4. Sonntag der Adventszeit "C"
Hebräerbrief 10,5-10
Schwestern und Brüder!
Bei seinem Eintritt in die Welt spricht Christus: Schlacht- und Speiseopfer hast du nicht gefordert, doch einen Leib hast du mir geschaffen; an Brand- und Sündopfern hast du kein Gefallen. Da sagte ich: Ja, ich komme - so steht es über mich in der Schriftrolle -, um deinen Willen, Gott, zu tun.
Zunächst sagt er: Schlacht- und Speiseopfer, Brand- und Sündopfer forderst du nicht, du hast daran kein Gefallen, obgleich sie doch nach dem Gesetz dargebracht werden; dann aber hat er gesagt: Ja, ich komme, um deinen Willen zu tun. So hebt Christus das erste auf, um das zweite in Kraft zu setzen.
Aufgrund dieses Willens sind wir durch die Opfergabe des Leibes Jesu Christi ein für allemal geheiligt.

Bei seinem Eintritt in die Welt spricht Christus
Heute, am vierten Adventssonntag hören wir einen Text aus dem Hebräerbrief. Er ist offensichtlich genommen worden, weil darin vom „Eintritt Jesu Christi in die Welt“ gesprochen wird. Weihnachten feiern wir, wie es das Evangelium verkündet, die Menschwerdung Gottes. „Der Eintritt in die Welt“ des Gottessohnes wird für uns Menschen greifbar und sichtbar mit der Geburt des Herrn. Der Verfasser des Hebräerbriefes sieht mit der Menschwerdung des Herrn das Ende des alttestamentlichen Kultes gekommen. Bei seinem Eintritt in die Welt spricht Christus: Schlacht- und Speiseopfer hast du nicht gefordert, doch einen Leib hast du mir geschaffen; an Brand- und Sündopfern hast du kein Gefallen. Da sagte ich: Ja, ich komme - so steht es über mich in der Schriftrolle -, um deinen Willen, Gott, zu tun. Christus spricht mit einem Psalmwort, dass Gott „Schlacht und Speiseopfer nicht gefordert hat“ und an „Brand- und Sündopfer kein Gefallen hat “. Gott hat vielmehr dem „Herrn einen Leib bereitet“, und in diesem Leib kann Christus den Willen Gottes tun. Wir Menschen, die wir nicht zum Volk Israel gehören, für die das Alte Testament nicht die Bedeutung hat, können nur ahnungsweise ermessen, welche Aussage der Verfasser mit diesem Wort macht. Er setzt damit den Kult des Alten Bundes außer Kraft, der doch durch das Gesetz begründet ist. Zunächst sagt er: Schlacht- und Speiseopfer, Brand- und Sündopfer forderst du nicht, du hast daran kein Gefallen, obgleich sie doch nach dem Gesetz dargebracht werden. Gott hat kein Gefallen an irdischen Opfern. Kein Opfer kann eine Sünde tilgen. Das ist auch im menschlichen Leben so. Wenn ich einen anderen beleidigt habe, kann nur er mir vergeben. Mit keiner Gabe, und wäre sie noch so groß und wertvoll, kann ich den anderen dazu zwingen, mir zu vergeben. So ist es auch bei Gott. Alle Beleidigungen, die der Mensch Gott zufügt, kann nur er selbst vergeben und wieder gutmachen. Ich kann ihn mit keinem Opfer dazu zwingen. Dazu muss noch bedacht werden, dass jede Beleidigung Gottes im letzten darin besteht, dass der Wille Gottes nicht erfüllt wird. So ist das Wort zu verstehen, das Jesus bei seinem Eintritt in die Welt spricht: Einen Leib hast du mir geschaffen; an Brand- und Sündopfern hast du kein Gefallen. Da sagte ich: Ja, ich komme - so steht es über mich in der Schriftrolle -, um deinen Willen, Gott, zu tun. Jesus kam und erfüllte den Willen seines Vaters. Er hat im Gehorsam seinem Vater gegenüber gelebt bis zum Tod am Kreuz. Der Wille seines Vaters war sein Leben. Darum betet Jesus noch am Ölberg: „Nicht mein Wille, sondern der deine soll geschehen.“
