TAGESGEBET
Allmächtiger, ewiger Gott,
bei der Taufe im Jordan
kam der Heilige Geist auf unseren Herrn Jesus Christus herab,
und du hast ihn als deinen geliebten Sohn geoffenbart.
Gib, dass auch wir,
die aus dem Wasser und dem Heiligen Geist wiedergeboren sind,
in deinem Wohlgefallen stehen
und als deine Kinder aus der Fülle dieses Geistes leben.
Darum bitten wir durch Jesus Christus, unseren Herrn.
Allmächtiger, ewiger Gott
Mit dem Wort „allmächtiger Gott“ beginnen wir oft und immer wieder das Gebet. Wir können es auch heute wieder auf uns wirken lassen. Der Gott, der alle Macht hat, ist unser Gott. Er ist der einzig lebendige Gott, den es gibt. Je mehr wir diesem Wort vertrauen oder es in uns aufnehmen, umso mehr werden wir uns auf unseren Gott verlassen. Ich muss gestehen, dass ich immer von IHM schreibe, es mir aber oft nicht bewusst ist, dass er auch um mein Leben weiß und es ihm nicht gleichgültig ist, was mit meinem Leben geschieht. Wenn ich mich ihm mehr anvertrauen würde, könnte ich viel gelassener mit meinem Leben umgehen. So will ich darauf achten, wann immer ich das Gebet mit „allmächtiger Gott“ beginne, daran zu denken, dass ich damit mit dem Gott, der alle Macht hat, in Beziehung trete. Weiter beten wir, dass unser Gott ein „ewiger“ Gott ist. Stets aufs Neue kann ich mich mit der Ewigkeit verbunden wissen, auch wenn ich mir sie nicht vorstellen kann. Wie groß muss dieser unser Gott sein, der, der alles Irdische umfasst, alles menschliche Leben aller Zeiten. Ich nehme an, dass meine Vorstellung von Gott unzulänglich und falsch ist; denn ich kann mir nichts Größeres als den Menschen, als menschliches Können und Verstehen vorstellen. Bei der Taufe im Jordan kam der Heilige Geist auf unseren Herrn Jesus Christus herab. In der theologischen Vorlesung wurde darüber gesprochen, ob Jesus dieser Taufe überhaupt bedurft hat. Meines Wissens wurde gesagt, dass Jesus als Gottes Sohn dieser Taufe nicht bedurft hätte, doch da er ganz Mensch geworden sei, müsse er auch alle menschlichen Lebensvorgänge durchleben. Als Mensch hat er den sündigen Zustand des Menschen vor Gott ganz geteilt, obwohl er ohne Sünde war. Die Taufe am Jordan war daher keine Taufe, die die Vergebung der Sünde bewirkt hat. Sie war vielmehr ein Zeichen, dass die Menschen, die sie empfangen haben, bewusst zum auserwählten Volk gehören wollten und gehörten. Erst durch den Tod und die Auferstehung Jesu Christi wurde die Taufe zum Zeichen, zum Sakrament, das die Vergebung der Sünden bewirkt. Durch sie wird der Sünder zum „Kind Gottes“. Bei der Taufe im Jordan kam der Heilige Geist auf Jesus herab. Hier gilt das Gleiche, was eben schon gesagt wurde. Jesus ist Sohn Gottes und wird nicht erst durch den Heiligen Geist zum Sohn Gottes gemacht. Doch um des Menschen willen, der Jesus auch ist, muss sich sein Leben in und mit Gott in menschlicher Sprache und menschlichen Zeichen äußern. Darum ist es nicht verwunderlich, dass das Gebet fortfährt: du hast ihn als deinen geliebten Sohn geoffenbart. Offenbaren heißt: Gott musste selbst den Menschen mitteilen, offenlegen, wer dieser Jesus ist: nämlich sein Sohn von Ewigkeit her. Es ist immer wieder eine ungeheure, nur im Glauben zu erfassende Botschaft. Das Gebet spricht von Gott und Gottes Sohn. Wir können unseren Gott nicht sehen. Nur verhüllt in menschlichem Gewand hat er sich in Jesus offengelegt, geoffenbart. In menschlicher Sprache hat uns Jesus von seinem Vater, unserem Gott, erzählt. So haben wir die Möglichkeit, von ihm zu hören. Im Hinblick auf Gott sind wir wie blinde Menschen. Diese müssen auch dem Wort glauben, das ihnen über Welt und Menschen gesagt wird. Sie haben nie die Möglichkeit, mit ihren Augen die Schönheit dieser Erde zu schauen. Die Schönheit dieser Erde besteht, auch wenn sie vom blinden Menschen nicht geglaubt wird. So ungefähr stelle ich mir mein Leben im Glauben an Gott vor. Es gibt unseren Gott, ganz gleich, ob ich an ihn oder ihm glaube. Und es gibt seinen Sohn, das betet das Kirchengebet heute. Und es betet noch mehr: Er ist der „geliebte Sohn“ seines Vaters. Das ändert sich auch nicht, als der „geliebte Sohn“ später am Kreuz sterben muss. Unser Gott ist kein wankelmütiger Gott. Sein Wort hat in Ewigkeit Bestand. Er braucht kein Wort zurückzunehmen, weil es falsch war. Darum können wir uns ihm voll Vertrauen überlassen. Gib, dass auch wir, die aus dem Wasser und dem Heiligen Geist wiedergeboren sind, in deinem Wohlgefallen stehen und als deine Kinder aus der Fülle dieses Geistes leben. Jesus lebte sein Leben für uns Menschen. Da er sein Leben für uns hingegeben hat, können wir an seinem Leben Anteil geschenkt bekommen. Dies geschieht zu aller erst bei der Taufe. Durch sie werden wir in die Gemeinschaft mit Jesus, unserem Herrn, aufgenommen. Dies geschieht durch den Heiligen Geist. Ihn hat uns Jesus nach seiner Himmelfahrt geschenkt. Seither geschieht alles Leben mit Gott und Jesus Christus im Heiligen Geist. Der Heilige Geist hat uns zu Kindern Gottes gemacht. Zwei Anliegen greift das Kirchengebet auf, einmal, dass wir in der Taufe Kinder des Wohlgefallens Gottes geworden sind. Dies ist wiederum eine ungeheure Aussage. Ich habe den Eindruck, dass ich, so hoffe ich, von Gott angenommen bin, doch dass er an mir ein Wohlgefallen hat, das heißt, dass er sich über mich freut, wie sich zum Beispiel Eltern über ihr Kind freuen, das kann ich mir nur sehr schwer vorstellen. Sicher hat das wieder mit der Kindheit zu tun, worüber ich heute aber nicht nachdenken möchte. Heute will ich mir sagen lassen, dass mir Gottes Geist geschenkt ist. Er ist die Fülle göttlichen Lebens. Er hat mich zum Kind Gottes gemacht. Möge er mich und uns alle dieses Kindsein immer tiefer erfahren lassen. Darum lasst uns ihn bitten.
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