Philipper 3,17-4,1
Ahmt auch ihr mich nach, Schwestern und Brüder, und achtet auf jene, die nach dem Vorbild leben, das ihr an uns habt. Denn viele - von denen ich oft zu euch gesprochen habe, doch jetzt unter Tränen spreche - leben als Feinde des Kreuzes Christi. Ihr Ende ist das Verderben, ihr Gott der Bauch; ihr Ruhm besteht in ihrer Schande; Irdisches haben sie im Sinn.
Unsere Heimat aber ist im Himmel. Von dorther erwarten wir auch Jesus Christus, den Herrn, als Retter, der unseren armseligen Leib verwandeln wird in die Gestalt seines verherrlichten Leibes, in der Kraft, mit der er sich alles unterwerfen kann. Darum, meine geliebten Brüder, nach denen ich mich sehne, meine Freude und mein Ehrenkranz, steht fest in der Gemeinschaft mit dem Herrn, liebe Brüder und Schwestern.
Unsere Heimat aber ist im Himmel.
Heute am zweiten Fastensonntag hören wir ein Wort aus dem Brief des Apostels Paulus, den er an seine Christen zu Philippi in Mazedonien geschrieben hat. Diese Gemeinde hat er auf seiner zweiten Missionsreise gegründet. Im 16. Kapitel der Apostelgeschichte ist ein interessanter Bericht: Paulus geht mit Silas zur Gebetsstätte an den Fluss vor der Stadt. Dort treffen sie Frauen, unter ihnen die Purpurhändlerin Lydia, die den Apostel und Silas nach ihrer Taufe in ihr Haus aufnimmt. Weil der Apostel einer Wahrsagerin den Wahrsagegeist austreibt und ihr Herr dadurch nichts mehr verdient, werden sie auf dem Marktplatz ausgepeitscht und eingesperrt. Freigelassen, fordert Paulus, dass die Stadtrichter selbst kommen, Abbitte leisten und sie zur Stadt hinaus geleiten.
Kehren wir zu unserem Text zurück. Vielleicht ist er um des Wortes willen: „Unsere Heimat ist im Himmel“ für die österliche Bußzeit ausgewählt worden. Fasten und Umkehr bedürfen einer richtigen Motivation. Der „Himmel“ kann uns locken, ihn erstreben wir als unsere ewige Zukunft. Paulus hat diesen „Himmel“ schon erlebt und erfahren. Der erhöhte Herr hat ihm einen Einblick in das neue verklärte Leben geschenkt. Wenn Paulus davon schreibt, sagt er, dass es keine Worte gibt, um diese Erfahrung ausdrücken zu können. Die Begegnung mit dem erhöhten Herrn, Jesus Christus, hat ihn so umgewandelt, dass er fortan nichts anderes kennen wollte als den Herrn. Er konnte von sich sagen: „Nicht mehr ich lebe, sondern Christus lebt in mir.“ Dadurch wurde er zum „Nachahmer des Herrn“. Seine Christen hatten nicht die gleiche Begegnung mit Christus, sie sind ihm, dem Apostel Paulus begegnet, darum konnte er ihnen sagen: Ahmt auch ihr mich nach, Schwestern und Brüder, und achtet auf jene, die nach dem Vorbild leben, das ihr an uns habt. Es lohnt sich, hier ein wenig über Vorbild und Nachahmung nachzudenken. Wir erwachsenen Menschen vergessen meist, dass wir unser Leben zuerst nach Vorbildern ausgerichtet haben, dies vor allem in den ersten Lebensjahren. Doch auch später wählen wir unter den Menschen aus. Ich entsinne mich an meine Jahre am Abendgymnasium. Die Freunde, die ich zuerst hatte, besagten mir später nichts mehr, ich hatte mir andere gesucht, die mir mehr entsprachen und die, wie ich glaubte, ihr Leben ernster nahmen. So ist es auch mit der Weitergabe unseres