2. Sonntag der Osterzeit "C"
Offenbarung 1,9-11a.12-13.17-19
Ich, euer Bruder Johannes, der wie ihr bedrängt ist, der mit euch an der Königsherrschaft teilhat und mit euch in Jesus standhaft ausharrt, ich war auf der Insel Patmos um des Wortes Gottes willen und des Zeugnisses für Jesus. Am Tag des Herrn wurde ich vom Geist ergriffen und hörte hinter mir eine Stimme, laut wie eine Posaune. Sie sprach: Schreib das, was du siehst, in ein Buch, und schick es an die sieben Gemeinden in Kleinasien. Da wandte ich mich um, weil ich sehen wollte, wer zu mir sprach. Als ich mich umwandte, sah ich sieben goldene Leuchter und mitten unter den Leuchtern einen, der wie ein Mensch aussah; er war bekleidet mit einem Gewand, das bis auf die Füße reichte, und um die Brust trug er einen Gürtel aus Gold. Als ich ihn sah, fiel ich wie tot vor seinen Füßen nieder. Er aber legte seine rechte Hand auf mich und sagte: Fürchte dich nicht! Ich bin der Erste und der Letzte und der Lebendige. Ich war tot, doch nun lebe ich in alle Ewigkeit, und ich habe die Schlüssel zum Tod und zur Unterwelt. Schreib auf, was du gesehen hast: was ist und was danach geschehen wird.

Ich, euer Bruder Johannes, der mit euch in Jesus standhaft ausharrt.
Das Evangelium des heutigen Sonntags berichtet von der Begegnung des auferstandenen Herrn mit den Aposteln. Er kommt durch verschlossene Türen herein, und, nachdem er ihnen im Gruß den Frieden zugesagt hat, schenkt er ihnen den Heiligen Geist. Der Herr rüstet seine Jünger mit der Kraft von oben aus. Fortan sollen sie seine Botschaft und sein Leben zu den Menschen tragen. Jesus hatte selbst den Widerstand erfahren. Er ist für seine Botschaft in den Tod gegangen und hat die Menschen gerade dadurch erlöst. Wer immer sich seine Botschaft und sein Leben zu eigen macht, muss mit dem gleichen Schicksal rechnen. Das haben die Christen zu allen Zeiten erfahren. Die sogenannte „Offenbarung des Johannes“ möchte die Christen stärken, damit sie dem Herrn treu bleiben, wenn sie in Bedrängnis geraten.
Wenn wir hören „Offenbarung des Johannes“, denken wir gleich an den Apostel Johannes. Doch ist dieser nicht der Verfasser. Es ist ein „Johannes“ der späteren Generation. Er bezeichnet sich als Bruder Johannes. Er erleidet die gleiche Bedrängnis wie die Christen, denen er schreibt. Doch ist diese Bedrängnis nur vorübergehend, denn er hat mit ihnen zusammen Anteil an der Königsherrschaft Jesu Christi. Im Heiligen Geist verbunden, harrt er mit ihnen in Jesus standhaft aus. „In Jesus“ schreibt Johannes. Er drückt damit sein Einssein mit dem Herrn aus. Es ist ein Wort, das mich anrührt. Ich möchte auch mit Jesus eins sein. Im Glauben bin es auch, doch die Erfahrung des Einsseins fehlt. Ich habe den Eindruck, dass ich mein Leben selbst lebe und bestimme. Wenn ich „in Jesus“ wäre, müsste der Herr meine Kraft sein. Weil Johannes und die Christen damals „in Jesus“ waren, konnten sie die Verfolgung aushalten; denn der Herr war ihr Halt. Ich weiß nicht, ob ich in einer Verfolgung dem Herrn treu bleiben könnte. Gewiss nicht aus eigener Kraft. So erhebt sich für mich die Frage: Wie kann ich mein Leben noch mehr mit dem Herrn verbinden? Es muss ein Vorgang sein wie ihn Liebende erfahren. Ein Austausch des Lebens muss stattfinden. Es genügt daher nicht, durch die Taufe ein Christ zu sein, sondern ich muss im lebendigen Austausch mit dem Herrn Christ werden. Menschen, die sich lieben, müssen stets aufs neue ihr Leben austauschen und vereinen, sonst erstirbt die Liebe. So ähnlich ist es auch im Leben mit dem Herrn. Ich muss mein Leben IHM öffnen, und ER muss mir etwas sagen und schenken dürfen. Wir haben meist als Kind die Gebote gelernt und darin verharren wir bis zum Lebensende. Es ist nicht falsch, nach den Geboten zu leben, doch lebendige Beziehung zu Gott ist mehr. Einander lieben ist ein lebenslanger Prozess, der auch im Leben mit Gott gilt. Hier muss auf eine Not, die Not des Glaubens hingewiesen werden. Die Menschen, die sich lieben, können sich gegenseitig sehen, hören und anfassen. Mit Jesus Christus geschieht dies alles im Glauben. Der Herr selbst hat zwar die Möglichkeit, seine Gegenwart erfahrbar zu machen, doch tut er dies nur selten.
