34. Sonntag im Jahreskreis "B"
Offenbarung 1,5b-8
Schwestern und Brüder!
Jesus Christus ist der treue Zeuge, der Erstgeborene der Toten, der Herrscher über die Könige der Erde. Er liebt uns und hat uns von unseren Sünden erlöst durch sein Blut; er hat uns zu Königen gemacht und zu Priestern vor Gott, seinem Vater. Ihm sei die Herrlichkeit und die Macht in alle Ewigkeit. Amen.
Siehe, er kommt mit den Wolken, und jedes Auge wird ihn sehen, auch alle, die ihn durchbohrt haben; und alle Völker der Erde werden seinetwegen jammern und klagen. Ja, amen.
Ich bin das Alpha und das Omega, spricht Gott, der Herr, der ist und der war und der kommt, der Herrscher über die ganze Schöpfung.

Jesus Christus ist der treue Zeuge
Heute zum Christkönigssonntag hören wir einen Text aus der Offenbarung des Johannes. Es wird gut sein, wenn wir zuerst auf die Geschichte des Festes schauen. „Papst Pius XI. wollte das Jubeljahr 1925 feierlich schließen durch die Einführung eines neuen Festes zu Ehren des Königtums Christi. Dieses Fest soll wie eine fortdauernde Predigt die Welt an die unveräußerlichen Königsrechte Jesus Christi erinnern“ (Schott 1957). In Deutschland wurde das liturgische Fest in gewisser Hinsicht zu einer Demonstration gegen die Macht Hitlers. Eine ähnliche Situation erlebten die Christen in der Zeit, da die Offenbarung geschrieben wurde. Damals ging es um den Kaiserkult. Dem Kaiser, der göttliche Macht und Herrschaft beanspruchte, sollte Anbetung und Ehre erwiesen werden. Für die Christen war dies undenkbar. Für sie gab es nur einen, dem die Anbetung gebührte: ihrem Gott und seinem Sohn Jesus Christus. In die Zeit jener Bedrängnis sind die Worte gesagt, die wir heute hören. Sie sollten damals die Christen in ihrem Glauben stärken und gelten heute uns.
Jesus Christus ist der treue Zeuge, der Erstgeborene der Toten, der Herrscher über die Könige der Erde. Unser Text beginnt mit einer vierfachen Aussage über Jesus. Er ist der Christus, das heißt: der Gesalbte Gottes, gesalbt mit dem Auftrag, die Menschen zu erlösen. Alle Salbung der Christen hat Anteil an der Salbung des Herrn. Jesus ist der treue Zeuge, der uns von seinem Vater Botschaft und Leben gebracht hat. Sein Leben, sein Leiden und sein Kreuzestod geben Zeugnis von der barmherzigen Liebe Gottes zu uns Menschen. Der Herr ist seinem Auftrag treu geblieben bis in den Tod. Keine Schmach konnte ihn von seinem Weg abbringen. Wovon das Leben Jesu in seinem irdischen Dasein Zeugnis gab, das wurde offenbar bei seiner Auferstehung. Der Herr ist der Erstgeborene der Toten. Kein Mensch vor Jesus konnte durch den Tod hindurch in das Leben eingehen. Kein Mensch konnte gleichsam durch den Tod neu geboren werden. Der erste Mensch, der vom Tod erstanden ist, ist Jesus, der Gesalbte Gottes. In ihm ist auch den Menschen eine neue Lebensmöglichkeit eröffnet worden. Fortan braucht sie der Tod nicht mehr zu schrecken. Seitdem der Herr aus dem Grab erstanden ist, wird jeder, der ihm glaubt, zu unsterblichem Leben geboren.
Darüber hinaus hat der Herr durch seine Auferstehung geofffenbart, dass er Herr über Leben und Tod ist, darum auch der Herrscher über die Könige der Erde. Kein Herrscher, kein König oder Kaiser ist jemals aus dem Grab zurückgekehrt. Keiner hat Macht über den Tod gehabt, und keiner wird in Zukunft diese Macht haben. Es gibt nur einen, der sie hat, und er heißt Jesus Christus. Christus ist der einzig wahre Herr. Jeder irdische Herrscher, mag er sich noch so machtvoll gebärden, steht im letzten unter der Herrschaft Jesu Christi. Doch dies darf die Christen nicht zu falschem Machtanspruch verleiten. Vom Herrn heißt es: Er liebt uns und hat uns von unseren Sünden erlöst durch sein Blut; er hat uns zu Königen gemacht und zu Priestern vor Gott, seinem Vater. Ihm sei die Herrlichkeit und die Macht in alle Ewigkeit. Amen. Jesus hat keine irdische Macht beansprucht. Er hat sich vielmehr den Mächtigen ausgeliefert. Durch die Hingabe seines Lebens, durch sein Blut, hat er uns Menschen von unseren Sünden erlöst. Gerade darin zeigt sich die Größe Jesu Christi, dass er sein Leben in die Hände der sogenannten Mächtigen geben konnte. Er hatte es nicht nötig, um seine Macht zu kämpfen. Dies ist auch für uns Christen bedeutsam: Wir sollen unseren Glauben nicht mit dem Schwert verteidigen. Es könnte sein, dass dort, wo Untergang ist, Erlösung geschieht. Das Wort aus der Offenbarung des Johannes kann uns die Angst vor den Mächtigen dieser Welt nehmen. Ja, es sagt uns noch mehr, nämlich, dass wir zum Gottesdienst vor Gott bestimmt sind: Er hat uns zu Königen gemacht und zu Priestern vor Gott, seinem Vater. Der priesterliche Dienst ist die Anbetung. Sie gebührt keinem Menschen, nur Gott allein. Wir Christen dürfen in der Anbetung Gottes verharren. Ihm sei die Herrlichkeit und die Macht in alle Ewigkeit. Amen. Unserem Gott sind die Herrlichkeit und die Macht in alle Ewigkeit. Was ist dagegen alle weltliche und menschliche Macht? Alles und jeder ist der Vergänglichkeit unterworfen. Nur einer hat die Macht in alle Ewigkeit, der Herr der Welt, unser Gott. Ihm allein gebühren die Anbetung und die Herrlichkeit. Der Verfasser fügt das Amen hinzu. „So sei es“, wird es übersetzt. Das Amen ist wie ein Schlusspunkt, der sagt, daran gibt es keinen Zweifel, so ist es.
Ich bin das Alpha und das Omega, spricht Gott, der Herr, der ist und der war und der kommt, der Herrscher über die ganze Schöpfung. Das Alpha ist der erste Buchstabe des griechischen Alphabets, das Omega der letzte. Alles, was geschrieben wird, braucht die Buchstaben, die dazwischen sind. Die Geschichte der Menschen ist eingebettet in die Geschichte Gottes. Gott ist der Anfang und das Ende. Nichts fällt aus seiner Hand. Kein Mensch und nichts kann sich IHM entziehen. Siehe, er kommt mit den Wolken, und jedes Auge wird ihn sehen. Einen letzten Trost schenkt der Verfasser seinen Christen: Der Herr wird wiederkommen. Ich muss gestehen, dieser Gedanke entschwindet mir immer wieder. Mein Leben lebt auf Zukunft hin, auf Gott hin, ganz gleich, ob er bei meinem Tode kommt oder beim Weltende. Jedenfalls kommt er eines Tages für alle. Jedes Auge wird ihn sehen. Dieses Schauen wird zugleich zum Gericht. Ich werde in diesem Schauen erkennen, was in meinem Leben gegen oder für Gott war. Möge ER dann uns allen barmherzig sein! Möge ER uns unseren Kleinglauben vergeben.