4. Sonntag der Osterzeit "C"
1. Johannesbrief 3,1-2
Ich, Johannes, sah: eine große Schar aus allen Nationen und Stämmen, Völkern und Sprachen; niemand konnte sie zählen. Sie standen in weißen Gewändern vor dem Thron und vor dem Lamm und trugen Palmzweige in den Händen. Sie riefen mit lauter Stimme: Die Rettung kommt von unserem Gott, der auf dem Thron sitzt, und von dem Lamm. Und alle Engel standen rings um den Thron, um die Ältesten und die vier Lebewesen. Sie warfen sich vor dem Thron nieder, beteten Gott an und sprachen: Amen, Lob und Herrlichkeit, Weisheit und Dank, Ehre und Macht und Stärke unserem Gott in alle Ewigkeit. Amen. Da fragte mich einer der Ältesten: Wer sind diese, die weiße Gewänder tragen, und woher sind sie gekommen? Ich erwiderte ihm: Mein Herr, das mußt du wissen. Und er sagte zu mir: Es sind die, die aus der großen Bedrängnis kommen; sie haben ihre Gewänder gewaschen und im Blut des Lammes weiß gemacht. Deshalb stehen sie vor dem Thron Gottes und dienen ihm bei Tag und Nacht in seinem Tempel; und der, der auf dem Thron sitzt, wird sein Zelt über ihnen aufschlagen. Sie werden keinen Hunger und keinen Durst mehr leiden, und weder Sonnenglut noch irgendeine sengende Hitze wird auf ihnen lasten. Denn das Lamm in der Mitte vor dem Thron wird sie weiden und zu den Quellen führen, aus denen das Wasser des Lebens strömt, und Gott wird alle Tränen von ihren Augen abwischen.

Ich, Johannes, sah: eine große Schar aus allen Nationen und Stämmen.
In dem Text von Kapitel 7, 9-17 finde ich anregende Gedanken für meinen Glauben. Die Offenbarung des Johannes spricht in Bildern und Visionen, die wir nicht wörtlich verstehen dürfen; denn sie erzählen von Wirklichkeiten, die sich unseren Worten entziehen; dennoch sind es Worte, die den bedrängten und verfolgten Christen von damals Glaubenskraft zum Durchhalten gaben. Diese Glaubenskraft brauchen wir Christen zu allen Zeiten.
Johannes, der Seher auf der Insel Patmos, schaut eine große Schar aus allen Nationen und Stämmen, Völkern und Sprachen; niemand konnte sie zählen. Sie standen in weißen Gewändern vor dem Thron und vor dem Lamm und trugen Palmzweige in den Händen. Zur Zeit, als Johannes lebte, war das Christentum noch eine verhältnismäßig kleine Schar. Johannes schaut in die Zukunft, in den Himmel. Dort sieht er eine große Schar, die niemand zählen kann. Er schaut die Heerschar des Himmels, zu der, so Gott es schenkt, auch wir einmal zählen dürfen. Sie standen in weißen Gewändern vor dem Thron und vor dem Lamm und trugen Palmzweige in den Händen. Der Palmzweig ist das Zeichen des Sieges. Wir kennen die Bilder von Märtyrern, die einen Palmzweig in den Händen halten. Sie haben zwar den Tod erlitten, doch in Christus ist der Tod besiegt. Sie leben! In unserem Text sind gewiss nicht nur die Märtyrer damit gemeint, sondern alle, die in der Kraft Gottes ihr Leben mit und für den Herrn gelebt haben. Sie alle haben im Herrn gesiegt. Nun dürfen sie in „weißen Gewändern“, ein Zeichen, dass es in ihrem Leben keine Gottwidrigkeit und keine Sünde mehr gibt, vor dem „Thron und dem Lamm“ stehen. Diese Makellosigkeit haben sie nicht aus eigener Kraft, sondern von Gott geschenkt bekommen. Sie riefen mit lauter Stimme, schreibt Johannes, die Rettung kommt von unserem Gott, der auf dem Thron sitzt, und von dem Lamm. Die ungezählte Schar weiß sich von Gott und dem Lamm gerettet. Mich berühren solche Worte zutiefst. Ich möchte glauben, dass auch meine und unsere Rettung