Pfingstsonntag "C"
Römerbrief 8,8-17
Schwestern und Brüder! Wer vom Fleisch bestimmt ist, kann Gott nicht gefallen. Ihr aber seid nicht vom Fleisch, sondern vom Geist bestimmt, da ja der Geist Gottes in euch wohnt. Wer den Geist Christi nicht hat, der gehört nicht zu ihm. Wenn Christus in euch ist, dann ist zwar der Leib tot aufgrund der Sünde, der Geist aber ist Leben aufgrund der Gerechtigkeit. Wenn der Geist dessen in euch wohnt, der Jesus von den Toten auferweckt hat, dann wird er, der Christus Jesus von den Toten auferweckt hat, auch euren sterblichen Leib lebendig machen, durch seinen Geist, der in euch wohnt. Wir sind also nicht dem Fleisch verpflichtet, Brüder, so daß wir nach dem Fleisch leben müßten. Wenn ihr nach dem Fleisch lebt, müßt ihr sterben; wenn ihr aber durch den Geist die (sündigen) Taten des Leibes tötet, werdet ihr leben. Denn alle, die sich vom Geist Gottes leiten lassen, sind Söhne Gottes. Denn ihr habt nicht einen Geist empfangen, der euch zu Sklaven macht, so daß ihr euch immer noch fürchten müßtet, sondern ihr habt den Geist empfangen, der euch zu Söhnen macht, den Geist, in dem wir rufen: Abba, Vater! So bezeugt der Geist selber unserem Geist, daß wir Kinder Gottes sind. Sind wir aber Kinder, dann auch Erben; wir sind Erben Gottes und sind Miterben Christi, wenn wir mit ihm leiden, um mit ihm auch verherrlicht zu werden.

Ihr seid vom Geist bestimmt
Zum Pfingstfest, dem Fest des Heiligen Geistes, hören wir Worte, die einst der Apostel Paulus an die Christen zu Rom geschrieben hat. Es sind Worte, die vom Geist Gottes, vom Geist Jesu Christi sprechen. Ich muss gestehen, ich habe in meinem Leben lange Zeit wenig über den Heiligen Geist gewusst. Ich habe gelernt, dass wir die Gebote halten sollen, ich habe gebetet, doch dass dies alles im Heiligen Geist geschieht, wurde mir nicht bewusst. Die heilige Firmung, in der wir den Heiligen Geist als besondere Gabe geschenkt bekommen, habe ich mit elf Jahren empfangen. Lange Zeit meinte ich sogar, ich hätte den Geist Gottes gar nicht empfangen, weil ich mir damals als Kind recht unwürdig vorgekommen bin. Später habe ich im Studium vom Heiligen Geist gehört. Ich habe natürlich auch die heiligen Weihen im Heiligen Geist empfangen, doch blieb er mir für mein eigenes Leben weithin unbekannt. Ich entsinne mich, dass ich bei der Weihe zum Diakon und zum Priester gebetet habe, Gottes Geist möge mich für die Menschen ganz füllen. Doch dies alles berührte mich „innerlich“ für meinen Lebensalltag nicht genug. Erst als ich in der sogenannten Seelsorge Menschen begegnete, die mit dem Heiligen Geist lebten, deren Beziehung zum Heiligen Geist inniger waren als die zu Jesus Christus oder Gott Vater, für die das Gebet zum Heiligen Geist das Wichtigste war, wurde ich nachdenklich und offener für das Wirken des Heiligen Geistes. Indem ich dies schreibe, wird mir bewusst, dass es nicht genügt, über den Heiligen Geist etwas zu wissen, vielmehr könnte er in unserem Leben bewegende Kraft sein, er sollte unser Gemüt erfassen und uns leiten.