Der Verfasser des Hebräerbriefes wollte seine Christen im Glauben stärken. Er schreibt: So hebt Christus das erste auf, um das zweite in Kraft zu setzen. Aufgrund dieses Willens sind wir durch die Opfergabe des Leibes Jesu Christi ein für allemal geheiligt. Der Herr hat mit der Hingabe seines Leibes am Kreuz, die er nach dem Willen seines Vaters vollzog, das eine gültige Opfer gebracht. Dieses Opfer hat alle alten Brand- und Sündopfer abgelöst. Durch dieses Opfer sind wir alle „ein für allemal geheiligt“. Dabei ist nicht das Opfer Christi das Entscheidende, sondern der Gehorsam gegenüber seinem Vater. Dieser Gehorsam brachte dem Herrn den Tod am Kreuz. Der Gehorsam ist im Zusammenhang mit der Ursünde zu sehen, die darin bestand, dass der Mensch selbst sein wollte wie Gott. Er hat Gott den Gehorsam verweigert. Durch den Gehorsam Jesu Christi, der sein Leben nicht schonte, werden alle, die sich ihm anschließen, wieder in den Gehorsam Gott gegenüber hineingenommen. Sie werden alle geheiligt. Diese Heiligkeit und das Leben Gottes konnten alle Brand- und Sündopfer den Menschen nicht schenken. Nur die Lebenshingabe, „die Opfergabe des Leibes Jesu Christi“, konnte dies bewirken. So bleibt die Heiligung von uns Menschen für alle Zeit reines Geschenk vom Vater. Er allein kann Vergebung schenken, weil wir durch Jesus Christus ein für allemal geheiligt sind. Als geheiligte Menschen können wir in die Haltung des Gehorsams gegenüber dem Vater im Himmel eintreten und mit Jesus Christus sprechen: „Siehe wir kommen, deinen Willen zu tun.“ Der Wille des Vaters ist unter anderem, dass wir einander vergeben, so wie er uns durch den Gehorsam seines Sohnes Vergebung geschenkt hat. Dies kann sehr schwer sein; denn jede Beleidigung bringt Verletzung des Gemütes mit sich. Diese ist meist tief eingegraben in unser Gemüt. Sie zu heilen, ist oft ein schwieriger Prozess. Die Heilung kann gelingen, wenn wir Heiligkeit als Leben mit dem Herrn begreifen. Heilig leben heißt nicht, aus eigener Kraft das Leben bewältigen zu wollen, um dann dem Herrn vorzeigen zu können, was wir geleistet haben. Heilig leben heißt vielmehr, das Leben des Herrn in mich aufzunehmen, im Alltag nach seinem Willen zu fragen und versuchen, ihn zu erfüllen. Wenn mir dies gelingt, habe ich gewiss auch „Leistung“, doch sie heiligt mich nicht, sondern sie ist der Versuch, das Geschenk des „Geheiligtsein“ im Leben fruchtbar werden zu lassen.
Ich muss an meine Studienjahre zurückdenken. Ich war in den Orden eingetreten, um Buße zu tun. Dabei wollte ich den heiligen Franziskus ein wenig nachahmen. Ich sah bei ihm nur die Taten der Buße, nicht zuerst das Leben mit dem Herrn. Je mehr Taten ich vollbringe, dachte ich, um so mehr Leben bekomme ich von Gott. Schmerzlich musste ich den Irrtum erkennen. Leben von Gott ist sein freies Geschenk. Die Lebenshingabe des Herrn hat es mir erworben. Mir bleibt nur, IHM dafür zu danken und mein Leben, ohne auf Werke zu schauen, ganz für ihn einzusetzen.