3. Sonntag der Adventszeit "B"
TAGESGEBET
Allmächtiger Gott,
sieh gütig auf dein Volk, das mit gläubigem Verlangen das Fest der Geburt Christi erwartet.
Mache unser Herz bereit für das Geschenk der Erlösung,
damit Weihnachten für uns alle ein Tag der Freude und der Zuversicht werde.
Darum bitten wir durch Jesus Christus, unse-ren Herrn.

Allmächtiger Gott, sieh gütig auf dein Volk, das mit gläubigem Verlangen das Fest der Geburt Christi erwartet.
Je öfter ich über die Anrede „Allmächtiger Gott“ schreibe, umso mehr fällt mir auf, dass ich das Gebet einfach als Formel gebetet habe; das heißt, ohne viel dabei gedacht zu haben. Vor dem letzten Konzil wurden die Gebete lateinisch gebetet. Mit den lateinischen Worten beginnt das Gebet: „Omnipotens deus“. Potere heißt können und omnis wird übersetzt mit „alles“. Omnipotens hat daher die Bedeutung „alles könnend“ oder „alles vermögend“. Unser Gott kann alles und vermag alles. Ihm ist alle Macht und Herrlichkeit gegeben. Unter seinem Schutz zu stehen, ist das Beste, was uns in unserem Leben geschehen kann; denn da er alle Macht hat, kann kein Feind uns schaden. Die Frage ist nur, ob wir unter seinem Schutz stehen möchten. Natürlich gerne, werden wir vorschnell sagen, doch wenn es dann darum geht, Gottes Willen zu tun, wird es schon schwieriger. Unser eigener Wille ist uns ein „heiliges“ Gut, das heißt, ihn wollen wir nicht schon unter den Willen eines Menschen und auch nicht unter Gottes Willen beugen. Das Wort „beugen“ sagt uns die Schwierigkeit. Wir müssen vielleicht dann auf etwas, was unser eigener Wille möchte, verzichten. Es kann eine Art Kampf in uns entstehen, dem wir machtlos ausgeliefert wären, wenn uns Gott dabei nicht helfen würde. Darum beten wir nicht nur zum „allmächtigen Gott“, sondern wir bitten ihn um seine Hilfe.

Sieh gütig auf dein Volk!
Wir können den Sinn dieser Bitte am besten verstehen, wenn wir das Zusammenleben von uns Menschen betrachten. Ein Mensch, der gütig zu einem anderen ist, ist ihm auch dann noch gut, wenn der andere nicht so handelt, wie er es von ihm erwartet. Gütig hat mit Gutsein zu tun. Gutsein kann ich nur, wenn ich selbst das Gutsein in mir trage. Wenn ich selber, im Bilde ausgedrückt, leer bin, kann ich nichts, auch kein Gutsein verschenken. Hier können wir erkennen, dass ein jeder Mensch vom Beginn seines Lebens an vom Gutsein des anderen lebt. Schon im Mutterschoß wird unser Leben geprägt – oder bei uns Erwachsenen ist es geprägt worden. - Wenn die Mutter ihr Kind in ihrem Schoß annimmt, wenn sie mit ihm spricht, als hätte es schon das Licht der Welt erblickt, wird sie später ihr Gutsein belohnt bekommen. Mir wird, indem ich dies schreibe, manches klar aus meinem Leben. Meine Mutter hatte schon zum sechsten Mal empfangen. Es war ihr sicher schwer mit den fünf Kindern vor mir und der vielen Arbeit auf dem Hofgut. Ich denke heute, dass meine Mutter eine außergewöhnliche Kraft besessen haben musste, dass sie dies alles leisten konnte. Was mein Leben anbetrifft, fühlte ich mich offensichtlich nicht ganz angenommen. Es gibt Szenen in meinem Leben, die dies zum Ausdruck bringen. Doch meine Eltern hatten keine Psychologie studiert und wussten wahrscheinlich nicht, dass viele kindliche Unarten auf einen Liebesmangel hinweisen.
Heute bitten wir Gott um sein gutes, gütiges Dasein in und für unser Leben. Gott ist uns gut und gütig, selbst wenn wir das nicht immer so sehen. Das muss kein böser Wille zu sein, es kann daran liegen, dass Gott uns sein Gutsein oft durch Menschen schenkt. Das heißt: Er möchte, dass wir Menschen gut zu einander sind und dadurch sein Gutsein uns Menschen erfahrbar werden lässt. Doch Gott kennt auch den „außergewöhnlichen“ Weg, das heißt, er kann sein Gutsein den Menschen auch direkt erfahrbar machen. Gott ist kein Gott, der nur zuschaut, was wir Menschen tun, sondern er begleitet unsere Lebenswege und hilft uns, sie zu bewältigen. Er kann uns Halt und Ziel schenken, ohne unsere Freiheit einzuschränken. Er kann uns locken, ohne dass wir es merken, so ungefähr – ich meine, ich habe schon einmal davon geschrieben – als wenn ein Vater sein Kind mit seiner Hilfe unterstützt, dem Kind jedoch den Eindruck lässt, was es geleistet hat, selbst gemacht zu haben. Zu der Hilfe von Gott fällt mir eine Geschichte ein, die meines Wissens unser jetziger Papst geschrieben hat. Er erzählte von einem Mädchen (Schwarzafrikanerin) namens Baghita (ich weiß nicht, ob ich den Namen richtig behalten habe). Es war von einer Herrschaft gekauft worden und war nun in Diensten bei dieser begüterten Familie. Das Mädchen wurde geschlagen und gepeinigt. Alles ertrug sie um Christi willen, der ja auch den Weg bis zum Kreuz gegangen ist. Ich meine, dass sie auf diese Weise die Familie bekehrt hat. (Allerdings weiß ich den Ausgang nicht mehr genau). Das Mädchen hat eine „außergewöhnliche“ Hilfe, ein außergewöhnliches Gutsein von Gott erfahren. Nur so konnte es alle Pein ertragen, ohne sich dagegen aufzulehnen.
Es ist darum wichtig, dass wir um das Gutsein Gottes bitten. Wenn er uns gütig anschaut, können wir unser Leben in seinem bergen und so auch zum Mitmenschen gut und gütig sein. Wozu wir Menschen fähig sind, wenn wir keine Güte und kein Gutsein zueinander in uns tragen, können wir täglich in den Nachrichten sehen oder in der Zeitung lesen. Es ist gut und richtig, dass wir gläubigen Menschen den allmächtigen Gott bitten, uns Menschen durch seinen gütigen Blick zu helfen und uns seine Güte zu schenken, denn ein „gütiger Blick“ schenkt Leben. Darum schauen sich Menschen, die sich lieben, gerne in die Augen. Möge Gott uns gütig anschauen, dann „wird Weihnachten für uns zu einem Tag der Zuversicht!“