1.Johannesbrief 3,1-2.21-24
Liebe Schwestern und Brüder! Seht, wie groß die Liebe ist, die der Vater uns geschenkt hat: Wir heißen Kinder Gottes, und wir sind es. Die Welt erkennt uns nicht, weil sie ihn nicht erkannt hat.
Liebe Schwestern und Brüder, jetzt sind wir Kinder Gottes. Aber was wir sein werden, ist noch nicht offen-bar geworden. Wir wissen, daß wir ihm ähnlich sein werden, wenn er offenbar wird; denn wir werden ihn sehen, wie er ist.
Liebe Schwestern und Brüder, wenn das Herz uns aber nicht verurteilt, haben wir gegenüber Gott Zuversicht; alles, was wir erbitten, empfangen wir von ihm, weil wir seine Gebote halten und tun, was ihm gefällt. Und das ist sein Gebot: Wir sollen an den Namen seines Sohnes Jesus Christus glauben und einander lieben, wie es seinem Gebot entspricht. Wer seine Gebote hält, bleibt in Gott und Gott in ihm. Und daß er in uns bleibt, erkennen wir an dem Geist, den er uns gegeben hat.
Wir heißen Kinder Gottes, und wir sind es.
Der Sonntag zwischen Weihnachten und Neujahr ist der Heiligen Familie gewidmet. Es ist ein Fest, das erst im letzten Jahrhundert eingeführt wurde. Die irdische Familie ist zusehends Bedrohungen ausgesetzt, darum wird sie dem Schutz der Heiligen Familie empfohlen. Auch sollte die Heilige Familie, so dachte die Kirche, ein Vorbild für die irdische Familie sein. Ich entsinne mich, dass im Schlafzimmer meiner Eltern über dem Kopfende des Bettes ein großes Bild der Heiligen Familie hing.
In der Liturgie des heutigen Sonntages haben wir zwei Lesungen zur Auswahl. Ich nehme davon die zweite Lesung. Der Text ist aus dem 1.Johannesbrief. Seht, wie groß die Liebe ist, die der Vater uns geschenkt hat: Wir heißen Kinder Gottes, und wir sind es. Der Verfasser blickt zurück auf Tod und Auferstehung Jesu Christi. Er weiß im Glauben, dass Jesus von seinem Vater im Himmel gesandt worden ist und dass jeder, der an IHN glaubt, durch ihn das Leben des Vaters geschenkt bekommt. Der Verfasser des 1.Johan-nesbriefes ist auch der Verfasser des Johannesevangeliums. Dort heißt es: „Allen, die ihn aufnahmen, gab er Macht, Kinder Gottes zu werden, allen, die an seinen Namen glauben, die...nicht aus dem Willen des Mannes, sondern aus Gott geboren sind.“ Gott hat den Menschen nach seinem Ebenbild erschaffen. Durch den Tod und die Auferstehung seines Sohnes gab er dem Menschen die Möglichkeit, göttliches Leben zu bekommen. Der Mensch kann durch die Taufe ein zweites Mal, für das ewige Leben geboren werden. Das heißt, wir bekommen in der Taufe eine neue Daseinsform. Der Mensch, der in diese Welt hinein geboren wird, altert und wächst auf den Tod, auf das Vergehen hin. Das Gotteskind wächst auf die Vollendung bei Gott hin. Als Gotteskind „altert“ der Mensch nicht, sondern kommt erst in der Zukunft, wenn er ganz bei Gott sein darf, zur Vollendung. Wir können es in unserem irdischen Leben nicht ermessen, was es heißt: Seht, wie groß die Liebe ist, die der Vater uns geschenkt hat: Erst wenn wir durch den Tod hindurch zu dem kommen, der uns zu seinen Kindern gemacht hat, werden wir die Liebe erkennen, die solches bewirkt hat. Diese Liebe hat das Leben des Sohnes nicht geschont, sondern ihn für uns alle in den Tod gegeben, damit wir Kinder Gottes werden können. Wir heißen Kinder Gottes, und wir sind es, sagt der