Offenbarung 5,11-14
Ich sah, und ich hörte die Stimme von vielen Engeln rings um den Thron und um die Lebewesen und die Ältesten; die Zahl der Engel war zehntausendmal zehntausend und tausendmal tausend. Sie riefen mit lauter Stimme: Würdig ist das Lamm, das geschlachtet wurde, Macht zu empfangen, Reichtum und Weisheit, Kraft und Ehre, Herrlichkeit und Lob.
Und alle Geschöpfe im Himmel und auf der Erde, unter der Erde und auf dem Meer, alles, was in der Welt ist, hörte ich sprechen: Ihm, der auf dem Thron sitzt, und dem Lamm gebühren Lob und Ehre und Herrlichkeit und Kraft in alle Ewigkeit.
Und die vier Lebewesen sprachen: Amen. Und die vierundzwanzig Ältesten fielen nieder und beteten an.
Ich sah, und ich hörte die Stimme von vielen Engeln.
Wieder hören wir heute ein Wort aus der Offenbarung des Johannes. Zur Erinnerung sei gesagt, dass mit dem Namen Johannes nicht der Apostel Johannes gemeint ist, sondern ein Mann aus der späteren Generation. Des weiteren müssen wir zum Verständnis der Offenbarung bedenken, dass sie eine Trostschrift ist. Sie soll den bedrängten Christen Mut, Kraft und Durchhalten schenken. Wie wir wissen, wurden die Christen von Anfang an verfolgt. Bedrängend war vor allem der Kaiserkult. Dieser forderte von den Christen Huldigung für den Kaiser, der in der Kaisersäule gleichsam gegenwärtig sein sollte. Johannes schreibt seinen Christen, dass es nur eine Huldigung und Anbetung gibt: die gegenüber Gott und dem Lamm. So hören wir heute von der großen Anbetung Gottes im Himmel.
Ich sah, und ich hörte die Stimme von vielen Engeln rings um den Thron und um die Lebewesen und die Ältesten; die Zahl der Engel war zehntausendmal zehntausend und tausendmal tausend. Sie riefen mit lauter Stimme: Würdig ist das Lamm, das geschlachtet wurde, Macht zu empfangen, Reichtum und Weisheit, Kraft und Ehre, Herrlichkeit und Lob. Johannes sieht und hört. Er darf schauen, was jenseits unseres irdischen Daseins ist. Er sieht den ganzen „Hofstaat Gottes“. Rings um den Thron und um die Lebewesen und die Ältesten sieht er Engel; die Zahl der Engel war zehntausendmal zehntausend und tausendmal tausend. Ihm gegenüber verblasst jeder irdische Hofstaat, mag ein Herrscher auch noch so mächtig sein. Das Wort kann auch uns aufhorchen lassen. Immer wieder gibt es Menschen, die sich in ihrer Macht als „Übermenschen“ brüsten, wenn nicht sogar als gottgleich feiern lassen. Aus jüngster Zeit kennen wir als Beispiel Hitler oder Stalin. Sie haben keine Religion neben sich geduldet. Nur die eigene Ideologie hatte Geltung.
Johannes schreibt weiter: Sie riefen mit lauter Stimme: Würdig ist das Lamm, das geschlachtet wurde, Macht zu empfangen, Reichtum und Weisheit, Kraft und Ehre, Herrlichkeit und Lob. Inder Zeit des Dritten Reiches lernten wir als Kinder in der Schule gleich den Gruß: „Heil Hitler“ und „Es lebe der Führer“. Während ich den Text aus der Offenbarung lese, wird mir das Ungeheuerliche der damaligen Zeit klar. Hitler hat sich als der Große ausgegeben. Das ging so weit, dass gesagt wurde: „Führer befiehl, wir folgen dir.“ Wie absurd dies war, wird noch klarer, wenn wir den Text aus der Offenbarung weiter betrachten. Es heißt: Würdig ist das Lamm, das geschlachtet wurde, Macht zu empfangen, Reichtum und Weisheit, Kraft und Ehre, Herrlichkeit und Lob. Das Lamm, das geschlachtet wurde, ist würdig, den Lobpreis zu empfangen. Das Lamm hat sein Leben für die Menschen hingegeben. Hitler dagegen hat andere für sich sterben lassen. Seinetwegen mussten hunderttausende Menschen in den Tod gehen. Wie schnell wir Menschen uns doch verführen lassen. Ich selbst habe das Geschen damals nicht durchschaut.
Bedenken wir noch das Wort vom „Lamm, das geschlachtet wurde“. Johannes denkt dabei an den Auszug des Volkes Israel aus Ägypten. Damals hat das Blut des Lammes den Würgeengel, der jeweils den erstgeborenen Sohn der Ägypter tötete, von den Israeliten ferngehalten, und Israel wurde aus der Knechtschaft entlassen. Jesus hat sich „schlachten lassen“ und hat dadurch mit seinem Blut die Menschen aus der Macht Satans befreit. Ein neues Volk, durch sein Blut erlöst, zieht aus der Gefangenschaft des Teufels in das gelobte Land, in den Himmel. Dort nimmt es am Lobpreis auf das „Lamm“ teil. Das „Lamm“ ist würdig, Macht zu empfangen, Reichtum und Weisheit, Kraft und Ehre, Herrlichkeit und Lob. Kein Mensch hat letztlich Anspruch auf Macht und Ehre. Sie gehört allein Gott und dem „Lamm“. Jesus hat mit seinem Leben und seinem Sterben den Mittelpunkt der Welt sichtbar gemacht. Er ist die Mitte jeglichen Lebens, die Mitte der Geschichte und der ganzen Welt. Darum gebührt IHM auch von der ganzen Schöpfung der Lobpreis. Alle Geschöpfe im Himmel und auf der Erde, unter der Erde und auf dem Meer, alles, was in der Welt ist, hörte ich sprechen: Ihm, der auf dem Thron sitzt, und dem Lamm gebühren Lob und Ehre und Herrlichkeit und Kraft in alle Ewigkeit. Während ich das schreibend bedenke, wird mir mein Kleinglaube bewusst. Mein Lobpreis kommt nicht aus einem glaubenden Herzen. Ich empfinde mich nicht inmitten der Schöpfung, die ihren Lobpreis anbetend Ihm, der auf dem Thron sitzt, und dem Lamm ... in alle Ewigkeit darbringt. Es ist für uns Menschen schwierig, „das Lamm“ als Mittelpunkt unseres Lebens zu sehen. Wir gestalten meist Welt und Leben selbst. Dabei wollen wir Gott geben, was IHM gebührt. Doch ER bleibt oftmals nur einer neben uns und nicht unser tragender Grund. Darum können wir uns auch nicht auf IHN hin loslassen. Ich denke wieder an den heiligen Franziskus. Er liebte die Worte der Offenbarung. Er muss sein Leben als einen lebendigen Lobpreis erfahren haben. Er lebte mit dem Herrn. IHM vertraute er ganz. Franziskus betet: „Allmächtiger, heiligster, erhabenster und höchster Gott...dir wollen wir erweisen alles Lob, alle Herrlichkeit, allen Dank, alle Ehre, allen Preis und alles Gute. Es geschehe! Es geschehe! Amen.“ Das Gebet bildete für ihn der Abschluss einer jeden Tagzeit. Einen Abschluss haben wir auch bei Johannes: Und die vier Lebewesen sprachen: Amen. Und die vierundzwanzig Ältesten fielen nieder und beteten an. Möge der Herr unser Leben in seinem bergen und so zu seinem Lobpreis werden lassen. IHM ist die Ehre und die Anbetung. Amen. Alleluja.
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