Glaubens. Wenn Gott kein besonderes Wunder wirkt, übernehmen wir unseren Glauben zuerst von den Eltern und Verwandten. Je selbstverständlicher und unauffälliger die Eltern den Glauben vorleben, um so eher wird er von den Kindern übernommen. Wir alle sind in unserem Leben, ohne es zu wissen, „Nachahmer“. Das heißt auch, dass andere wieder unsere „Nachahmer“ sind. Hier liegt unsere Verantwortung füreinander. Im Beispiel ausgedrückt: Ein gesunder Apfel kann keinen anderen krank machen, dagegen steckt ein fauler Apfel andere an. Zurück zum Text. Paulus wusste sein Leben so vom Herrn erfüllt, dass er sagen konnte, die Christen sollen ihn nachahmen, und nicht nur ihn, sondern alle, die nach seinem Vorbild leben. Ich muss nochmals auf das Vorbild zurückkommen. Oma und Opa sind oft gute Vorbilder im Glauben. Wenn die mit den Enkelkindern in die Kirche kommen und sich mit dem Weihwasser bekreuzigen, möchte auch das Enkelkind das gleiche tun. Oder wenn die Oma eine Kniebeuge macht, möchte auch das Kleine eine machen, selbst wenn es dabei fast unter die Bank fällt. Hier könnte ich auch die sogenannte Frühkommunion anführen. Wenn Kinder mit ihren Eltern zur heiligen Messe kommen, sollten sie nicht nur Zuschauer beim Empfang der heiligen Kommunion sein. Sie möchten auch das, was die Eltern bekommen. Es ist ihnen doch gut zu erklären, dass sie Jesus geschenkt bekommen. Warum sollten sie Jesus nicht geschenkt bekommen?
Wir hören heute jedoch noch andere Gedanken des Apostels Paulus. Viele - von denen ich oft zu euch gesprochen habe, doch jetzt unter Tränen spreche - leben als Feinde des Kreuzes Christi. Ihr Ende ist das Verderben, ihr Gott der Bauch; ihr Ruhm besteht in ihrer Schande; Irdisches haben sie im Sinn. Unsere Heimat aber ist im Himmel. Es gab offensichtlich Christen, die schon ein „himmlisches Leben“ auf dieser Erde führen wollten, dabei aber recht „irdisch“ lebten. Sie taten so, als ob es das „Kreuz“ nicht gäbe. Vor diesen „Vorbildern“ warnt der Apostel. Der Herr hat am Kreuz gelitten und uns durch seinen Kreuzestod erlöst. Darum steht auch jedes Leben eines Christen unter diesem Zeichen. Durch die Taufe sind wir Christen hineingenommen in den Tod und die Auferstehung des Herrn. Das bedeutet, dass wir erst den „Kreuzweg“ mit dem Herrn gehen müssen, um in die „Heimat“, die der Himmel ist, zu kommen. Wir brauchen das „Kreuz“ nicht zu suchen und uns keine besonderen Kreuze aufzuerlegen. Wenn wir unseren Alltag und unsere Krankheiten mit dem Herrn verbinden und tragen, so wird uns dieser Lebensweg zum Heil. Jenseits des Todes erwartet uns der „Himmel“. Von dorther erwarten wir auch Jesus Christus, den Herrn, als Retter, der unseren armseligen Leib verwandeln wird in die Gestalt seines verherrlichten Leibes, in der Kraft, mit der er sich alles unterwerfen kann. Paulus hat den verherrlichten Leib des Herrn schauen dürfen. Ihm wird sein Leib, das ist sein fester Glaube, gleichgestaltet. Nicht nur die Seele geht in die Herrlichkeit ein, sondern der ganze Mensch. In dieser Hoffnung, will der Apostel uns auch heute ermahnen: Steht fest in der Gemeinschaft mit dem Herrn, liebe Brüder und Schwestern, denn unsere Heimat ist im Himmel.
|