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2. Sonntag in der Weihnachtszeit
Epheserbrief 1,3-6.15-18
Gepriesen sei der Gott und Vater unseres Herrn Jesus Christus: Er hat uns mit allem Segen seines Geistes gesegnet durch unsere Gemeinschaft mit Christus im Himmel. Denn in ihm hat er uns erwählt vor der Er-schaffung der Welt, damit wir heilig und untadelig le-ben vor Gott; er hat uns aus Liebe im voraus dazu be-stimmt, seine Söhne zu werden durch Jesus Christus und nach seinem gnädigen Willen zu ihm zu gelangen, zum Lob seiner herrlichen Gnade. Er hat sie uns ge-schenkt in seinem geliebten Sohn.
Darum höre ich nicht auf, für euch zu danken, wenn ich in meinen Gebeten an euch denke; denn ich habe von eurem Glauben an Jesus, den Herrn, und von eurer Liebe zu allen Heiligen gehört. Der Gott Jesu Christi, unseres Herrn, der Vater der Herrlichkeit, gebe euch den Geist der Weisheit und Offenbarung, damit ihr ihn erkennt. Er erleuchte die Augen eures Herzens, damit ihr versteht, zu welcher Hoffnung ihr durch ihn berufen seid, welchen Reichtum die Herrlichkeit seines Erbes den Heiligen schenkt.
Gepriesen sei der Gott und Vater unseres Herrn Jesus Christus
Ich stelle fest, dass es leichter war, über die Evangelien zu schreiben, dennoch möchte ich nicht aufgeben und versuchen, uns die Lesungen mehr zu eigen zu machen.
Heute hören wir zu Beginn einen Lobpreis an Gott Vater. Gepriesen sei der Gott und Vater unseres Herrn Jesus Christus. In diesem Lobpreis ist eine wesentliche Aussage unseres Glaubens ausgedrückt. Wir glauben an Gott, der Vater ist. Zuerst ist er der Vater seines Sohnes, Jesus Christus, und durch Jesus dann auch unser Vater. Je älter ich werde, um so schwerer wird der Glaube. Ich kann immer mehr verstehen, dass Menschen fragen, wo denn dieser unser Vater bei all dem Unrecht auf dieser Erde ist. Es gibt dann immer nur eine Antwort für mich: Er hat seinen eigenen Sohn diesem Unrecht, diesem Töten ausgeliefert. Er hätte die Macht gehabt, ihn davor zu bewahren. Doch gerade dadurch, dass er ihn nicht davon befreite, so sagt uns die Heilige Schrift, hat sein Sohn uns erlöst. Durch seinen Sohn haben wir Gemeinschaft mit Gott Vater. Er hat uns mit allem Segen seines Geistes gesegnet durch unsere Gemeinschaft mit Christus im Himmel. In dieser Gemeinschaft mit Christus und durch Christus mit dem Vater haben wir Anteil am göttlichen Leben. Dies ist der Segen, der uns im Heiligen Geist zuteil geworden ist.
Es ist uns nicht nur ein wenig Segen geschenkt worden, sondern aller Segen seines Geistes. Der Verfasser des Epheserbriefes hat eine im Glauben tiefe Erkenntnis christlichen Lebens, jedenfalls insofern er es von Gott her sieht. Aus dieser Sicht ist auch zu verstehen, dass er schreiben kann: Denn in ihm hat er uns erwählt vor der Erschaffung der Welt. Der Verfasser bedenkt die Ewigkeit Gottes. Da Gott ewig ist und keine Zeit kennt, keinen Anfang und kein Ende hat, ist die Erwählung von Ewigkeit her. Gott kennt von Ewigkeit her jeden von uns. Die Erwählung zu einem christlichen Leben ist in Gott seit Ewigkeit gegenwärtig. Er hat uns aus Liebe im voraus dazu bestimmt, seine Söhne zu werden durch Jesus Christus und nach seinem gnädigen Willen zu ihm zu gelangen. Er weiß von Ewigkeit her, wer an seinen Sohn glauben wird und wer ihn ablehnt, wer durch Jesus Christus zu seinem Sohn wird.
