TAGESGEBET
Allmächtiger Gott,
du hast den Menschen
in seiner Würde wunderbar erschaffen
und noch wunderbarer wiederhergestellt.
Laß uns teilhaben an der Gottheit deines Sohnes,
der unsere Menschennatur angenommen hat.
Er, der in der Einheit des Heiligen Geistes
mit dir lebt und herrscht
in alle Ewigkeit.
Allmächtiger Gott, du hast den Menschen in seiner Würde wunderbar erschaffen
Unser Gebet richtet sich immer an den “allmächtigen Gott“: Es ist gut, sich stets daran erinnern zu lassen, dass es diesen Gott gibt und dass er alle Macht hat. In seiner Macht können wir uns bergen und geborgen wissen, wobei unsere Kindheitserfahrungen sich natürlich wieder einmischen können. Wer sich bei Vater und Mutter als Kind angenommen und geborgen erfahren hat, der wird es leichter haben, sich bei Gott ebenso geborgen zu erfahren. Nun können wir sagen, bei Gott ist jeder Mensch, ob mit guten oder schlechten Erfahrungen, angenommen. Nur, wenn wir uns selbst von ihm trennen würden, wüssten wir nicht mehr, ob er uns in seiner Allmacht und mit seiner Macht beschützen würde. Heute, am Fest der Geburt unseres Herrn, Jesus Christus, erinnert uns das Gebet an unsere eigene Entstehungsgeschichte. Der Mensch ist nicht durch Zufall geworden, sondern Gott hat ihn erschaffen. Wir haben im Alten Testament, in der Genesis, zwei Berichte von der Erschaffung des Menschen durch Gott. Im älteren Bericht heißt es: „Da formte Gott, der Herr, den Menschen aus Erde vom Ackerboden und blies in seine Nase den Lebensatem. So wurde der Mensch zu einem lebendigen Wesen. Dann legte Gott, der Herr, in Eden, im Osten, einen Garten an und setzte dorthin den Menschen, den er geformt hatte. (Genesis 2,7-8). Lesen wir noch den zweiten Bericht über die Erschaffung des Menschen: Dann sprach Gott: Laßt uns Menschen machen als unser Abbild, uns ähnlich. Sie sollen herrschen über die Fische des Meeres, über die Vögel des Himmels, über das Vieh, über die ganze Erde und über alle Kriechtiere auf dem Land. Gott schuf also den Menschen als sein Abbild; als Abbild Gottes schuf er ihn. Als Mann und Frau schuf er sie. Gott segnete sie, und Gott sprach zu ihnen: Seid fruchtbar, und vermehrt euch, bevölkert die Erde, unterwerft sie euch, und herrscht über die Fische des Meeres, über die Vögel des Himmels und über alle Tiere, die sich auf dem Land regen. (Genesis 1,26 – 28). Der Mensch, das können uns die Berichte sagen, ist Gottes Werk, und zwar das größte und das schönste aller Werke, die er geschaffen hat. Nach seinem „Abbild“ hat er den Menschen geschaffen. Was kann das heißen? Gott ist frei. In ihm ist nur Freiheit ohne Einschränkung. Von dieser Freiheit hat er auch dem Menschen geschenkt. Das Tier, das sei hier angemerkt, lebt nach dem Instinkt. Es gehört zur Würde des Menschen, dass er über sich selbst bestimmen kann. Es gehört auch zu ihm, dass er mit dem Mitmenschen in Freiheit leben kann. – Hier können Fragen auftauchen, die die Folgen der Erbsünde betreffen. Doch erstmals möchte ich darauf nicht eingehen. Es geht darum, die Würde des Menschen zu ertasten, die die erste Sünde des Menschen nicht zerstören konnte. – Es gehörte zur Würde des Menschen, dass Gott mit dem Menschen gesprochen hat. Gott, der Herr, sprach zum Menschen, von allen Bäumen dürfe er essen, nur von dem Baum in der Mitte des Paradieses nicht. Es gehörte zur Würde des Menschen, im Paradies mit Gott leben und sprechen zu dürfen. Die Sünde zerstörte diese Gemeinschaft, doch sie konnte nicht das „Mensch“-Sein zerstören. Die Würde des Menschen hatte einen Makel bekommen, darum musste der Mensch das Paradies verlassen. Es heißt: Dann sprach Gott, der Herr: Seht, der Mensch ist geworden wie wir; er erkennt Gut und Böse. Daß er jetzt nicht die Hand ausstreckt, auch vom Baum des Lebens nimmt, davon ißt und ewig lebt! Gott, der Herr, schickte ihn aus dem Garten von Eden weg, damit er den Ackerboden bestellte, von dem er genommen war. Er vertrieb den Menschen und stellte östlich des Gartens von Eden die Kerubim auf und das lodernde Flammenschwert, damit sie den Weg zum Baum des Lebens bewachten. Zuerst fällt mir das Weihnachtslied ein, in dem gesungen wird: „Der Cherub steht nicht mehr dafür, Gott sei Lob und Preis!“ Gott sei der Dank dafür, dass er durch seinen Sohn die Lebenssituation des Menschen wieder zum Guten verändert hat. Für den Menschen, der sich vom Herrn erlösen lässt, ist das verschlossene Paradies wieder geöffnet. Gott hat den Menschen nicht nur erschaffen, sondern ihn auch nach dem Sündenfall nicht für immer fallen lassen. Er hat ihn durch den Tod und die Auferstehung seines Sohnes aus der Gottferne zurück- und heimgeholt. War schon die Erschaffung des Menschen ein wunderbares Werk Gottes, so zeigt die Befreiung des Menschen aus der Gefangenschaft der Sünde erst recht die Größe Gottes. Gott hat sein Wunderwerk, den Menschen, nicht aus seiner Liebe und aus seiner Beziehung zu ihm entlassen. Sein Sohn ist Mensch geworden, um uns Menschen wieder die Möglichkeit zu schenken, am Leben Gottes teilzuhaben. Darum beten und bitten wir: Laß uns teilhaben an der Gottheit deines Sohnes, der unsere Menschennatur angenommen hat. Der Herr, Jesus Christus, ist die Brücke von Gott Vater zu uns und die Brücke von uns zu Gott. Indem Jesus als Gottes Sohn Mensch wird, gibt er uns die Möglichkeit durch ihn zum Vater im Himmel zu kommen. Jesus umfasst vom ersten Augenblick seines Daseins, da er im Schoße Mariens empfangen wurde, bis zum Tag seiner Himmelfahrt unser ganzes menschliches Leben. Er hat in der Tat unsere menschliche Natur ganz angenommen. Das heißt für uns, dass wir mit unserer menschlichen Natur an seinem göttlichen Leben teilhaben können. Wie wir schon bedacht haben, ist der Mensch frei in seiner Entscheidung, darum bitten wir, dass uns Gott „an der Gottheit seines Sohnes teilhaben lassen möchte“. Möge Gott, der Herr, - das sei mein Wunsch - es uns allen an diesem Weihnachtsfest schenken!
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