von Gott kommt. Ich möchte meinem Gott glauben, dass ER der einzige Retter ist. Ich möchte diese Botschaft in mein Herz hineinnehmen, damit sie zum tragenden Grund meines Lebens werden kann. Ich denke wieder an den heiligen Franziskus. Er muss ein grenzenloses Vertrauen auf diesen rettenden Gott gehabt haben. Nur so konnte er sich einem Wolf von Gubbio ausliefern oder in der Kirche von Bovara den Dämonen sagen, sie sollen mit ihm machen, was sie wollen. Franziskus hatte auch zu den Texten der Heiligen Schrift, die vom Lobpreis sprachen, eine besondere Beziehung. So hat ihn gewiss auch dieser Lobpreis angerührt: Alle Engel standen rings um den Thron, um die Ältesten und die vier Lebewesen. Sie warfen sich vor dem Thron nieder, beteten Gott an und sprachen: Amen, Lob und Herrlichkeit, Weisheit und Dank, Ehre und Macht und Stärke unserem Gott in alle Ewigkeit. Amen. Es ist eine siebenfache Verherrlichung, eingerahmt vom Amen: „So ist es.“ In unserer Übersetzung heißt es: „in alle Ewigkeit.“ Im Urtext heißt es wörtlich: „In die Ewigkeiten der Ewigkeiten“, das hat mich immer ergriffen. Wenn schon eine Ewigkeit eine unausdenkbare Zeit ist, um so ungeheuerlicher ist, dass es davon „Ewigkeiten“ gibt. Wie groß muss Gott sein! Und wie klein hat sich sein Sohn gemacht! Wie sind wir Menschen mit ihm umgegangen! Ich erahne, dass es schwer ist, an einen solchen Gott zu glauben, der einerseits so gewaltig ist und der sich andererseits wehrlos den Menschen ausgeliefert hat und sich immer noch ausliefert. Doch dies ist der Grund dafür, dass wir Menschen Anteil an seinem Leben, am Leben Gottes bekommen konnten und können.
Da fragte mich einer der Ältesten: Wer sind diese, die weiße Gewänder tragen, und woher sind sie gekommen? ... Es sind die, die aus der großen Bedrängnis kommen; sie haben ihre Gewänder gewaschen und im Blut des Lammes weiß gemacht. Es ist ein kühner Ausdruck! Wir Menschen haben die Möglichkeit, „im Blut des Lammes“ unser Leben „weiß“ zu waschen. Gemeint ist der Opfertod Jesu, an dem wir in der Taufe Anteil erhalten. Es liegt in unserer eigenen Entscheidung, ob wir uns in der Taufe seinem Leben eingliedern lassen. Die große Schar hat dies getan. Sie haben „ihre Gewänder im Blut des Lammes weiß gemacht“, und sie haben in der „großen Bedrängnis“ ausgehalten. Ich muss immer denken, wie es wohl wäre, wenn ich um meines Glaubens willen verfolgt würde. Ob ich die „Bedrängnis“ aushalten würde? Vielleicht ist mit der Bedrängnis auch an die innere Bedrängnis gedacht. Sie auszuhalten ist oft schwer. So manches Mal habe ich schon gedacht, ich wäre froh, mein Leben hätte ein Ende. Aber diese Worte aus der Offenbarung können Kraft zum Durchhalten schenken. Der ganzen Kirche gilt: die Verfolgung gehört zu ihr, aber die Verheißungen für alle, die durchhalten, sind groß: Der auf dem Thron sitzt, wird sein Zelt über ihnen aufschlagen. Wie einst die Wolke das Volk Israel beschützte und leitete, so ist der, der auf dem Thron sitzt, Schutz für die Erlösten. Sie werden keinen Hunger und keinen Durst mehr leiden und weder Sonnenglut noch irgendeine sengende Hitze wird auf ihnen lasten. Das Lamm, das einst selbst zur Schlachtbank geführt wurde, wird sie weiden und zu den Quellen führen, aus denen das Wasser des ewigen Lebens strömt. Nicht genug: Gott wird alle Tränen von ihren Augen abwischen. Wie eine Mutter voll Liebe die Tränen ihres Kindes abwischt, so tut Gott das gleiche bei all denen, die in der Bedrängnis aushalten.