Doch nun zum Text! Der Apostel schreibt: Wer vom Fleisch bestimmt ist, kann Gott nicht gefallen. Ihr aber seid nicht vom Fleisch, sondern vom Geist bestimmt, da ja der Geist Gottes in euch wohnt. Paulus spricht von zwei Seinsweisen. Der Mensch wird hineingeboren in die Seinsweise des „Fleisches“. Diese ist von der Erbsünde bestimmt. Der Apostel meint damit nicht nur das „Fleisch“ des Menschen, sondern er denkt an den unerlösten, der Sünde verfallenen Menschen. Aus diesem Zustand konnte sich der Mensch nicht selbst befreien. Jesus hat den Menschen durch seinen Tod am Kreuz von der Sünde befreit und erlöst. Nach seiner Auferstehung und Himmelfahrt hat der Herr uns den Heiligen Geist gesandt, der das Erlösungswerk fortsetzt. Das heißt, in der Taufe bekommt der Mensch durch den Heiligen Geist Anteil an der Erlösungstat Jesu Christi. Darum kann der Apostel von uns getauften Menschen sagen: Ihr aber seid nicht vom Fleisch, sondern vom Geist bestimmt, da ja der Geist Gottes in euch wohnt. Wohnung des Heiligen Geistes, Wohnung Gottes sind wir! Es gibt sicher Heilige, die dies erfahren haben. Die meisten von uns haben solche Erfahrung nicht. Wir müssen es glauben, dass unser Leben in der Taufe eine neue Qualität bekommen hat, dass der Heilige Geist in unserem Leben wirkt, ohne dass wir es merken. Als ich damals in der Gefangenschaft nach Frankreich abtransportiert wurde, das ist mir heute bewusst, war es der Weg des Heiligen Geistes. Ich war für dreieinhalb Jahre hinter Stacheldraht und konnte darum nicht an Beruf, eigene Existenz und Heirat denken. Und wiederum später, als ich die Abendschule in Neuss finden durfte, war es gewiss der Heilige Geist, der sie mich hatte finden lassen. Ich bin überzeugt, dass nur eine weite Entfernung von daheim mir die Möglichkeit verschafft hat, das Abitur zu machen. Wenn ich meinen Lebensweg betrachte, und dies könnte wohl ein jeder, der dies liest, bei sich selbst tun, dann muss ich sagen, der Heilige Geist hat mein Leben bestimmt. Dennoch bleibt eine gewisse Sehnsucht, diesen Heiligen Geist auch zu erfahren, so wie wir zum Beispiel Liebe erfahren. Der Apostel schreibt: Alle, die sich vom Geist Gottes leiten lassen, sind Söhne Gottes. Denn ihr habt nicht einen Geist empfangen, der euch zu Sklaven macht, so daß ihr euch immer noch fürchten müßtet, sondern ihr habt den Geist empfangen, der euch zu Söhnen macht, den Geist, in dem wir rufen: Abba, Vater! Es ist die Not der getauften Menschen, dass sie das Sohnsein nicht erfahren. Dies ist verstehbar, denn das Leben des Heiligen Geistes ist uns nur im Glauben erfahrbar. Und der Glaube ist oft dunkel. Wir sprechen von der Dunkelheit des Glaubens. Dennoch gilt, dass wir durch die Taufe „Söhne“ und „Töchter Gottes“ geworden sind. Im Heiligen Geist. können und dürfen wir zu Gott „Vater“ sagen. Wenn wir im „Vater unser“ Gott als Vater ansprechen, müsste diese Anrede von Vertrauen und Liebe geprägt sein. Wir beten: „Wir heißen Kinder Gottes und wir sind es.“ Der Heilige Geist hat uns dazu gemacht. Und wenn wir uns von IHM leiten lassen, brauchen wir keine Angst vor Gott zu haben. Nun denke ich wieder, es ist oft schwer und schwierig, den Weg mit ihm zu gehen. Oft hält uns das menschliche Leben so gefangen, dass wir seine Führung nicht bemerken. Ich denke an die Liebe: Ich nehme oft nicht wahr, wenn ein anderer mich liebt. Nur wenn er mir seine Liebe offen kundtut, weiß ich von ihr. Diese Not gibt es auch mit dem Heiligen Geist. Doch der er ist größer als jede menschliche Liebe. Wenn ich mich IHM anvertraue, wird er mich führen und leiten, auch wenn ich es nicht erspüre und erfahre. Haben wir Geduld! Zuletzt führt er uns in die Ewigkeit: Wir sind Erben Gottes und sind Miterben Christi, wenn wir mit ihm leiden, um mit ihm auch verherrlicht zu werden, schreibt der Apostel. Der Heilige Geist möge uns die Kraft schenken, mit dem Herrn zu leiden, um dann auch mit IHM verherrlicht zu werden. - Amen! So sei es!