Verfasser. Wir können eine solche Liebe selbstlos nennen. Sie schaut nicht auf das eigene Leben, sondern auf das der Kinder. Vielleicht ist hier eine Verbindung zu unserem Fest zu sehen. Eltern müssen selbstlos sein, wenn sie einem Kind Leben schenken wollen. Auch Maria und Josef mussten ihr Leben in den Dienst für ihren Sohn stellen. Sie mussten lernen, dass das Leben ihres Sohnes eine eigene Prägung hatte, nämlich die seines Vaters im Himmel. Wir können an die Begebenheit des zwölfjährigen Jesus im Tempel denken, wo er ihnen sagt, dass er in dem sein muss, was seines Vaters ist. So sollten christliche Eltern daran denken, dass sie ihr Leben ebenfalls in den Dienst ihrer getauften Kinder stellen müssen. So ist es nicht in das eigene Belieben gestellt, ob sie mit ihnen beten, ob sie ihnen von Gott erzählen, dessen Kinder sie sind, und ob sie mit ihnen den Gottesdienst besuchen. Das Kind gehört zwar leiblich in dieser Welt ihnen, doch als Gotteskind gehört es dem Vater im Himmel. Die Schwierigkeit für uns Christen ist der Glaube. Wir Menschen können uns sehen und können uns anfassen. Wir können unser Leben be-greifen. Dies stimmt jedoch auch nicht ganz. Das eigentlich Lebendige unseres Lebens können wir nicht sehen, wir können nur die „Äußerungen“ unseres Lebens sehen. Dies gilt um so mehr für unsere Gotteskindschaft. Der Verfasser sagt: Die Welt erkennt uns nicht, weil sie ihn nicht erkannt hat. Es lässt sich am äußeren Leben eines Menschen nicht schon erkennen, ob er „Kind Gottes“ ist. Nur wenn ich selbst „Kind Gottes“ bin, werde ich Zugang zum göttlichen Leben des anderen haben. Von hier her lassen sich manche Nöte verstehen, die Eheleute und Familien haben, die im Glauben getrennt sind. Wenn die Verbundenheit in der Gotteskindschaft fehlt, gibt es „Störungen“. In der ersten Liebe glaubt man, diese Schwierigkeit werde durch die Liebe überwunden, doch meist führt es dazu, dass die Liebe zum Vater im Himmel erkaltet. Es gibt natürlich auch die Möglichkeit, dass beide Partner und deren Kinder in eine tiefere Gottesbeziehung, in eine echte Gottes-kindschaft hineinwachsen. Da wir mit Gott nur im Glauben leben, ist unserm Leben eine letzte Erkenntnis entzogen. Der Verfasser sagt: Jetzt sind wir Kinder Gottes. Aber was wir sein werden, ist noch nicht offenbar geworden. Wir wissen, daß wir ihm ähnlich sein werden, wenn er offenbar wird; denn wir werden ihn sehen, wie er ist. Unser Leben mit unserem Vater im Himmel ist uns weithin verborgen. Dies ist die Schwierigkeit aller Menschen. Wir können uns nur im Glauben auf das Wort seines Sohnes einlassen und in der Hoffnung leben, dass wir einmal feststellen werden, daß wir ihm ähnlich sein werden. Für jetzt bleibt: Wir sollen an den Namen seines Sohnes Jesus Christus glauben und einander lieben, wie es seinem Gebot entspricht. Wenn es ein Charakteristikum der Christen gibt, dann ist es der Glaube und die gegenseitige Liebe. Dies gilt auch dann, wenn wir Christen diesen Anspruch nicht erfüllen. Wir Christen sind eine große Familie und haben das Gebot unseres Herrn Jesus Christus, der uns selbstlos geliebt und zu Gotteskindern gemacht hat. So lasst uns gegenseitig lieben und sein Gebote halten, dann bleiben wir in Gott und Gott bleibt in uns.
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