Wenn es heißt, dass Gott dies im voraus bestimmt hat, will der Verfasser nicht sagen, dass Gott welche ausschließen möchte, sondern er sagt, dass alle, die die Botschaft von Jesus Christus annehmen, diese Gnade vom Vater im Himmel haben. Er hat sie mit seiner Liebe an sich gezogen und diese haben sich ziehen lassen.
Gott ist der Vater aller Menschen. Er liebt alle. Es liegt in der Freiheit des Menschen, ob er auf diese Liebe, die uns in Jesus Christus geschenkt wird, eingeht. Der Mensch, der darauf eingeht, darf allerdings nicht stolz werden, denn er hat alle Gnade, auch die Möglichkeit Christ zu werden, von Gott. Diese Erwählung verpflichtet den Christen. In ihm, so schreibt der Verfasser, hat er uns erwählt vor der Erschaffung der Welt, damit wir heilig und untadelig leben vor Gott.
Mit diesem Leben als Christ haben wir aber oft unsere Not. Wir wissen mitunter gar nicht, was unser Vater im Himmel von uns möchte. Er hat in seinem Sohn Jesus Christus zu uns gesprochen. Dies ist uns überliefert in der Heiligen Schrift. Doch wer kann von sich sagen, dass er die Heilige Schrift kennt.
Ich entsinne mich, dass ich nach meinen ersten Exerzitien mit 25 Jahren eine kleine Heilige Schrift gekauft und abends darin gelesen habe. Doch verstanden habe ich wenig. Zudem brachte das Lesen in der Heiligen Schrift mir ein Lächeln meiner Umwelt ein. Wir lernen meist als Kind die Zehn Gebote und versuchen mehr oder weniger danach zu leben. Doch das allein ist kein Leben, das in einer Beziehung mit dem Herrn und mit Gott Vater lebt. Da wundert nicht, dass wir Christen von unserer Umwelt kritisch betrachtet werden. Wenn unser Leben nichts von der Liebe Gottes ausstrahlt, können die Menschen auch nichts von der Erwählung seit Ewigkeit her erkennen. Wahrscheinlich haben wir alle schon den Vorwurf gehört: "Die jeden Tag in die Kirche gehen, sind schlimmer als alle anderen." Wenn dieser Vorwurf zutrifft, dient unser Leben nicht zum Lobpreis Gottes, was in Wirklichkeit sein sollte. Der Verfasser schreibt, dass wir nach seinem gnädigen Willen zu ihm gelangen sollen, zum Lob seiner herrlichen Gnade. Das mag uns Ansporn sein, die Erwählung durch Jesus Christus ernst zu nehmen und ihr in unserem Leben Ausdruck zu geben.
Wenn wir auch alle geprägt sind von unserer Familie und negative Erlebnisse uns zu schaffen machen, kann uns doch im Leben und durch das Leben mit dem Herrn ein Gutsein gelingen. Dabei können wir einander helfen durch unser Gebet. Der Verfasser des Briefes dankt Gott, dem Vater, dass die Christen zu Ephesus den Glauben an Jesus, den Herrn, angenommen haben und dass sie sich untereinander in Liebe zugetan sind. In unseren heutigen großen Gemeindeverbänden wird diese gegenseitige Liebe nicht mehr so sichtbar, doch auch heute wird viel Gutes getan. Dafür sollten wir Gott, dem Vater danken.
Allerdings weiß der Verfasser auch, dass die Christen mit ihrem Leben nie zu Ende kommen, nie fertig sind. Darum wünscht er ihnen: Der Gott Jesu Christi, unseres Herrn, der Vater der Herrlichkeit, gebe euch den Geist der Weisheit und Offenbarung, damit ihr ihn erkennt. Er erleuchte die Augen eures Herzens, damit ihr versteht, zu welcher Hoffnung ihr durch ihn berufen seid, welchen Reichtum die Herrlichkeit seines Erbes den Heiligen schenkt.
Dies wünsche ich mir und jedem, der diese Worte liest. Möge es der Herr uns allen schenken!
P. Wendelin Reisch ofm
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