran. Anders ist es mit all denen, die einmal mit nach Assisi gefahren sind. Zu ihnen ist mehr Kontakt entstanden. Sie vergesse ich keinen Tag. Assisi waren Tage gemeinsamen Betens, Tage der Freude im Miteinander.
So schreibt auch der Apostel Paulus: Immer, wenn ich für euch alle bete, tue ich es mit Freude und danke Gott dafür, daß ihr euch gemeinsam für das Evangelium eingesetzt habt vom ersten Tag an bis jetzt. Der Apostel hat offensichtlich Freude mit den Christen zu Philippi erlebt, und er erlebt sie immer noch; denn sie setzen sich gemeinsam für das Evangelium ein. Gemeinsamkeit ist heute gefragt in den Gemeinden und Gemeinschaften. Heute wird von einer „Streitkultur“ gesprochen. Doch Streit entzweit immer. Die Gemeinde zu Philippi bedurfte dieser „Streitkultur“ nicht. Sie hatte ein gemeinsames Ziel: die Ausbreitung des Evangeliums. Der Blick nach vorne, dem Herrn entgegen, könnte uns neuer Ansporn sein. Es geht um sein Evangelium, das die Menschen erreichen soll. Dies soll nicht heißen, dass wir mit Gewalt missionieren müssten. Es könnte jedoch sein, dass wir gleichsam über uns hinauswachsen, wenn wir das Ziel im Auge haben: Der Herr wird kommen und fragen, was wir für ihn getan haben. Der Apostel dankt Gott, dem Vater, für den Einsatz seiner Christen. Ich muss an die Jahre zurückdenken, in denen ich als Kaplan oder Pfarrer gearbeitet habe. Ich habe viel Hilfe erlebt in den Gemeinden, vielleicht aber Gott zu wenig dafür gedankt, vor allem für die Menschen, die sich das Anliegen des Gottesreiches zu eigen gemacht haben. Vielleicht hat mir auch das Schwere, das keinem in solcher Aufgabe erspart bleibt, den Blick für das Gute verstellt. Jedenfalls möchte ich heute für alle Menschen, für die ich einmal vor Gott da sein durfte, beten, und tue es auch mit Dank und Freude; denn es war insgesamt gut.

Ich vertraue darauf, daß er, der bei euch das gute Werk begonnen hat, es auch vollenden wird bis zum Tag Christi Jesu.
Der Apostel Paulus vertraut darauf, dass der Herr das Werk vollenden wird. Auch wenn der Herr noch nicht wiedergekommen ist, vollendet er sein Werk und wird es weiter vollenden bis zu dem Tag, an dem er kommt. Bis dahin vollendet er in jedem Menschen, besonders in jedem Christen sein Werk. Das Vertrauen darauf schöpft der Apostel aus dem Gebet. Nicht er muss das Werk vollenden, sondern der Herr wird es tun. Wir können dies Demut nennen. Jesus erzählte einst die Geschichte vom Pharisäer und vom Zöllner. Hätte der Pharisäer all sein Tun Gott zugeschrieben und nicht sich selbst, wäre auch er gerechtfertigt nach Hause gegangen. Wir Menschen werden meist stolz, wenn uns etwas gelingt. Zwar brauchen wir einerseits Anerkennung, um ein gutes Selbstwertgefühl zu bekommen, andererseits soll uns dieses Selbstwertgefühl vor Gott nicht stolz machen. Dabei kann uns die Beziehung zu Gott helfen; denn je mehr wir die Größe Gottes und seine Liebe erkennen, um so eher werden wir unser Kleinsein erfahren und annehmen.
Eine solche Beziehung mündet immer im Gebet. Der Apostel hat diese Beziehung erfahren. Er wurde dadurch zum betenden Menschen Ich bete darum, daß eure Liebe immer noch reicher an Einsicht und Verständnis wird, damit ihr beurteilen könnt, worauf es ankommt. Dann werdet ihr rein und ohne Tadel sein für den Tag Christi, reich an der Frucht der Gerechtigkeit, die Jesus Christus gibt, zur Ehre und zum Lob Gottes. Wachstum in der Liebe erbittet Paulus für seine Christen. Oft versuchen wir, Schwierigkeiten menschlich diesseitig zu lösen. Das ist sicher eine Möglichkeit, doch sollten wir das Wachstum in der Liebe Jesu Christi nicht vergessen. Sie schenkt noch tiefere Einsicht und Erkenntnis als nur menschliche Liebe und vor allem die Kraft zur Frucht der Gerechtigkeit, die Jesus Christus gibt. Was mit der Frucht der Gerechtigkeit gemeint ist, können wir im Leben der Heiligen betrachten. Sie, die viel gewirkt, würden uns sagen: das hat der Herr getan. So wurde ihr Leben und Wirken zum Lobe Gottes. Möge auch unser Leben zum Lobe Gottes sein und in der Beziehung zu IHM in der Liebe immer mehr wachsen.