Ostersonntag "C"
Kolosserbrief 3,1-4
Schwestern und Brüder!
Ihr seid mit Christus auferweckt; darum strebt nach dem, was im Himmel ist, wo Christus zur Rechten Gottes sitzt.
Richtet euren Sinn auf das Himmlische und nicht auf das Irdische! Denn ihr seid gestorben, und euer Leben ist mit Christus verborgen in Gott.
Wenn Christus, unser Leben, offenbar wird, dann werdet auch ihr mit ihm offenbar werden in Herrlichkeit.

Ihr seid mit Christus auferweckt
Das Osterfest ist das bedeutendste Fest unseres Glaubens. Der Text des Kolosserbriefes lässt uns die Bedeutung dieses Glaubensgeheimnisses für unser Leben aufleuchten. Jesus hat durch sein Leben als Mensch die Schöpfung angenommen. Dies war notwendig, da sich durch die Sünde die ganze Schöpfung von Gott getrennt hatte. Jesus war ohne Sünde. Er blieb seinem Vater treu bis in den Tod. Der eigentlich erlösende Vorgang in seinem Leben war, dass er den Willen seines Vaters bis zum Tod durchgehalten hat. Dadurch hat er Welt, Schöpfung und Mensch wieder in das Leben seines Vater hineingenommen. Durch seine Auferstehung hat der Herr offen gelegt, dass durch ihn die Schöpfung endgültig erlöst ist. Leben, Tod und Auferstehung Jesu gehören darum aufs engste zusammen.
Wir Menschen bekommen in der Taufe Anteil an Leben, Tod und Auferstehung des Herrn. Der Verfasser erläutert in unserem Text den tieferen Sinn. Ihr seid (also) mit Christus auferweckt; darum strebt nach dem, was im Himmel ist, wo Christus zur Rechten Gottes sitzt. Wir sind mit Christus auferweckt. Der Herr ist fortan Mitte und Sinn unseres Lebens. Sein Leben darf unser Leben bestimmen und erfüllen. Da der Herr zur Rechten Gottes sitzt, müssen wir dorthin schauen und von dorther Weisung für unser Leben empfangen. Um dies tun zu können, müssen wir das Geschenk der Taufe verinnerlichen. Nur wenn wir mit dem Herrn leben, wird er uns wichtig sein, werden wir dorthin schauen, wo er ist. Unsere große Not ist, dass dieses Leben des Herrn für uns nicht so erfahrbar und greifbar ist wie das menschliche Leben. Wann immer mir ein Mensch gut ist und Gutes tut, erfahre ich dies leiblich. Mit dem Herrn lebe ich nur im Glauben. Die Begegnung mit dem Herrn kann allerdings auch über Menschen gehen. Wenn ein Christ nicht nur von Jesus redet, sondern auch gütig und hilfsbereit ist, werde ich eher an den Herrn glauben können, der in ihm wirkt. Dennoch muss gesagt werden, dass das Leben, das im Himmel ist und das wir erstreben sollen, alle irdische Erfahrung und alles irdische Leben übersteigt.
Der Verfasser wird nicht müde, die Christen auf das Leben mit dem Herrn aufmerksam zu machen. Richtet euren Sinn auf das Himmlische und nicht auf das Irdische! Denn ihr seid gestorben, und euer Leben ist mit Christus verborgen in Gott. Noch einmal gibt er den Grund für ein solches Leben mit dem Herrn an. Ihr seid gestorben, und euer Leben ist mit Christus verborgen in Gott. In der Taufe geschieht etwas Unergründliches und Unauslotbares: indem der Mensch hineingenommen wird in das Leben des Herrn, vollzieht sich an ihm dasselbe, was am Herrn geschehen ist: Er stirbt und wird zum Leben erweckt. Früher wurde dieser Lebensvorgang sinnenhaft dargestellt. Der zu taufende Mensch wurde im Wasser untergetaucht, und danach tauchte er wieder auf: ein Zeichen für Sterben und Auferstehung. Dennoch bleibt: es ist ein Geschehen im Glauben und für den Menschen nicht greifbar. Wir Christen haben durch die Taufe eine neue „Lebensqualität“. Die neue „Lebensqualität“ heißt: Unser Leben ist mit Christus verborgen in Gott. Dieses Leben des Glaubens gründet in der Wirklichkeit und der Wahrheit, dass der Herr den Tod besiegt hat und vom Tode erstanden ist. Die Jünger, denen der Herr nach seiner Auferstehung erschienen ist, geben Zeugnis davon. Auf ihrem Zeugnis gründet unser Glaube. Wenn unser Leben schon in Gott geborgen ist, ist verständlich, dass wir dann auch unseren Sinn auf das Himmlische und nicht auf das Irdische richten sollen! Es wird damit nicht gesagt, dass wir das Irdische vernachlässigen dürfen, vielmehr sollen wir uns nicht an das Irdische verlieren. Wir sollen nicht leben, als gäbe es das Himmlische nicht. Das Himmlische ist wie ein Sauerteig, der alles Irdische durchsäuern möchte, damit es Anteil an der Erlösung des Herrn bekommen kann. Ostern, das Fest der Auferstehung des Herrn, macht dem Christen bewusst, dass er erlöst ist und dass er sein ganzes Sinnen und Trachten auf den Himmel ausrichten soll. Dadurch wird er fähig, durch sein Leben Menschen und Welt Anteil an der Erlösung zu schenken. Ich muss an den Pfarrer in meiner Gefangenschaft denken. Er hat uns Christen gesagt, dass wir durch unsere Arbeit dem Stück Welt, das wir bearbeiten, Erlösung schenken. Gewiss: Dies alles ist nur im Glauben zu verstehen. Nach außen hin sehen das Leben und die Arbeit des Nichtchristen gleich oder sogar besser aus. Und doch, so sagt uns der Glaube, gibt es einen Unterschied. Wir Christen tragen das neue Leben des auferstandenen Herrn bereits in uns. Dies bedeutet gewiss auch eine größere Verantwortung. Nicht umsonst liegt dem Verfasser des Kolosserbriefes daran, seine Christen zu einem christlichen Leben zu ermahnen. Heute gelten die Worte uns. Ich könnte verstehen, wenn jemand sagt, er wäre besser nicht getauft worden; denn dann hätte er keine Verantwortung für das Leben mit dem Herrn. Dem ist entgegenzuhalten dass das Leben Gottes, das uns der Herr zugänglich gemacht hat, einen unergründlichen Reichtum schenkt. Wenn Christus, unser Leben, offenbar wird, dann werdet auch ihr mit ihm offenbar werden in Herrlichkeit Unser Leben hat Zukunft! Was wir heute als Christen sind, ist noch verborgen. Doch eines Tages wird der Herr wiederkommen. Alle Menschen werden IHN sehen, wie er ist. Dann wird auch unser Leben mit ihm offenbar. Dann wird die Herrlichkeit, die wir hier auf der Erde nur im Glauben besitzen, für uns selbst und für alle, die gerettet werden, offenbar werden. Dann wird ewiges Ostern sein!