Kehren wir zu Johannes zurück. Er wurde um des Glaubens willen auf die Insel Patmos verbannt. Ich war auf der Insel Patmos um des Wortes Gottes willen und des Zeugnisses für Jesus, schreibt er. Da er selbst ein um des Glaubens willen Verbannter ist, ist das, was er nun erlebt, für ihn selbst und für die Christen Trost und Kraft. Am Tag des Herrn wurde ich vom Geist ergriffen und hörte hinter mir eine Stimme, laut wie eine Posaune. „Tag des Herrn“ ist der Tag, an dem das Gedächtnis der Auferstehung des Herrn gefeiert wird, unser Sonntag. An einem solchen Tag hatte Johannes das Erlebnis. Johannes hört eine Stimme laut wie eine Posaune. Als ich mich umwandte, schreibt er, sah ich sieben goldene Leuchter und mitten unter den Leuchtern einen, der wie ein Mensch aussah; er war bekleidet mit einem Gewand, das bis auf die Füße reichte, und um die Brust trug er einen Gürtel aus Gold. Als ich ihn sah, fiel ich wie tot vor seinen Füßen nieder. Johannes kannte die alttestamentlichen Bilder und Visionen aus den Büchern des Alten Testamentes. Er beschreibt in diesen Bildern die Einzigartigkeit des Herrn. Am Ende der Zeiten wird der „Menschensohn“ erscheinen. Das Gewand, das bis auf die Füße reicht, beschreibt den Hohenpriester, und der Gürtel aus Gold ist Zeichen der Königsherrschaft. Es ist der Herr, Jesus Christus, der ewige Hohepriester, der inmitten seiner Kirche lebt. Ihm ist alle Herrschaft gegeben. Wer sich IHM anschließt, geht nicht verloren. Keine Verfolgung kann ihm schaden. Während ich das schreibe, ahne ich, wie Johannes seine Christen stärken möchte, und so ist der Text auch für mich und für uns eine Stärkung im Glauben. Er kann uns Kraft geben durchzuhalten.
Schon im Alten Testament ist bezeugt, dass der, der Gott sieht, sterben muss. Johannes fällt wie tot vor seinen Füßen nieder. Doch er muss nicht sterben. Vielmehr bringt die Gestalt wieder Leben in ihn. Er aber legte seine rechte Hand auf mich und sagte: Fürchte dich nicht! Ich bin der Erste und der Letzte und der Lebendige. Ich war tot, doch nun lebe ich in alle Ewigkeit, und ich habe die Schlüssel zum Tod und zur Unterwelt. „Fürchte dich nicht“, müsste der Herr uns sagen, wenn wir zum Beispiel seine göttliche Gegenwart in der heiligen Kommunion erfahren würden. Er, der am Kreuz gestorben ist und lebt, er ist stärker als jegliche Macht auf dieser Erde. Er ist der Erste und der Letzte. Er ist der Lebendige, der, der ewiges Leben hat. Er ist unser Herr. In IHM dürfen und sollen wir leben. Wenn wir „in Jesus“ sind, kann uns nichts geschehen.