TAGESGEBET
Allmächtiger Gott,
lass die österliche Freude in uns fortdauern,
denn du hasst deiner Kirche neue Lebenskraft geschenkt
und die Würde unserer Gotteskindschaft in neuem Glanz erstrahlen lassen.
Gib, dass wir den Tag der Auferstehung voll Zuversicht erwarten
als einen Tag des Jubels und des Dankes.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.
Allmächtiger Gott
Gott hat alle Macht, beten wir immer und immer wieder. Und doch vertraue und traue ich dieser Macht zu wenig. Ich sehe unter uns Menschen zumeist nur Ohnmacht. Ein paar Menschen gibt es, die Macht über andere Menschen haben. Da fällt mir zum Beispiel die Situation Jesu vor dem Statthalter Pilatus ein. Als Jesus ihm keine Antwort gibt, sagt dieser: „Du sprichst nicht mit mir? Weißt du nicht, dass ich Macht habe, dich freizulassen, und Macht, dich zu kreuzigen.“ Worauf ihm Jesus entgegnete: „Du hättest keine Macht über mich, wenn es dir nicht von oben gegeben wäre.“ Auch die schreckliche Macht, die immer auf Zerstörung unter uns Menschen aus ist, kommt von Gott. Ich entsinne mich, dass wir Studenten in der Theologie damit große Probleme hatten. Letztlich muss gefragt werden, ob es außerhalb der Machtquelle, die Gott ist, es noch eine andere gibt. Und dies ist zu verneinen. Selbst die Macht Satans kommt von Gott. Sie ist nur pervertiert, sie wird vom Bösen zum Bösen eingesetzt. Wir können Gott bitten, dass er ihm Einhalt gebietet. Für uns liegt die Möglichkeit Böses zu tun, in unserer Freiheit. Ich bin frei, meine Macht für das Gute oder das Böse einzusetzen. Doch meine Freiheit und meine Lebenskraft kommen von Gott. Es ist, so sagt die Theologie, ein Ausdruck der Größe Gottes, dass er den Menschen diese Freiheit geschenkt hat, obwohl er wusste, dass er sie gegen ihn (Gott) missbrauchen kann und missbraucht. So geschehen im Paradies bei Adam und Eva. Es ist kaum zu fassen, wenn wir bedenken, dass Gott schon um den Sündenfall wusste, ehe er den Menschen erschaffen hat, und er ihn dennoch erschaffen und ihm die Freiheit geschenkt hat. Mehr noch: Gott Vater hat schon bei der Erschaffung des Menschen dessen Erlösung eingeplant. Das hat die heilige Angela von Foligno verstanden. Sie schreibt, dass Gott Vater seinem Sohn von Ewigkeit her zur Erlösung des Menschen das Kreuz „geschenkt“ und dieser es willig angenommen habe. – Ich denke an einen Vorgang in der Erziehung der Kinder. Eltern, die ihren Kindern viel „Spielraum“ lassen, geben ihnen die Möglichkeit, selbständig zu werden. Wenn Eltern dies nicht tun, können ihre Kinder sich womöglich nicht entfalten.
Das Gebet preist die Größe Gottes. Es spricht davon, was Gott für uns getan hat: „Du hast deiner Kirche neue Lebenskraft geschenkt und die Würde unserer Gotteskindschaft in neuem Glanz erstrahlen lassen.“ Die Kirche besteht aus sterblichen Menschen. Krankheit und Tod ist des Menschen Anteil. Dass die Menschheit daran nicht verzweifelt ist, liegt in der Wirklichkeit des Lebens. Wie in der Natur immer auf Vergänglichkeit Auferstehung folgt, so lebt der sterbende Mensch in seinen Nachkommen weiter. Dabei bleibt bestehen, dass Vergänglichkeit wirklich vergänglich ist und bleibt. Kein Mensch und kein Lebewesen kann sich selbst vom Tode ausnehmen. Das konnte nur der Herr, Jesus Christus. Er ist vom Tode erstanden. Jeder Mensch, der sich ihm mit seinem Leben anschließt, bekommt Anteil an seinem unvergänglichen Leben. Es ist die „neue Lebenskraft“, von der das Gebet spricht. Hier muss bedacht werden, dass diese „neue Lebenskraft“ nicht vor Krankheit und Tod schützt, sie verwandelt jedoch das Leben desjenigen, der ihr glaubt. Ich habe immer noch das Sterben einer Frau vor Augen. Sie glaubte an den Herrn und glaubte dem Herrn, und bei ihrem Sterben zeigte sich ein Glanz auf ihrem Gesicht. Sie hatte die „Würde der Gottes-kindschaft“ offensichtlich in ihrem Leben erfahren. Der Glanz des auferstandenen Herrn ist letztlich auch unser Glanz. Es wird gesagt, dass Kinder etwas vom Leben der Eltern ausstrahlen. Wenn die Kinder glücklich und zufrieden sind, lässt sich annehmen, dass sie bei den Eltern geborgen sind. So könnten wir Christen auch etwas von unserer Gotteskindschaft in unserem Leben sichtbar machen, doch oft lässt dies die tägliche Not nicht zu. Ich entsinne mich wieder eines Erlebnisses mit einem Mitstudenten. Nach einem Vortrag über die christliche Freude, lief er mit einem „gekünstelten Lächeln“ durch das Haus und machte damit ein Fragezeichen zu der Freude. In meiner Kaplanszeit sagte eines Tages eine Frau zu mir: „Nun lachen sie doch mal“. Worauf ich antwortete: „Das Leben sei ernst!“ Alle diese Beispiele zeigen mir, dass wir Freude nicht machen können. Wenn die „österliche Freude“ unser Leben durchströmen soll, muss sie uns der Herr schenken. Er hat sie auch schon vielen Menschen geschenkt und schenkt sie immerzu. Der Herr hat das Leben vieler schon „beflügelt“, sodass sie mit viel Leben und Kraft sich für ihn eingesetzt haben und sich einsetzen. Dies alles tun diese Menschen, um eines Tages ganz beim Herrn sein zu dürfen und um vielen zu helfen, damit auch sie an dieser Freude und diesem Leben mit Gott Anteil geschenkt bekommen. Im Gebet bitten wir: „Gib, dass wir den Tag der Auferstehung voll Zuversicht erwarten als einen Tag des Jubels und des Dankes.“ Hier schleichen sich bei mir die Zweifel ein. Viele Fragen drängen sich auf, wie zum Beispiel: Habe ich richtig gelebt? Habe ich das Versprechen, das ich Gott gegeben, gehalten? Und noch viele andere mehr. Doch sie sollen mir die „österliche Freude“ nicht nehmen. Der Herr hat für uns Sünder sein Leben hingegeben, nicht für die „Gerechten“. Er hat nicht für sich, sondern für uns alle gelebt. Er ist für uns alle „vom Tode erstanden“ und möchte uns alle an seinem Leben teilhaben lassen. Darum lasst uns froh werden und sein kraft seiner Auferstehung, der Auferstehung unseres Herrn.
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