2. Sonntag der Osterzeit "B"
TAGESGEBET
Barmherziger Gott,
durch die jährliche Osterfeier erneuerst du den Glauben deines Volkes.
Lass uns immer tiefer erkennen,
wie heilig dass Bad der Taufe ist, das uns gereinigt hat,
wie mächtig dein Geist, aus dem wir wiedergeboren sind,
und wie kostbar das Blut, durch das wir erkauft sind.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.

Erneuerst du den Glauben deines Volkes...
Heute, am zweiten Sonntag der Osterzeit, haben wir eines der schönsten Kirchengebete des Jahres. Dieses hat mich immer schon angerührt. Es enthält eine einzigartige theologische Aussage über unseren Glauben in verständlichen Worten.
Barmherziger Gott, beginnt es wiederum. Ich möchte mir das Barmherzigsein Gottes verinnerlichen, doch es geht nicht. All zu viele Erlebnisse der Kindheit, wo ich mir Barmherzigkeit gewünscht hätte, und ich sie nicht bekommen habe, drängen sich offensichtlich dazwischen. Dies hat die Tiefenpsychologie erhärtet, dass Kindheitserlebnisse unser ganzes Leben beeinflussen können. So will und kann ich mir über den Verstand klar machen, dass der allmächtige Gott uns Menschen aus Liebe erschaffen und uns erlöst hat. Zu diesem Menschen steht Gott und bekennt sich zu ihm, nicht nur im Allgemeinen, sondern ihm liegt jeder Mensch am „Herzen“. Ich, Du und wir haben einen Platz in seinem Herzen, das voll Erbarmen ist. Ich muss mir diese theologische Wahrheit und Wirklichkeit immer wieder sagen lassen und sie mir vergegenwärtigen, dann wird sie gewiss auch mehr in meinem Herzen lebendig werden.
Eine solche Vergegenwärtigung unseres Glaubensgeheimnisses ist die „jährliche Osterfeier“. Darum betet die Kirche zu Recht: durch die jährliche Osterfeier erneuerst du den Glauben deines Volkes. Und noch einmal muss ich mir sagen lassen, dass es um den „Glauben“ geht. Es gibt keine physische oder rationale Glaubensbeweise, die letztlich überzeugen können. Wäre das möglich, wäre Glaube nicht mehr Glaube. Und doch, indem wir das Fest der Auferstehung feiern, wird uns eine Gewissheit unseres Glaubens geschenkt. Wie jedes Leben, so unterliegt auch das Leben des Glaubens dem „Verschleiß“. Darum ist die jährliche Feier des österlichen Geheimnisses für den Erhalt und die Erneuerung unseres Glaubens „not-wendig“.
Und, so fährt das Gebet fort: Lass uns immer tiefer erkennen, wie heilig dass Bad der Taufe ist, das uns gereinigt hat. In der Urkirche wurden zuerst nur erwachsene Menschen getauft. Menschen, die verstehen konnten, was ihnen im Glauben bei der Taufe geschenkt wurde. – Wenn heute „Säuglinge“ getauft werden, können diese die Taufe nur auf Grund des Glaubens von Eltern und Paten empfangen. – Heilig wird das Bad der Taufe genannt. Heiligkeit ist eine Eigenschaft Gottes. Das hebräische Wort für „heilig“ besagt „herausgenommen oder abgesondert“. So sind wir getaufte Menschen herausgenommen aus der Zahl der Menschen, die noch unter dem Joch der Erbsünde leben. In der ersten Sünde hat sich das erste Menschenpaar von Gott getrennt und mit ihm alle Nachkommen, die ganze Menschheit. Darum sprechen wir von der „Erbsünde“. Aus diesem Zusammenhang menschlichen Lebens werden wir durch den Heiligen Geist befreit. Diese Befreiung wird mit der Geburt verglichen. Der Mensch, der bei der Geburt aus dem Schoß der leiblichen Mutter hervorgeht, wird ein zweites Mal in der Taufe aus dem Schoß der Heiligen Kirche im Heiligen Geist geboren. Es ist eine „zweite Geburt“ die Bedeutung für die Ewigkeit hat. In einem Gedicht von Angelus Silesius heißt es:“...und wärst du hundertmal geboren und nicht aus Gott, so wärst du ewiglich verloren.“
Wir können fragen, warum wir gerade in der Osterzeit, in der Zeit, da wir besonders das Leiden, den Tod und die Auferstehung unseres Herrn feiern. an unsere Taufe erinnert werden? Das hat seinen Grund im Leben Jesu, das Grund und Inhalt unseres Glaubens ist. Jesus hat sein Leben für uns eingesetzt. Jesus, das müssen wir immer bedenken, ist der Sohn des Vaters im Himmel. Er hat den Fluch der Erbsünde, das Ausgestoßensein vom Himmel, vom Leben mit Gott, auf sich genommen. Oder anders ausgedrückt: Er hat den Ungehorsam Adams durch seinen Gehorsam dem Vater gegenüber gesühnt. Dieser Gehorsam hat ihn das Leben gekostet. Darum heißt es im Gebet: Laß uns immer tiefer erkennen ...wie kostbar das Blut, durch das wir erkauft sind. Es ist und bleibt ein Geheimnis des Glaubens, dass der Tod und die Auferstehung Jesu uns den Weg zum Himmel eröffnet haben, mehr noch: dass nur das Leiden Jesu, des Sohnes Gottes, unsere Vergehen gegen Gott und die Menschen „sühnen“ konnte. Das Gebet drückt es so aus: Durch das kostbare Blut sind wir erkauft. Jesus hat sein Leben als „Kaufpreis“ eingesetzt. Er hat sein „kostbares“ Leben nicht geschont, er hat es nicht für sich behalten wollen. Seitdem gilt: Nur wer sich durch sein Blut erkaufen lässt, kann gerettet werden. Das kann den Stolz des Menschen herausfordern. Er möchte unabhängig und frei sein. Wer sich vom Herrn loskaufen lässt, wird sein Eigentum. Hier tut sich für mich eine ganz neue Sicht auf. Ich habe mich bis jetzt immer erlösen lassen und bin doch in Wirklichkeit immer bei mir geblieben; denn ich dachte, Gott müsste sich doch freuen, wenn ich bei ihm bleibe. Heute wird mir bewusst, dass ich im Letzten gar nicht mehr mir gehöre, sondern mein Leben gehört durch die Taufe dem Herrn. Wenn ich bei ihm bleibe, ist es nur richtig, so wie Kinder zu den Eltern gehören, auch dann, wenn sie sich selbständig machen und nicht mehr bei ihnen wohnen.
Dies ist alles nur im Heiligen Geist zu verstehen. Der Heilige Geist schenkt uns das Leben Gottes, aus ihm sind wir wiedergeboren. So können wir ihn nur bitten, dass er uns hilft, das Leben, das uns in der Taufe geschenkt wurde, tiefer zu verstehen; denn nur dann können wir es auch leben.